SPD für Hanf-Anbau Medizinisches Cannabis für München: Eine Plantage auf Stadtgebiet?

Nach Willen der Rathaus-SPD sollen künftig auf Münchner Stadtgebiet derartige Cannabisplantagen entstehen. Foto: chrisbeez/Pixabay

Um die steigende Nachfrage nach medizinischem Marihuana zu decken, will München die erste deutsche Stadt werden, die THC-haltiges Cannabis anbaut.

Durch Lieferengpässe bei importiertem Marihuana aus Kanada oder den Niederlanden wächst in Deutschland der Druck, da Cannabis immer häufiger in der Medizin und zur Therapie verschiedener Krankheiten angewendet wird.

Cannabisplantage in der Stadt?

Die Rathaus-SPD will in Zukunft den Anbau von medizinischem Marihuana zulassen. Dafür sind die zahlreichen Landwirtschaftsflächen der Stadt München vorgesehen, die etwa 2.400 Hektar ausmachen. "Wir haben durchaus die Flächen und die Möglichkeit dazu“, erklärte Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) bei der Übergabe einer Petition von dem Deutschen Hanfverband München.

Seit dem Frühjahr 2017 ist medizinisches Marihuana für die Behandlung verschiedener Krankheitssymptome zulässig und wird von den Krankenkassen bezahlt. Mit der Legalisierung der medizinischen Verwendung der Cannabispflanze plant der Bund auch deren Anbau. Der Anbau von THC-haltigem Cannabis war bisher illegal, weswegen Deutschland das Marihuana überwiegend aus Kanada und den Niederlanden bezogen hat.

Das Cannabis darf jedoch nicht einfach so angebaut werden, daher ist das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) für die Zulassung und die Regulierung des Anbaus zuständig. Das BfArM schreibt zur Zeit Lizenzen für den Anbau von insgesamt 10,4 Tonnen Cannabis aus und rechnet 2020 mit der ersten Ernte in Deutschland. Es ist jedoch fraglich, ob der Erntetermin auch tatsächlich eingehalten werden kann, da Bieterklagen die Vergabe der Lizenzen bisher verzögert haben.

Immer mehr Ärzte verschreiben Marihuana

In den letzten Jahren wurden die medizinischen Effekte der Inhaltstoffe von Cannabispflanzen immer besser untersucht. Besonders wichtig dabei sind die Cannabinoide, unter die auch das berauschende THC gehören. Neben dem THC gibt es allerdings auch weitere Cannabisöle, die biochemisch ähnlich wirken wie das THC, jedoch keinen Rausch hervorrufen. Das wichtigste darunter ist das Cannabidiol (CBD), welches seit einem EU-Beschluss 1996 frei verkäuflich ist. Das CBD wirkt
- entkrampfend
- entzündungshemmend
- angstlösend
- gegen Übelkeit

Die Grundlagen basieren darauf, dass die Cannabinoide auf bestimmte Cannabinoidrezeptoren wirken, welche sich auf Nerven- und Immunzellen befinden. Durch das Binden an diese Rezeptoren lösen Stoffe wie THC und CBD eine Signalkaskade aus, welche zum Beispiel erregte Zustände im Hirn bei Depressionen oder Panikattacken positiv beeinflussen können. Zusätzlich wird THC-haltiges Marihuana oft als Begleittherapeutikum zur Chemotherapie verschrieben. Hier wirkt es schmerzstillend und wirkt gegen die Nebenwirkungen der Behandlung wie Übelkeit und Appetitlosigkeit. Auch bei Multipler Sklerose kann medizinischer Cannabis die Stärke von Krampfanfällen reduzieren.

Interessant ist die Wirkung der Cannabinoide besonders auf das Immunsystem. Neueste Studien belegen, dass die Wirkstoffe über die Aktivierung bestimmter Immunzellen Einfluss auf das Tumorwachstum haben können. Sollte dies in klinischen Studien belegt werden, kann medizinisches Marihuana auch aktiv zur Behandlung von Krebs konsumiert werden.

Es geht um Patienten mit schweren Erkrankungen

Da das medizinische Marihuana bisher nur aus dem Ausland bezogen werden kann, kommt es immer wieder zu Lieferengpässen. Schwerkranke Patienten, die auf das Cannabis angewiesen sind, müssen daher oft mit Wartezeiten rechnen. Auch die Aussage des BfArM, dass 2020 mit den ersten Cannabisernten zu rechnen sei, ist mit Vorsicht zu genießen, da Bieterklagen die Lizenzverteilung erschweren und um Jahre verzögern können.

Daher hofft der Hanfverband zusammen mit der Stadt München ein Modellprojekt für den Cannabisanbau zu realisieren. Hierrüber sollen die Apotheken der Stadt und der Umgebung mit medizinischem Marihuana versorgt werden. Zusätzlich hoffen die Verantwortlichen durch das Projekt den Prozess zur Zulassung des Cannabis zu beschleunigen.

Immer mehr Länder erlauben Freizeitnutzung von Marihuana

Neben der medizinischen Nutzung darf THC-haltiges Cannabis mittlerweile in Kanada, Georgien, Spanien, Uruguay und 9 US-Bundesstaaten auch als Freizeitdroge legal konsumiert werden. Darüber hinaus gibt es in den meisten Ländern der westlichen Welt Bestrebungen die Gesetze zur Handhabung mit Cannabis zu lockern. So wurde schon 1996 in der EU ein Gesetz verabschiedet, welches den Anbau und Vertrieb von Hanf und Hanfprodukten mit einem THC-Gehalt von unter 0,2% erlaubt.