Sorge um Fußball-Manager Assauer hat Alzheimer

Schwerer Schicksalsschlag: Rudi Assauer ist an Alzheimer erkrankt Foto: dpa

Schalkes Ex-Manager Rudi Assauer hat Alzheimer. In einer Autobiografie spricht er erstmals über die schlimme Krankheit, an der auch seine Ehe zerbrach.

MÜNCHEN - Es ist ruhig geworden um Rudi Assauer. Um den ehemaligen Manager des FC Schalke 04, den Macher, oft Gegenspieler von Uli Hoeneß, den Macho – sein Markenzeichen: immer mit einer Zigarre zwischen den Mundwinkeln. Die öffentlichen Auftritte des 67-Jährigen sind seit dem letzten Jahr rar geworden, lediglich die Heimspiele der Königsblauen in der Veltins Arena, in seinem Stadion, besucht Assauer noch regelmäßig.

Die Stille, die Zurückgezogenheit hat einen Grund: Rudi Assauer ist an Alzheimer erkrankt. Seit Januar 2010 lässt er die Demenzerkrankung in einer Essener Klinik behandeln. Angehörigengespräche und Besuche von ehemaligen Spielern oder Trainer helfen, die Erinnerungen an sein Leben zu konservieren, eine medikamentöse Behandlung geht damit einher. Von seiner 21 Jahre jüngeren Frau Britta Idrizi, die Assauer erst im April 2011 geheiratet hat, lebt er mittlerweile getrennt. Wie so viele Eheleute kamen beide jedoch mit den Konsequenzen der Demenzerkrankung nicht zurecht, waren den zunehmenden Belastungen nicht gewachsen. Daher kümmern sich Tochter Bettina und seine Sekretärin Sabine Söldner liebevoll um Assauer. Der einstige Macho ist nun auf fremde Hilfe angewiesen – als Patient.

Schon vor dem abrupten Ende seines Managerjobs bei Schalke im Mai 2006 setzen erste kleinere Vergesslichkeiten und Erinnerungslücken ein. Der Stress – sagte man sich im Umfeld. Nach seinem Ausstieg als Schalke-Manager tourte Assauer noch mit TV-Kommentator Werner Hansch durch Deutschland. „Rudi & Werner“ konnten für Veranstaltungen gebucht werden. Doch dann häuften sich Blackouts. Assauer brachte Namen durcheinander, konnte sich immer weniger konzentrieren. Dann kam die Gewissheit: Alzheimer. Eine Krankheit, die den Menschen in seinem tiefsten Inneren berührt. Die Vergangenheit erlischt, die Gegenwart erschwert und die Zukunft in Frage stellt. 2011 entschied Assauer mit seiner Familie, sein Leben erzählen zu lassen. In der Autobiografie mit dem Titel „Wie ausgewechselt – verblassende Erinnerungen an mein Leben“, die Assauer gemeinsam mit AZ-Reporter Patrick Strasser verfasste und die in dieser Woche im Riva-Verlag erscheint (255 Seiten, 19,99 Euro), spricht der Ex-Manager über sein Leben mit der Krankheit.

„Wenn es eine Sache in der Welt gibt, wenn es eine Sache in meinem Leben gibt, vor der ich immer Angst hatte, so richtig Schiss auf gut Deutsch, dann Alzheimer. Bloß nicht diese Nummer. Bloß nicht dement werden im Alter, das schwirrte mir oft im Kopf herum“, heißt es in dem Buch. Der Hintergrund: Seine Mutter Elisabeth litt an Alzheimer, sein Bruder Lothar (80) muss seit Jahren wegen schwerer Altersdemenz in einem Pflegeheim betreut werden. Assauer verkraftet es psychisch nicht, seinen Bruder zu besuchen.

Als Fußballer war er ein knallharter Verteidiger mit exzellenter Technik. Sechs Jahre bei Borussia Dortmund, sechs Jahre bei Werder Bremen, 307 Bundesligaspiele, DFB-Pokalsieger, Europapokalsieger der Pokalsieger 1966. Danach Manager bei Werder Bremen, beim VfB Oldenburg und verteilt über drei Jahrzehnte in Gelsenkirchen. „Der Stumpen-Rudi“ war das Gesicht des Vereins. „Entweder ich schaffe Schalke oder Schalke schafft mich“ hieß sein Leitspruch. Nun dieser schwere Schicksalsschlag.

Immerhin: Die Schalker, die hartnäckigen Bayern-Verfolger mit seinem Kumpel Huub Stevens als Coach, machen Assauer derzeit große Freude.

 

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