Spannend und bedrückend Sehenswert: Der neue Polizeiruf aus München

Das Ermittlerteam aus München: Matthias Brandt und Anna Maria Sturm. (Archivfoto) Foto: dpa

Überforderung bringt oft Gewalt hervor – so wie im neuen „Polizeiruf 110“. „Der Tod macht Engel aus uns allen“ ist ein beklemmender Film. Lars Eidinger spielt in dem äußerst sehenswerten Krimi eine Transsexuelle.

 

München - Das Leben kann erbärmlich sein. So wie im neuen „Polizeiruf 110“ aus München. „Der Tod macht Engel aus uns allen“ heißt die Folge, in der eine Transsexuelle auf einer Polizeiwache zu Tode geprügelt worden sein soll. Kriminalhauptkommissar Hanns von Meuffels und seine Kollegin Anna Burnhauser ermitteln bei den Kollegen und entdecken eine erschütternde Kultur der Gewalt und Demütigung. Das Erste zeigt den subtil spannenden und bedrückenden Krimi des Bayerischen Rundfunks am Sonntag um 20.15 Uhr.

Regisseur Jan Bonny nimmt die Zuschauer mit auf einen traurigen, beklemmenden Trip, bei dem am Ende alle Verlierer sind. Allen voran die untröstliche Freundin der Toten, hervorragend gespielt von Lars Eidinger. Die Verdächtigen, weil sie schonungslos mit ihrer eigenen Grausamkeit und Ohnmacht konfrontiert werden. Und von Meuffels (Matthias Brandt), der sich angesichts der Gewalt und Trostlosigkeit völlig hilflos fühlt. Der sonst so ruhige Ermittler wirkt zum ersten Mal rastlos und ratlos. In seiner Anspannung merkt er auch nicht, dass Anna Burnhauser (Anna Maria Sturm) am Ende ihrer Kräfte ist.

Bildgestalter Nikolai von Graevenitz führt mit der Kamera ein München vor, dass ungewohnt anonym städtisch, trostlos wirkt. Autos, hohe Häuserwände und grelle Lichter. Die schönen Ecken der Stadt wirken weit weg – ebenso wie die hoffnungsvollen Seiten des Lebens. Stattdessen regieren Einsamkeit und Dunkelheit. Was sich auf der Polizeiwache abspielt, bedrückt nicht minder. Und das umso mehr, als vieles real wirkt, sorgten doch in den vergangenen Monaten Prügelvorwürfe gegen die Polizei in München für Schlagzeilen. Die Beamten sind total überarbeitet und haben längst resigniert, konfrontiert mit der Masse an ewig gleichen Straftaten, ohne Aussicht auf Besserung. „Wenn einer mit 18 Jahren 65 Vorstrafen hat, dann gibt ihm die Gesellschaft noch mal eine Chance. Wenn ein Bulle nach 35 Dienstjahren mal einem vor die Fresse haut, dann drehen alle durch“, stellt einer frustriert fest – und merkt nicht, dass diese Form von Selbstmitleid völlig unangebracht ist.

Mitleid mit diesen frustrierten Gesetzeshütern will sich deshalb nicht einstellen. Bei den Kollegen auf der Wache herrscht ein ungutes Klima, Stress kompensieren sie mit markigen Sprüchen, Überforderung und blanke Existenzangst entlädt sich gerne mal in Gewalt. Nicht nur gegen Menschen, die anders sind. Sondern auch innerhalb der Gruppe. Da ist etwa der Kollege, den sie „Eiermeier“ nennen. Auf perfide Art wird er in seiner sexuellen Ehre gedemütigt, in totaler Nacktheit lächerlich gemacht. Auch Lars Eidinger wirkt schutzlos, wenn er als transsexuelle Tänzerin Almandine um seine Lebensgefährtin trauert. Sein einziger Halt ist von Meuffels, mit dem er unter allen Umständen herausfinden will, was in der Gewahrsamszelle geschehen ist. Es sind kleine, menschliche Gesten in einer harten Welt. Doch ihre Suche nach der Wahrheit wird bald auch ziemlich gefährlich.

 

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