Skispringer feiern Gold bis 4.30 Uhr Österreicher helfen Skisprung-Helden mit Bier aus

So sehen Sieger aus! So freuen sich Severin Freund, Andreas Wellinger, Marinus Kraus und Andreas Wank über ihren Sieg im Team-Springen. Foto: dpa

Weil das Deutsche Haus um 2.30 Uhr schloss und die Getränke ausgegangen waren, zogen die Skisprung-Olympiasieger weiter ins Haus der Österreicher - und blieben bis 4.30 Uhr in der Früh.

 

Sotschi - Am Ende einer langen Party-Nacht landeten die deutschen Skisprung-Helden ausgerechnet beim alten Rivalen Österreich. "Wir sind nur unseren Trainern gefolgt", sagte Severin Freund über die Fete im Tirol-Haus und blickte grinsend zu Werner Schuster. "Irgendwie mussten wir die Zeit ja überbrücken", antwortete der - aus Österreich stammende - Bundestrainer: "Zwischen 2.30 und 4.30 Uhr fährt die Gondel in Richtung Hotel ja leider nicht."

Zumal im Deutschen Haus zwischenzeitlich das Bier ausgegangen war. Doch die Österreicher halfen den Überraschungs-Olympiasiegern aus.

Schon im Deutschen Haus hatten es Freund, Andreas Wellinger, Marinus Kraus und Geburtstagskind Andreas Wank so richtig krachen lassen. Nach dem ersten Sturzbier unter dem "Ex, ex, ex!"-Gejohle der Gäste ging es an die Fünf-Liter-Sektflaschen, und nicht nur DOSB-Präsident Alfons Hörmann sang aus voller Kehle: "Oh, wie ist das schön!"

Erst als die Türen geschlossen wurden, zog die Meute weiter zu den befreundeten Österreichern. "Wir sind dort toll empfangen worden", sagte Freund. Grund zum Feiern bestand allemal. Nach jahrelanger Durststrecke sind die deutschen Adler mit Team-Gold bei Olympia zurück auf dem Gipfel, auch wenn Freund den Vergleich mit den ganz Großen seiner Zunft noch scheute. "Zu Sven Hannawald fehlt uns noch eine Einzelmedaille, zu Jens Weißflog auch. Und vier Siege bei der Tournee haben wir auch noch nicht. Es gibt also noch etwas zu tun", sagte der 25-Jährige, der mit dem letzten Sprung die Goldmedaille gesichert hatte.

Eben jener Flug auf 131 Meter könnte für Freund zum Wendepunkt seiner Karriere werden. "Sevi hat gegen Gregor Schlierenzauer, den besten Skispringer aller Zeiten, bestanden. Das kann für ihn ein Türöffner sein", sagte Schuster. Der im Einzel leer ausgegangene Freund stieß in ein ähnliches Horn: "Dieser Olympiasieg ist nicht der letzte Schritt, sondern es soll ein Startschuss werden." Wozu genau, sagte Freund nicht. Aber das Potenzial ist da, den aktuellen Überfliegern wie Peter Prevc und Kamil Stoch auf Dauer die Stirn zu bieten, auch im Einzel. "Noch hat sich keiner von uns diesen Schritt getraut", sagte Schuster, aber das werde sich in den kommenden Jahren ändern: "Wir haben das Rad in Schwung gebracht."

Gerade Schuster genoss nach der zuletzt lauter gewordenen Kritik angesichts ausbleibender Erfolge jede Sekunde des Triumphes, gab aber auch zu: "Ich hatte schon die Argumente parat, warum es wieder nicht geklappt hat. Die habe ich jetzt in die Schublade gesteckt." Genau dort dürften sie erst einmal liegen bleiben. Denn das deutsche Team ist so gut aufgestellt wie seit Jahren nicht. Schuster konnte sich am Montag sogar den Luxus leisten, den formschwachen Weltklasse-Springer Richard Freitag aus dem Team zu lassen. "Er musste als Ersatzmann ins Stadion, das war kein leichter Gang. Aber er hat das akzeptiert, das war großartig", sagte Schuster.

Auch Freund lobte: "Wir waren immer zu fünft, er hat perfekt mitgezogen." Doch damit nicht genug. Eine Goldmedaille haben die DSV-Adler schon, die nächste könnte es in nur drei Wochen geben. Werner Schuster jedenfalls dachte noch vor der Siegerehrung am Abend in Sotschi schon wieder an die Skiflug-WM in Harrachov (13. bis 16. März). "2010 in Vancouver haben wir noch Platz zwei gefeiert, und dann waren wir bei der WM nur Statisten. Diesmal möchte ich die Saison durchziehen. Wir haben noch viel zu tun."

 

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