Sparkurs, Insolvenz, neuer Investor Löwen-Szenarien: Das sind die blauen Optionen

Hier könnten – und müssten – die Löwen im Extremfall sparen: Die Geschäftsstelle an der Grünwalder Straße. Kleines Bild: TSV-Investor Hasan Ismaik. Foto: Rauchensteiner/Augenklick/AZ

Die drohende Insolvenz des TSV 1860 rückt immer näher – doch Investor Ismaik scheint nicht willens, weiteres Geld nachzuschießen. Von Sparplänen bis zum Verkauf: Die AZ erklärt vier mögliche Szenarien.

 

München - Die guten, alten Zeiten: Löwen-Investor Hasan Ismaik erinnert auf seiner Facebook-Seite mit einer Collage an die Meisterlöwen von 1966. 50 Jahre später könnten die Löwen von einem solchen Erfolg kaum weiter entfernt sein. Sportlich und finanziell geht es für den TSV 1860 in den kommenden Monaten um die Existenz.

Ob die Löwen den Klassenerhalt schaffen, wird sich wohl frühestens im Mai entscheiden. Im März aber schon könnte das vorzeitige Aus für die Sechzger beschlossene Sache sein. Der Verein muss im Haushalt für die kommende Saison fünf Millionen Euro nachweisen – sonst droht der Lizenzentzug und die Insolvenz. Geld, das der Verein aus eigener Tasche nicht stemmen kann. Die AZ gibt einen Überblick – für die verfahrene Situation gibt es vier Optionen.

Szenario 1 - Ismaik zahlt

Würde Ismaik für die nötigen fünf Millionen Euro aufkommen, hätte sich die Problematik – vorerst – in Luft aufgelöst. Dieser Fall erscheint derzeit aber unwahrscheinlich. Nach AZ-Informationen gibt es keine Zusage Ismaiks, die fünf Millionen Euro im März zu leisten. „Ich habe alles versucht, ihn zu motivieren“, berichtet Präsident Peter Cassalette dem „Kicker“.

Der Jordanier knüpft weitere Investitionen an Bedingungen.Er fordert eine klare Strategie des Vereins, kritisiert die hohen Fixkosten. Heißt: Ismaik sieht sich nicht länger in der Rolle des Investors, der den Löwen einen teuren Haushalt ermöglicht. Viel mehr erwartet er Taten – auch will er mal wieder Funktionäre des Vereins austauschen. Bevor sich dahingehend nichts tut, gibt es kein Geld mehr, so die Ansage. Die Löwen favorisieren die Lösung einer Ismaik-Zahlung. Es wäre der einfachste Weg, dem Lizenzentzug aus dem Weg zu gehen. Doch es deutet alles darauf hin, dass Ismaik einen Rückschlag des Vereins in Kauf nimmt. Deshalb arbeitet der Verein an einem „Plan B“.

Szenario 2 - Sparen

Kein Geld von Ismaik hieße: umbauen. Die Löwen müssten sparen. Potenzial gäbe es: zum Beispiel in der Geschäftsstelle, etwa mit den zwei Geschäftsführern Noor Basha und Markus Rejek. Weitere Personalkosten könnten eingespart werden, wenn 1860 seine zweite Mannschaft zurückzieht. Das würde den Unterhalt einer kompletten Mannschaft mitsamt Trainer-Stab sparen. Ebenso müssten die Ausgaben für die erfolgreiche A-Jugend heruntergefahren werden.

Ein praktikabler Weg wäre zudem, vielversprechende Talente mit einem Profi-Vertrag auszustatten und im Anschluss zu verkaufen. Das wären Rückschritte in der guten Nachwuchsarbeit des Vereins, die außerdem nicht für das Erreichen der fünf Millionen Euro ausreichen dürften. Auf eine finanzielle Zugabe eines externen Gönners wären die Löwen bei „Plan B“ darüber hinaus angewiesen.

Szenario 3 - Die Insolvenz

Die Reißleine ziehen – danach ist immer mehr Löwen-Fans. Seit dem Einstieg Ismaiks 2011 ist der TSV 1860 für den Erhalt der Lizenz immer wieder auf das Wohlwollen seines Aufsichtsratsvorsitzenden angewiesen. Cassalette betont im „Kicker“: „Ich glaube nicht, dass wir ein Horrorszenario an die Wand malen müssen.“ Auch Ismaik will eine Insolvenz unbedingt verhindern. Aber im Verwaltungsrat werden nach AZ-Informationen immer mehr Stimmen laut, die sich für eine geordnete Insolvenz aussprechen.

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Ismaik wird im Löwen-Umfeld dafür kritisiert, zwar immer wieder die finanziellen Löcher zu stopfen, aber darüber hinaus keine Investitionen zu tätigen. Mit der von ihm versprochenen einen Million Euro für Winter-Transfers planen die Löwen mittlerweile gar nicht mehr.

Szenario 4 - Neuer Investor

Nach AZ-Informationen möchte Ismaik seine Anteile nicht verkaufen. Im Dezember nannte er aber zwei Bedingungen für einen möglichen Verkauf: Die Fans müssen mehrheitlich seinen Abgang fordern und ein neuer Investor rund 40 Millionen Euro bieten. Diese Summe hat Ismaik in den Verein investiert. In erstem Punkt ist Ismaik auf einem guten Weg – immer mehr Fans scheinen sich seinen Abgang zu wünschen.

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Dass der Jordanier aber von einem Käufer mehr erhält, als er 2011 gezahlt hat (18,4 Millionen Euro), erscheint wiederum utopisch. Schließlich hat sich der Verein in seiner Attraktivität seit Ismaiks Einstieg nicht gerade verbessert. Im Oktober gab es ein Angebot einer Investorenfamilie in Höhe von 18 Millionen Euro – Ismaik lehnte ab.

 

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