Sonderaustellung im Literaturhaus Thomas Mann: Wichtige Stationen in München

Wer auf den Spuren Thomas Manns wandeln will, dem sei die eine Führung der Stattreisen München ans Herz gelegt. Foto: AZ/privat

Das Literaturhaus widmet Thomas Mann eine Sonderausstellung. Höchste Zeit, einmal auf den Spuren des großen Wahlmünchners zu wandeln. Sieben wichtige Stationen.

 

"Geh, mach dassd weidakummst du Furie!“, brüllt ein Kontrolleur einer jungen Frau nach einem Streit hinterher. Die hüpft schon längst die Schellingstraße entlang. Zurück in der Tram bleibt ein junger Mann, der sich grad entschlossen hat, diese resolute Dame zu heiraten. Es ist Thomas Mann, der Katja Pringsheim hinterherblickt.

Noch ist er nicht der berühmte Schriftsteller, doch in den folgenden Jahren verfasst er in München, das er so sehr liebt seine großen und kleinen Werke: Die Buddenbrooks, Der Zauberberg, Der kleine Herr Friedemann, Betrachtungen eines Unpolitischen.

Als Münchner flaniert man beim Lesen mit seinen Figuren durch vertrautes Terrain, so detalliert beschreibt Mann die sich ausbreitenden Arme der Akademie für Künste, das gschaftige Treiben am Odeonsplatz oder die Figuren in der Aussegnungshalle am Nordfriedhof.

Wer tatsächlich auf den Spuren Manns wandeln will, dem sei die eine Führung der Stattreisen München ans Herz gelegt. Zwar stehen nicht mehr alle Häuser, doch die Lücken füllt Nathalie Jacobsen mit unzähligen Anektoden aus dem Leben Thomas Manns aus.

Weil's bis zur nächsten Führung am 30. September aber noch ein bisserl dauert: Noch bis zum 26. Juni läuft im Literaturhaus die Ausstellung „Der Zauberberg“.

Als Tipp: Am Ende unbedingt ein Foto mit dem Braunbären machen!

Die Thomas-Mann-Stationen:

In die Konradstraße 11 zieht der junge Thomas Mann in eines seiner vielen „Verstecke“. Praktischerweise liegt die Wohnung nicht weit von der seiner Mutter – und dem darin befindlichen Esstisch. In denfolgenden Jahren als Jungeselle zieht er ständig um in Schwabing. Mann schreibt weiter an den Buddenbrooks. Als der Verleger ihn um eine Kürzung bittet quittiert der Schriftsteller das mit den Worten: „Unmöglich! Sie haben nicht ordentlich gelesen! Lesen Sie nochmal!“ Er setzte sich freilich durch.

Die wohl berühmteste Adresse für Thomas-Mann-Fans: in der Poschingerstraße errichtete Thomas Mann seine Villa im Herzogpark, durch den er so gern spazierte.Im Haus herrschten strenge Regeln, der Vater durfte nur ein einziges Mal gestört werden: Als die Nachricht vom Nobelpreis für die Buddenbrooks eintraf. Nach seiner Rückkehr aus dem Exil würdigte Thomas Mann das Haus übrigens keines Blickes. Heute steht ein anderes Haus an der Stelle, das trotzdem Thomas-Mann-Villa genannt wird. Wohl, weil der Geist des Schriftstellers nocht dort weht

Die erste gemeinsame Wohnung mit seiner Ehefrau Katja liegt im dritten Stock an der Franz-Joseph-Straße 2. 1905 zieht das junge Paar hier ein, in den Jahren darauf kommen vier der Kinder hier zur Welt: Erika, Klaus, Golo und Monika.

Strahlende Ludwigstraße: Die Gegend zwischen Akademie der Künste, Ludwigskirche und dem Odeonsplatz ist Schauplatz der Novelle „Gladius Dei“. Berühmt ist vor allem deren erster Satz: München leuchtete.

Angekommen in München: Die Wohnung in der Rambergstraße 2 in der Maxvorstadt ist die erste Münchner Station des Lübeckers. Hierhin zog die Familie nach dem Tod des Vaters. Mit dabei war schon damals der berühmte ausgestopfte Bär, der heute im Literaturhaus steht. Das Haus ist Drehort für eine große Dokumetation über die Familie, zudem beginnt Thomas Mann hier mit den Arbeiten an den „Buddenbrooks“. Tragisch: Im Badezimmer dieses Hauses begeht seine jüngere Schwester Karla Selbstmord.

Am 30. November 1929 findet in der Tonhalle die Kundgebung der Deutschen Demokratischen Partei zum „Kampf um München als Kulturzentrum“ statt. Initiator ist eigentlich Thomas Mann, der an diesem Abend allerdings als Gast und Redner dabei ist – wie auch sein Bruder und großer Konkurrent Heinrich. Thema des Abends ist der Verlust an Bedeutung als Kulturstadt, den München zu dieser Zeit wegen der sich ausweitenden Nazi-Propaganda erlebt. Der Andrang vor der Tonhalle ist so groß, dass Hunderte draußen bleiben müssen – die Reden erscheinen daraufhin nochmal gedruckt.

Die Gegend um den Königsplatz herum gefällt Thomas Mann besonders gut. Stets am Großbürgertum orientiert sagt er über sich selbst: „Ich habe keinerlei Talent für Praktisches.“ Eins der prunkvollen Häuser ist besonders wichtig für ihn. An der Arcisstraße 12 residiert die Familie von Katja Pringsheim. Die „Prinzessin von München“, wie Mann sie nennt, wird später seine Frau – mit den Worten: „Ja mei, wenn er unbedingt heiraten will...“

 

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