Soziales Engagement Die Rentner-Retterinnen

Sie helfen den Münchner Senioren (von links nach rechts): Ursula Kozij-Eren, Gabriele Broszonn, Darina Aktas und Margareta Schneider. Foto: Daniel von Loeper

Ein neues Angebot hat alleinstehende Senioren im Blick: Vier Sozialpädagoginnen kommen zu ihnen nach Hause und bieten gezielte Hilfen an.

München - Alt, einsam, arm und überfordert – oft wohnen die Menschen, die dringend Hilfe bräuchten, gleich nebenan. Und trotzdem sind sie isoliert. Bei ihnen setzt ein Projekt an, das jetzt in vier Münchner Modellregionen offiziell startet: präventive Hausbesuche für Ältere. Vier Sozialpädagoginnen sind die Helferinnen vor Ort, nennen wir sie die „Rentner-Retterinnen”. Sie wollen Senioren beratend zur Seite stehen, damit diese so lange wie möglich selbstständig in ihrer Wohnung bleiben können. Ihr Angebot ist kostenlos.

„Das größte Problem ist das Nichtwissen um Hilfen”, sagt Münchens Sozialreferentin Brigitte Meier. Die Hausbesuche der Helferinnen seien eine Art „Ersatz für das, was eigentlich Angehörige leisten”.

Die Notwendigkeit liegt auf der Hand: Immer mehr Senioren leben in München alleine in ihren Wohnungen. Bei den über 75-Jährigen sind es schon jetzt 34717 – fast ein Drittel aller Menschen dieser Altersgruppe. Viele von ihnen haben nur lose Kontakte zur Nachbarschaft. Angehörige, wenn es sie denn gibt, kommen selten zu Besuch. Und Alltagsaufgaben wie Einkaufen, Waschen und Putzen werden zur echten Belastung.

Vor ein paar Monaten haben die Rentner-Retterinnen mit den Vorbereitungen für ihre wichtige Aufgabe begonnen. Wie knüpfen sie Kontakt zu den Alten?
Am einfachsten hat es da noch Gabriele Broszonn von der Modellregion „Wohnen im Viertel – Innsbrucker Ring”. Sie ist bei der Wohnbaugesellschaft Gewofag beschäftigt und kann gezielt auf deren Mieter im Alter von 75 plus zugehen. Allein zwölf sind über 100 Jahre alt. Broszonn hat bereits zahlreiche Hausbesuche hinter sich. Ihr Eindruck: „Die meisten wollen nicht in ein Heim und fühlen sich einfach vergessen.” Es herrsche großes Misstrauen, wenn sie komme. „Die Leute haben Angst, dass ich ihnen etwas andrehen möchte.” Doch nach diesen Start-Schwierigkeiten sei die Resonanz groß.

Sie berichtet von einem älteren Herrn, der nur zwei Mal pro Woche warmes Essen gebracht bekäme. Von Menschen, die die Wohnung wochenlang nicht verlassen. Ihnen versuchen die Rentner-Retterinnen passende Hilfsangebote zu vermitteln.

 

Zwei der anderen Sozialpädagoginnen arbeiten bei freien Trägern, eine bei der Stadt. Sie haben die vergangenen Monate damit zugebracht, sich ein Netzwerk aufzubauen. Ärzte, Döner-Verkäufer, Taxler – jeder, der einen Kontakt zu hilfsbedürftigen Senioren herstellen kann, ist um Mithilfe gebeten. Aufdrängen wollen sich die Helferinnen mit ihren Besuchen nicht. Die Alten müssen wollen, dass man zu ihnen kommt.

Darina Aktas vom Evangelischen Sozialdienst kümmert sich um die Modellregion Fürstenried-Kreuzhof. „Meine Erfahrungen sind bislang durchweg positiv”, erzählt sie. Besonders groß sei der Bedarf an hauswirtschaftlicher Unterstützung.

Für Ursula Kozij-Eren steht in Milbertshofen/Am Hart der Hausbesuch bei Migranten ab 65 im Mittelpunkt. Und Margareta Schneider vom Sozialbürgerhaus Mitte will sich in „ihrer” Modellregion Maxvorstadt schwerpunktmäßig um Menschen kümmern, die von Altersarmut betroffen sind. „Es gibt viele Hilfen, die nichts kosten”, macht sie klar.
Angst, dass die Helfer etwas über ihren Kopf hinweg entscheiden, bräuchten die Senioren nicht haben. „Wir machen nichts ohne Auftrag”, sagt Schneider. Es sei denn, es liege ein akuter Fall von „Selbstgefährdung” vor.

Für das vierjährige Modellprojekt hat der Stadtrat rund 567.000 Euro bereit gestellt.

 

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