So wird die neue Isar Kioske, Kneipen: Die Isar wird zum Freizeitpark

Kioske, Kneipen und Kuschel-Ecken: Die Isar wird zum Freizeit. Was alles geplant lesen Sie in der Bilderstrecke. Los geht's an der Wittelsbacher Brücke... Foto: Schmalz/Diehl

Grüne und CSU wollen aus der „Reißenden“ eine „Mitreißende“ machen. Mit Ausblickplattformen, Stadtbalkonen, Biergärten und einem Radlsteg. Auch die triste Museumsinsel soll belebt werden.

München - Frech schlängelt sich die „Reißende“ wieder durch München, purzeln die Wellen über Steinbrocken, gluckst das Wasser an den letzten Betonwänden. Elf Jahre hat es gedauert und 35 Millionen Euro gekostet, die mit viel Beton gebändigte Isar wieder zu renaturieren. An schönen Tagen lockt sie Zehntausende zum Grillen, Chillen oder Flanieren an ihre Ufer.

Aber die Isar kann mehr. Trotz der neuen freizeittauglichen Ufer schlummern entlang des Flusses in der Innenstadt noch große Potenziale. Die Grünen und die angrenzenden Bezirksausschüsse wollen sie auch da wach küssen. „Die Isar soll eine Mitreißende werden“, schwärmte gestern Grünen-Fraktionschef Siegfried Benker im Planungsausschuss des Stadtrats. Bisher scheiterte das jahrelang auch am Widerstand aus dem Planungsreferat.

Auch das wandelt sich. Der Druck dafür ist groß. Nun soll die Isar städtischer und erlebbarer werden. „Man kann den Fluss an vielen Aufenthaltsorten kaum sehen“, meint Benker. Dabei geht es um den 1,7 Kilometer langen Abschnitt zwischen der Reichenbachbrücke und der Maximiliansbrücke im Norden. Das ist im Wesentlichen der Bereich, in dem sich der Fluss in die Große und die Kleine Isar teilt, bis sie im Norden an der Schwindinsel wieder zusammentreffen.

Als Vorspiel hatte das Planungsreferat einen Workshop veranstaltet. Er legte „Taburäume“ als Schutzzonen fest (wie Kleine Isar und Schwindinsel) und schaute, wo man etwas tun kann. Dazu gehören: Das Westufer der Großen Isar, die Museumsinsel, die Vater-Rhein-Anlage, Praterinsel, das Ostufer der Kleinen Isar von den Frühlingsanlagen bis zum Maxwerk, die Gasteighöhe mit dem Seufzerweg und – natürlich – der Fluss selbst.

Als nächstes wird Stadtbaurätin Elisabeth Merk eine Rahmenplanung entwickeln lassen. Die soll die Potenziale und heutigen Defizite beschreiben. Für die Begleitung der Planung und der öffentlichen Diskussionen wird eine beratende „Flussrunde“ gebildet: mit Experten, Stadträten, Bezirksausschüssen und der Verwaltung.

Es kann zwei Jahre dauern, ehe die Ergebnisse vorliegen. Doch schon jetzt soll ausgelotet werden, was „mit großem Gewinn auch kurzfristig durchführbar ist“, so die Stadtbaurätin. Zum Beispiel das Isarinselfest der SPD, das Ende August zum dritten Mal steigt.

Aus den Bezirksausschüssen und dem Stadtrat gibt es seit Jahren von Grünen und CSU viele Ideen. Da gibt es auch viele gegensätzliche Interessen: Nicht jeder will dort Cafés. Viele der Vorschläge sind auf der Skizze eingezeichnet. Dazu gehören: Ausblickplattformen oder „Stadtbalkone“ über dem Fluss mit Gastronomie, mehr Kioske, Biergärten, zeitweise Gastronomie auf der Praterinsel und beim Vater-Rhein-Brunnen, ein Café am ehemaligen Gartenbaustandort.

Die Grünen wünschen einen Fußgänger- und Radlsteg als Verlängerung der Klenzestraße. Fraktionschef Sigi Benker möchte eine Brückenverbindung zwischen den Isarinseln und eine Belebung des tristen Platzes beim Deutschen Museum. „Wir müssen schauen, wo man noch etwas entwickeln kann und wo die Belastungsgrenzen des Flussraums schon erreicht sind“, sagt Stadtrat Robert Brannekämper (CSU).

Die Renaturierung: 35 Millionen für einen natürlichen Fluss

1995 entstand das gewaltiges Projekt von Stadt und Freistaat zur Renaturierung der Isar – der Isar-Plan.

Die Isar-Allianz, ein Zusammenschluss von Fluss-Fans, hat dazu die Initialzündung gegeben.

In München ist das der acht Kilometer lange Bereich zwischen der Wehranlage Großhesselohe und dem Deutschen Museum. Der Aufwand war beträchtlich: Insgesamt wurden mehr als 700.000 Kubikmeter Schutt abgetragen, gut 380 000 Tonnen Stein verbaut. Das Flussbett wurde aufgeweitet. Dazu mussten die alten Beton-Uferbefestigungen verschwinden. Fast elf Jahre dauerte das – bis im vorigen Jahr der Abschluss war. 35 Millionen Euro hat das alles gekostet. Davon hat 45 Prozent die Stadt gezahlt.

Die Münchner mögen ihre Isar: 25 Prozent halten sich am liebsten im Englischen Garten auf und 20 Prozent an der Isar.

 

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