Ski-WM in St. Moritz Ertl-Renz: "Vicky ist gut drauf"

Heute beginnt in St. Moritz die Ski-WM mit dem Super-G. Zu den Favoritinnen zählt auch Viktoria Rebensburg. Foto: dpa

Vor der Ski-WM erklärt Martina Ertl-Renz, welche Chancen sie Rebensburg einräumt, warum sie manchmal Angst um Lindsey Vonn hat und warum sie Höfl-Rieschs Verbandskritik nicht teilt.

 

München - Die 43-Jährige gewann insgesamt vier Medaillen bei Ski-Weltmeisterschaften, darunter zweimal Gold. Bei Olympischen Spielen holte sie drei Mal Edelmetall.

AZ: Frau Ertl-Renz, heute beginnt die Ski-WM in St. Moritz. An die letzte WM dort im Jahr 2003 haben Sie und das deutsche Team keine so guten Erinnerungen. Der damalige Frauen-Cheftrainer Wolfgang Maier, heute DSV-Alpindirektor, hat danach gesagt, das nächste Mal lege er sich gleich an den Strand in Mallorca...
Martina Ertl-Renz: Eigentlich war es eine tolle WM, aber wir haben leider keine Medaillen geholt. Und wenn die fehlen, wird der Druck immer größer, das habe ich damals auch gespürt. Deshalb würde ich der deutschen Mannschaft heuer wünschen, dass es gleich am Anfang mit einer Medaille klappt.

Sie sind in St. Moritz vor Ort. Die ersten beiden Trainings wurden abgesagt – wie sind die Bedingungen aktuell?
Es hat über Nacht 25 Zentimeter geschneit und oben geht ein extrem starker Wind. Aber die Vorhersagen für die kommenden Tage sind ganz okay.

Bleiben Sie die ganze WM?
Ich bin bis Sonntag hier, und in der nächsten Woche nochmal von Donnerstag bis Sonntag.

Die erste Entscheidung fällt heute im Super-G mit Viktoria Rebensburg. Wie schätzen Sie ihre Chancen ein?
Ich traue ihr auf jeden Fall eine Medaille zu! Wenn’s drauf ankommt, steht die Vicky immer parat. Ich habe sie vorher am Liftausstieg getroffen, sie wirkt freundlich und entspannt, ist gut drauf und zuversichtlich. Ich denke auch, dass sie relativ unbeschwert drauflosen fahren kann, weil sie nicht den Riesen-Druck hat, als wenn sie schon ein paar Saisonsiege hätte. Wenn sie ihre Läufe fehlerfrei runterbringt, ist sie eh immer sehr schnell.

Abfahrt, Super-G, Riesenslalom – wo sehen Sie Vickys Chancen am besten?
Sie hat in allen drei Disziplinen gute Chancen, wobei ich sie in Abfahrt und Super-G einen Tick stärker sehe als im Riesenslalom, wo es heuer noch nicht so gut geklappt hat bei ihr.

Hinter Rebensburg klafft im deutschen Frauen-Team immer noch eine Leistungs-Lücke. Würden Sie sich der Kritik von Maria Höfl-Riesch anschließen, dass sich am System etwas ändern muss?
Nein, da bin ich anderer Meinung. Ich habe mit Wolfi Maier gestern erst ausführlich über das Thema gesprochen, und mein Bruder ist Nachwuchs-Cheftrainer. Deshalb weiß ich, wie viel getan wird, um neue Talente heranzuführen. Es wird extrem viel gearbeitet, extrem viel ausprobiert. Der Wolfi ist innovativ, er hört sich auch neue Ideen an. Die Strukturen sind gut, aber die Arbeit fruchtet nicht von heute auf morgen. Man braucht Geduld, Glück, und die nötigen Athleten, die das Talent mitbringen. Auf magere Jahre werden wieder gute folgen und umgekehrt. Da darf man nicht alles gleich zu scharf kritisieren.

Wen sehen Sie neben Rebensburg als Favoritinnen im Super-G heute?
Natürlich Lara Gut, sie hat drei der vier Super-Gs gewonnen und im vierten ist sie mit Zwischenbestzeit ausgeschieden. Lindsey Vonn darf man nie außer Acht lassen. Dazu noch Sofia Goggia, Ilka Stuhec und Tina Weirather.

Ist Vonn nach ihrer Verletzung schon wieder so weit?
Wer die Lindsey und ihre Fähigkeiten kennt, der weiß, dass sie immer für eine Medaille gut ist. Wobei schon zu beobachten ist, dass sie körperlich am Limit angekommen ist. Durch die vielen Verletzungen spürt man eine gewisse Unsicherheit bei ihr, dass sie angeschlagen ist. Früher hat man einfach nur ‘Wow’ gesagt, wenn sie gefahren ist, heute habe ich immer ein bisschen Angst, dass sie nicht heil runterkommt. Sie lebt für den Skisport – und riskiert auch alles dafür.

Auch Anna Veith ist nach langer Verletzungspause wieder dabei. Was trauen Sie ihr zu?
Eine Medaille wäre eine Überraschung. Es ist ein harter Kampf zurück an die Weltspitze und sie muss wieder lernen, ans Limit zu gehen. Es würde mich so für sie freuen, weil meine Tochter ein großer Anna-Veith-Fan ist, seit wir sie in Garmisch-Partenkirchen mal persönlich getroffen haben.

Was trauen Sie dem deutschen Team insgesamt zu? Haben Sie einen Medaillentipp?
Zwei, drei Medaillen wären super. Der Stefan Luitz wenn mal zwei Läufe runterbringt, kann er ganz vorne dabei sein. Und der Felix (Neureuther, d. Red.) ist so routiniert, er ist immer für eine Medaille gut. Ich hoffe, dass er an dem Tag auch fit ist.

 

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