"Soko Leipzig"-Star im Interview Andreas Schmidt-Schaller denkt gar nicht ans Aufhören

Kommissar Trautzschke (links) wird mit einem alten Fall konfrontiert Foto: ZDF/ Uwe Frauendorf

Der Staffelauftakt von "Soko Leipzig" steht bevor. Im Interview erzählt Hauptdarsteller Andreas Schmidt-Schaller, warum er nach Jahrzehnten als Ermittler immer noch nicht genug hat.

 

Leipzig - Den Auftakt zur 15. Staffel von "Soko Leizig" (neue Folgen ab 19. September, 21:15 Uhr im ZDF) markiert eine ganz besondere Doppelfolge. In "Zwei Schwestern" wird Hauptkommissar Hajo Trautzschke mit einem längst vergangenen Fall konfrontiert. Der entstammt allerdings der Reihe "Polizeiruf 110", bei der Trautzschke-Darsteller Andreas Schmidt-Schaller einst als Kommissar Grawe ermittelte.

Zum ersten Mal im deutschen Fernsehen wird damit eine Krimi-Episode aus einer anderen Reihe fortgesetzt - 27 Jahre später. "Soko Leizig" schlägt eine Brücke zwischen zwei Formaten, zwei Sendern und noch dazu zwischen Ost und West. Schmidt-Schaller wird nicht nur mit seiner beruflichen Vergangenheit konfrontiert, sondern auch mit seiner persönlichen, denn der 68-Jährige wuchs selbst in der DDR auf. Welche Erinnerungen er an die Wende hat, erzählt er im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news.

Diese Folge von "Soko Leipzig" stellt gewissermaßen eine Verbindung zwischen Trautzschke und Grawe aus "Polizeiruf 110" her. Was haben die beiden gemeinsam?

Schmidt-Schaller: Eine gewisse Ähnlichkeit gibt es schon - nur, dass der eine wesentlich jünger ist als der andere. Aber von der Mentalität, dem Anspruch und dem Gefühlsleben ist eine große Ähnlichkeit vorhanden.

Sind Sie selbst noch einmal zu der Folge von damals zurückgekehrt?

Schmidt-Schaller: Gedanklich schon, aber ich habe sie mir absichtlich nicht angesehen. Ich hatte alles noch sehr gut in Erinnerung. Es war ja auch ein besonderer Film gewesen.

Was machte die "Polizeiruf"-Folge "Zwei Schwestern" so besonders?

Schmidt-Schaller: Das Eifersuchtsdrama, um das es dabei ging, war schon sehr besonders. Das war schwer nachzuvollziehen und hat mich dann doch beschäftigt. Denn es ist einfach unverständlich, dass jemand einen anderen Menschen aus Eifersucht umbringen will.

Trautzschke hat als Ermittler allerdings sicherlich einiges an Motiven erlebt, doch auch für ihn ist der Fall noch sehr präsent.

Schmidt-Schaller: Das ist richtig. Das hat sicherlich auch damit zu tun, dass Trautzschke seiner Verdächtigen die Tat nie nachweisen konnte und der Fall damit gewissermaßen ungelöst blieb. Das nagt an ihm.

Wie geht es Ihnen, wenn Ihnen etwas Wichtiges nicht gelingt? Können Sie das sofort abhaken?

Schmidt-Schaller: Nein, das dauert auch bei mir seine Zeit, bis das bewältigt ist.

Sie kennen Trautzschke mittlerweile wohl besser als jeder andere. Erheben Sie manchmal Einspruch gegen gewisse Dinge, wenn das neue Drehbuch kommt?

Schmidt-Schaller: Einspruch ist hier das falsche Wort. Wir haben allerdings immer die Möglichkeit, über unsere Figuren zu sprechen und zu sagen, wenn etwas nicht zur ihr passt oder nicht mit der Biografie übereinstimmt.

Wie war das bei der ersten Folge der kommenden Staffel, wo ja auch Grawe mit dazu kam?

Schmidt-Schaller: Dazu gab es keinen Grund, das war sehr gut recherchiert.

Wie es ist, wenn einen die eigene Vergangenheit einholt, wissen Sie selbst. Über ihre Stasi-Mitarbeit haben Sie einst gesagt, dass Sie sich auf der richtigen Seite wähnten. Dennoch haben Sie den Dienst sehr früh wieder niedergelegt. Weshalb?

Schmidt-Schaller: Ich weiß, was Sie jetzt von mir wollen, aber dazu wurde alles schon gesagt.

Wie haben Sie letztendlich die Wende erlebt? War das ein positives Ereignis?

Schmidt-Schaller: Ich war auch am vierten November auf dem Alexanderplatz dabei, und das war einfach eine so tolle Stimmung. Obwohl noch nicht mal klar war, dass die Mauer geöffnet wurde, aber zumindest war der Weg dafür vorgezeichnet, dass etwas Größeres passieren muss, dass sich etwas ändern muss. Es ging letztendlich um eine andere DDR. Dass es aber so rasant gehen würde, quasi über Nacht, damit konnte man nicht rechnen. Das war schon ein irres Erlebnis. Danach sind dann natürlich Dinge geschehen, die man bei längerer Überlegung vielleicht hätte anders machen können.

Was meinen Sie?

Schmidt-Schaller: Ein Beispiel hierfür sind Kindergärten. Das wurde einfach ganz schnell verbrämt und gestrichen. Und da gibt es noch einige Beispiele, gerade im sozialen Bereich, bei denen man damals leichtfertig gesagt hat, das gehört weggeschmissen.

Also hat man Ihrer Meinung nach zu schnell gehandelt?

Schmidt-Schaller: Ja, da sind aus der Euphorie des Moments sicherlich einige Unsinnigkeiten passiert. Aber im Nachhinein lässt sich immer alles so leicht beurteilen, wie es bei allen Dingen ist, die in der Vergangenheit geschehen sind. Für die einzelne Situation fehlt uns dann doch leider einfach die Kenntnis. Deswegen muss man solche Dinge von Fall zu Fall behandeln und nicht nur mit den Fingern drauf zeigen.

Noch mal zurück zu "Soko Leipzig" - Sie sind nun schon seit über 13 Jahren dabei. Kommt da der Gedanke auf, den Hut zu nehmen?

Schmidt-Schaller: Im Moment überhaupt nicht. Wir haben so schöne Folgen und noch so viele schöne Dinge vor, dass der Gedanke ans Aufhören bei uns allen gerade noch gar nicht vorhanden ist. Der kann irgendwann einmal kommen, keine Frage - zumal ich ja auch älter werde. Im Moment sehe ich dafür aber überhaupt keinen Grund, weil es uns nach wie vor Spaß macht. Ich gehe gerne zum Drehen, ich spiele die Figur gerne und arbeite gerne mit den Kollegen zusammen. Und solange wir noch erfolgreich laufen, wäre es auch unsinnig, aufzuhören.

Sie haben viele verschiedene Rollen gespielt und waren auch beim Theater sehr aktiv. Trotzdem werden Sie immer in erster Linie als Krimi-Ermittler erkannt. Stört Sie das?

Schmidt-Schaller: Nein, gar nicht. Darauf habe ich mich eingelassen, und damit muss ich jetzt leben.

 

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