"Söder würde sich schämen" Sind Münchner Pflegeheime für Corona-Krise nicht gut genug gerüstet?

"Wenn ich laut sagen würde, wie wenig Schutzmasken wir bekommen haben, würde das Ministerpräsident Markus Söder die Schamesröte ins Gesicht treiben," sagt Sigi Benker. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Münchner Pflegeheime fühlen sich im Stich gelassen: Dort liegen die meisten Corona-Risikopatienten - doch die Schutzausrüstung ist knapp. 

 

München - Die Lage ist kritisch in den Münchner Pflegeheimen – und sie ist sehr riskant. Denn dort wohnen allein in München rund 7.000 ältere Menschen dicht beieinander.

Im evangelischen Pflegeheim Leonhard-Henninger-Haus im Westend, das am Dienstag unter Quarantäne gestellt wurde, sind am Donnerstag elf weitere Fälle bestätigt worden. Es handelt sich dabei um Mitarbeiter. Insgesamt sind 25 der 141 Bewohner und 17 Mitarbeiter Corona-positiv. Bei einigen Bewohnern stehen die Testergebnisse noch aus.

Corona in Altenheimen ist ein ernstes Problem: Bricht das Coronavirus in eine Einrichtung ein, könnten in kürzester Zeit mehrere Dutzend, wenn nicht Hunderte Kranke gleichzeitig zur Beatmung in Intensivstationen müssen. Den Behörden sei offenbar nicht klar, dass nur die Pflegeheime einen Kollaps in den Kliniken verhindern könnten, empört sich Sigi Benker, der Chef der städtischen Münchenstift, die rund ein Drittel aller Münchner Pflegeheim-Bewohner betreut.

Zu wenige Schutzmasken in Münchner Pflegeheime geliefert

Dass vor diesem Hintergrund die Heime nicht mit Schutzkleidung ausgerüstet sind, sei "skandalös". Benker zur AZ: "Wir müssten gleichwertig mit den Krankenhäusern beliefert werden. Wenn ich laut sagen würde, wie wenig Schutzmasken wir bekommen haben, würde das Ministerpräsident Markus Söder die Schamesröte ins Gesicht treiben."

Im Haus Heilig Geist in Neuhausen, wo aktuell ein Stockwerk mit 50 Bewohnern unter Quarantäne steht, seien aktuell noch ausreichend Masken vorhanden, um Pfleger und Bewohner zu schützen. Allerdings nur, weil die Münchenstift schon im Januar zertifizierte Masken angekauft habe.

Schutzmasken zu Wucherpreisen

Auch bei der Caritas, die fünf Pflegeheime in München betreibt, ist die Empörung groß: "Bei der Lieferung von Schutzmasken sind die Behörden teilweise extrem chaotisch", klagt Vorständin Gabriele Stark-Angermeier. "Als das THW uns endlich mal eine Lieferung gebracht hat, wurde das Paket wieder abgeholt und woanders hin geliefert. Danach kam nur noch die Hälfte zurück."

Eiligst müsse die Bundesregierung auch die Wucherpreise verbieten, die nun viele Großhändler verlangen. "Wenn man überhaupt FFP3-Masken bekommt, dann haben sie sich um 300 Prozent verteuert", beschwert sich Benker.

 

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