So fit mit 160! Die Kessler-Zwillinge im AZ-Geburtstags-Interview

Daheim bei den Kesslers in Grünwald: Ellen macht spontan einen Spagat, Alice steht hinter ihr. Jeden zweiten Tag machen sie Gymnastik, halten sich so fit. Foto: Michael Tinnefeld/API

Zusammen sind sie nächsten Samstag 160 Jahre alt: Alice und Ellen Kessler, die weltberühmten Show-Zwillinge, sprechen im großen AZ-Geburtstags-Interview über Alter, Männer und Fett.

 

München - Der Speck brutzelt mit viel Öl in der Pfanne, die Butter für die Soße steht bereit: Ellen kocht, Alice deckt.

Es gibt Spaghetti Carbonara von und mit den weltberühmten Kessler-Zwillingen...

Am kommenden Samstag (20. August) werden die Show-Stars je 80. Im AZ-Geburtstags-Interview servieren sie ihre private(n) Seite(n).

AZ: Liebe Alice, liebe Ellen, zusammen werden Sie 160 - amüsiert oder schockiert das?
ALICE KESSLER: Ich denke darüber nicht nach.
ELLEN: Nie denke ich, oh mein Gott, du wirst 80 und bist eine alte Frau. Das ist ein Fakt.

Dabei sind Sie die wohl jüngsten 80-Jährigen.
ALICE: Der Spagat klappt noch prima – ohne Aufwärmen.
ELLEN: Auch figürlich sind wir noch einwandfrei.
ALICE: Die Leute glauben uns unser Alter nicht.
ELLEN: Schon zum 79. wurde uns vorgeworfen, dass wir uns verrechnet hätten.
ALICE: Das Publikum sagt, ja, die Kesslers, essen nix, leben Diät, trinken nur Wasser, nehmen Botox oder teure Cremes.
ALICE: Nur, dass wir Gymnastik machen, nehmen sie uns ab. Dabei leben wir richtig und gern unvernünftig. Wir cremen normal – und wir essen alles.
ELLEN: Wir trinken jeden Abend Bier und Wein. Gerne auch mal ein Schnäpschen.

Keine Smoothies?
ALICE: Naa, bäh! Gar nicht.
ELLEN: Wir haben glücklicherweise Zähne und kauen gern.
ALICE: Wir essen fast nie Obst. Egal ob püriert oder am Stück. Wir trinken Kaffee und naschen dazu Kekse. Mittags essen wir gerade am liebsten Pasta. Und abends Aufschnitt.
ELLEN: Für unsere geliebten Schweinefüße ist es im Sommer zu warm. Hühnerfüße schmecken übrigens auch toll!
ALICE: Auf Fleisch könnten wir nie verzichten. Vegan ist ungesund und einseitig, nix für uns.
ELLEN: Wir lieben Fett zu sehr. Ob Rib Eye oder Schinken – mehr Fett schmeckt besser.

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Woher die Top-Figuren?
ELLEN: Wir sind nervöse Typen, bewegen uns viel und verbrennen gut. Yoga ist uns zu fad, wir brauchen Action-Sachen. Die Haltung ist wichtig, gerade zu gehen, wenn man selbstbewusst ist. Die meisten fangen im Alter an, sich nach vorne gebeugt zu bewegen und dann sehen sie alt aus.
ALICE: Viele Gleichaltrige achten nicht so auf sich. Wir sind es dem Publikum schuldig. Die Leute kennen uns auftoupiert, in tollen Kostümen. Bekannt zu sein, ist auch anstrengend.
ELLEN: Wenn ich einkaufen gehe, schminke ich zumindest die Augen. Ungeschminkt seh ich aus wie Suppe.
ALICE: Ganz ohne Lidstrich erkenne ich mich selbst nicht.

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Das Schönste mit fast 80?
ELLEN: Der Altersbonus. Wir können sagen, was wir wollen.
ALICE: Noch so ein Altersvorteil ist in Florida im Frühsommer passiert. Am Flughafen gibt’s dort aufwendige Kontrollen mit Fingerabdrücken und Fotos. Ich hatte alles bereit, da sagt die Mitarbeiterin: „No, you are too young.“ Sie meinte das witzig. In Wahrheit sind wir zu alt. Ab 75 wird man nicht mehr kontrolliert. (Beide lachen)
ELLEN: Unsere Schuhe müssen wir an der Kontrolle nicht mehr ausziehen. Aber das ist nicht ungefährlich. Wenn ISIS dahinterkommt, schicken die künftig ihre Großmütter.

Schenken Sie sich was?
ALICE: Nee.
ELLEN: Wir haben uns vorab beschenkt mit einem Roboter-Rasenmäher. Der steht im Garten hinterm Baum, kommt selber raus, mäht, verschwindet.
ALICE: Ein Traum. Super.

Singen Sie sich ein Ständchen?
BEIDE: Um Himmels willen.
ELLEN: Wir gratulieren uns.
ALICE: Manchmal vergessen wir auch das. Eigentlich wollte ich gar nicht so alt werden.
ELLEN: Als ich 18 war in Paris, dachte ich, mit 30 ist man alt. Aber es hat sich alles nach hinten verschoben. Mit 50 ist heut niemand mehr alt. Generell hat sich so wahnsinnig viel verändert. Frauen stehen heute im Leben, haben Berufe und Selbstbewusstsein.

Sind Sie Emanzen?
ALICE: Das sind wir automatisch, weil wir früh selbstständig waren. Mit 15 haben wir unser erstes Geld verdient.
ELLEN: Mit 17 sind wir nach Paris. Es war eine wunderschöne Zeit, so unbefangen.
ALICE: An reiche Männer, die wir heiraten könnten, haben wir nie gedacht. Wir haben alles selbst aufgebaut.
ELLEN: Ach, da gab’s mal so einen Prinzen, der war ganz verrückt nach der Alice.
ALICE: Ja, stimmt.
ELLEN: Ich sag den Namen nicht, aber den gibt’s wahrscheinlich eh nicht mehr.
ALICE: Er war ein Nachkomme von Ludwig dem IV., sah gut aus, war charmant, fuhr einen Thunderbird. Ein schickes Auto hat mich damals beeindruckt. Heute nicht mehr.

Sie waren verliebt?
ALICE: Nee, der Prinz war mir irgendwie unheimlich. Er kam sogar zu uns, um unser Geschirr zu spülen, nur um in der Nähe zu sein. Der Prinz stand dann also spülend in der Küche und wir haben uns im Wohnzimmer totgelacht.
ELLEN: Heute gibt es viele Frauen, die darauf ausgerichtet sind, ihre Karriere zu machen, indem sie einen reichen Mann heiraten. So waren wir nie.

Haben sich Männer je an Sie und Ihren Ruhm gehängt?
ALICE: Das weiß man nie.
ELLEN: Die waren von und beiden eher eingeschüchtert.
ALICE: Ich war mal mit einem Österreicher liiert. Immer, wenn er sich ausgezogen hat, schmiss er seine Klamotten auf den Sessel im Schlafzimmer. Er hängte sie nie auf. Ich sagte: Franz, räum deine Sachen auf, ich fang damit gar nicht erst an. Er hat’s nie getan, bis ich seinen ganzen Berg aus dem dritten Stock auf die Straße geworfen hab. Da war er sprachlos.
ELLEN: Ich war in Paris mit Umberto, 1977, wir hatten eine schöne Wohnung. Ich arbeitete jede Nacht und er ging aus. Da war ein Wäschekorb, in den er seine Sachen warf. Irgendwann sagte ich: Ich bin nicht dein Dienstmädchen, kümmer dich. So was hab ich mir nie gefallen lassen. Wir haben an unsere Mutter gedacht, was sie für eine Sklavin unseres Vaters war. Ich sagte mir: So etwas darf mir niemals passieren.

Haben Sie nicht ständig Heiratsanträge bekommen?
ALICE: Der Franz, der hat schon gedrängt. Klar, ich war ja eine gute Partie, würde ich sagen.

Sie haben immer Nein gesagt?
ALICE: Der wollte immer heiraten. Als er dann sagte: Was ist jetzt, heiratest du mich endlich? Da antwortete ich: Warum, bist du schwanger?

Lesen Sie am Dienstag in der AZ: Die Kesslers über den Amoklauf in München und wie Sie mit Angst umgehen.

 

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