Sonnenwünsche am Königsplatz "Glyptotheke": Studenten wollen Interimsstufen bauen

Und weg sind die Stufen vor der Glyptothek, auf denen man sich so schön sonnen kann. Davor steht eine Holzwand, die die Baustelle bis 2020 abschirmt. Foto: Peter Kneffel/dpa

Ein Bauzaun verstellt die beliebten Sonnen-Stufen vor der Glyptothek. Das bringt zwei Studenten auf eine Idee: Warum nicht Interimsstufen selber bauen – für eine "Glyptotheke"?

 

Maxvorstadt - Sie gehören zu München wie die Nackerten am Flaucher oder die Milchkaffeetrinker im Tambosi: die jungen Leute, die auf den steinernen Stufen der Glyptothek sitzen – die Nasen in Bücher versenkt oder in die Sonne gestreckt, die gefühlt irgendwie immer scheint am Königsplatz. Eigentlich.

Aber seit ein paar Wochen hüllt eine hohe Holzwand den Zugang zur Glyptothek ein, weil der Klenze-Bau mit seiner Sammlung antiker Skulpturen saniert wird. An die Stufen kommt man seither – und bis Oktober 2020 – nicht mehr heran. Sonnen? Lesen? Nix geht mehr. Vor drei Wochen kamen Maria Schlüter (26) und Nick Förster (25) hier vorbei, beide Architekturstudenten an der TU. "Wir waren erst total perplex", sagt Nick Förster der AZ. "Nicht mehr da sitzen dürfen? Eineinhalb Jahre lang?"

"Glyptotheke" am Königsplatz

Der nächste Weg führte sie in ein Café an der TU – und dort kritzelten sie eine originelle Idee auf ein Blatt Papier: Warum nicht einfach Stufen aus Holz vor den Bretterzaun bauen? Und in die Mitte eine tempelartige "Glyptotheke", optisch inspiriert von den Säulen des Museums? "Da könnte dann ein kleiner Kiosk drin sein, eine Bühne für Bands oder Theater, da wäre ganz vieles möglich", sagt der Student.


So stellen die Architekturstudenten sich die "Glyptotheke" vor – mit Holzstufen vor dem Bauzaun. Dort könnten sich die Münchner dann trotzdem in die Sonne setzen. Zeichnung: Nick Förster

Die Idee dahinter: "Die Baustelle als Potenzial zu begreifen, einen neuen urbanen Raum zu schaffen, als coole Zwischenlösung, das wäre doch nett, oder?"

Schon einmal ist den beiden Studenten mit zwei Mitstreitern so ein urbaner Coup geglückt: Als sie vor zweieinhalb Jahren an der Ecke Rottmann-/Schleißheimer Straße ein (noch) unbebautes Grundstück entdeckten, bauten sie – in Absprache mit dem Eigentümer – dort für eine Weile eine Bühne auf. "Lückenfülle", hieß das Projekt, das den Nachbarn dann täglich Straßentheater, Yoga oder Filmvorführungen bot.

Bezirksausschuss von Idee zu "Glyptotheke" begeistert

Den örtlichen Bezirksausschuss (BA) Maxvorstadt haben sie schon begeistert. "Die Glyptotheke ist eine geniale Idee", sagt Felix Lang, der für die SPD im Stadtviertel-Gremium sitzt. Auch die Kollegen von der CSU hätten "Begeisterung" signalisiert. Und noch besser: Lang hält es für durchaus sinnvoll, aus dem 150.000-Euro-Budget, das der BA jährlich in Stadtteil-Projekte stecken darf, 10.000 Euro in die Glyptotheke-Idee zu investieren.

Wenn der BA in seiner Sitzung am Mittwoch zustimmt, müssen die Studenten noch eine Zustimmung vom Staatlichen Bauamt einholen, das für das Areal am Königsplatz zuständig ist. Förster: "Bis jetzt haben wir nur positives Feedback, wir drücken uns fest die Daumen." Wie das Aufbauen dann kostensparend laufen könnte, haben sich die beiden freilich auch schon überlegt: "Wir bringen das Material dort hin, alle Münchner, die mitwerkeln wollen, kommen dazu – und ein Bauleiter passt auf. Das wäre doch eine tolle Gemeinschaftsaktion." Stimmt.

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