Ski-Star von A bis Z Thomas Dreßen: Das Landei mit der Harley

Heimrennen in Garmisch: Thomas Dreßen startet zu seinem ersten Trainingslauf. Foto: Stephan Jansen/dpa

Seit seinem Sieg auf der Streif ist Thomas Dreßen Deutschlands neuer Skistar. Am Samstag geht er bei seinem Heimrennen auf der Kandahar an den Start. Die AZ stellt den Senkrechtstarter vor – von A bis Z.

München - Es ist 26 Jahre her, dass zuletzt ein deutscher Abfahrer auf der Kandahar gewonnen hat: Markus Wasmeier triumphierte 1992 in Garmisch-Partenkirchen. Eine Wiederholung? Schien in den vergangenen Jahren unwahrscheinlich. Bis, ja bis dieser Thomas Dreßen aus Mittenwald daherkam und am vergangenen Samstag sensationell die Abfahrt auf der legendären Streif gewann – als erster Deutscher seit Sepp Ferstl 1979.

Deutschland hat wieder einen Abfahrts-Star! 

"Mir fällt es noch ein bisschen schwer, das zu glauben", sagt Dreßen (24), wenn er auf seinen Streif-Sieg angesprochen wird. "Es haben sich extrem viele Leute gemeldet, auch Größen aus dem Skisport. Das ehrt einen natürlich, wenn einem solche Leute schreiben."

Nun der Heim-Weltcup in Garmisch-Partenkirchen (11:45 Uhr/ARD und Eurosport), eine halbe Autostunde von seinem Heimatort Mittenwald entfernt. "Es gibt nichts Schöneres, als daheim einen Weltcup zu fahren", sagt Dreßen, der im Training am Freitag Sechster wurde. "Ich freue mich über jeden, der mir die Daumen drückt."

Die AZ stellt den Senkrechtstarter vor – von A bis Z.

AC/DC: Dreßen mag’s rockig, die australische Hard-Rock-Formation zählt zu seinen Lieblingsbands.

Birgit. Zusammen mit seiner Freundin (23), einer Österreicherin, wohnt Dreßen in Scharnstein im Traunviertel in Oberösterreich. "Man kann sich nicht immer aussuchen, wo einen die Liebe hinverschlägt", sagt er.

FC-Bayern- und Vettel-Fan

Club. Dreßen ist Fan des FC Bayern. Sportdirektor Hasan Salihamidzic lud ihn nach seinem Kitzbühel-Coup ein, Trainer Jupp Heynckes und Thomas Müller schickten Video-Grüße.

Dahlmeier, Laura: Dreßen und der Biathlon-Star aus Garmisch-Partenkirchen kennen sich gut, beide waren schon gemeinsam auf Motocross-Touren unterwegs. "Thomas, du bist eine Legende", sagte Dahlmeier nach dessen Streif-Sieg.

Erfolge: Allzu lang ist diese Liste außer dem Kitzbühel-Sieg noch nicht. Zwei Podestplätze im Europacup, Silber bei der Junioren-WM 2012 im Riesenslalom und 2014 in der Abfahrt, zweimal deutscher Meister – das war’s.

Ferstl, Sepp: Dreßens Vorgänger als bis dahin letzter deutscher Streif-Sieger (1979). "Gott sei Dank bin ich jetzt mal abgelöst. Das hältst du auf Dauer ja nicht aus", sagte Ferstl.

Gewicht: Bei einer Größe von 1,88 Meter wiegt Dreßen um die 100 Kilo. "Er ist ein richtiger Brackel", sagte Ferstl.

Heimat: Dreßen wuchs in Mittenwald auf und startet für den SC Mittenwald.

Idol: Formel-1-Star Sebastian Vettel zählt zu seinen Vorbildern, nach dem Rennen in Kitzbühel lernten sich beide im Vip-Zelt kennen. "Da bin ich mir vorgekommen wie ein kleiner Bub", erzählt Dreßen. "Ich bin zu ihm hingegangen und hab gefragt: 'Darf ich schnell ein Foto mit Dir machen?'" 

Landei und Motorradfahrer

Jülich: Aus der Stadt in der Nähe von Aachen stammte Dreßens verstorbener Vater Dirk. "A Preiß auf gut Deutsch", sagt Thomas.

Kind: Beim Kinderskitag in Telfs in Tirol wurde die Skihauptschule Neustift auf Thomas aufmerksam, wohin Dreßen, damals in der dritten Klasse, schließlich wechselte.

Landei: "Ich war noch nie in einer ganz grossen Stadt, weder in London noch in New York. Es fällt mir schon schwer, wenn ich nach München muss", sagt Dreßen, der sich selbst als Landei bezeichnet.

Motorrad: Im Sommer ist er gerne mit seiner Harley Davidson unterwegs. Schon als Kind saß er beim Papa hinten auf dem Motorrad.

Neureuther, Felix: Der verletzte Slalom-Star fieberte in Kitzbühel an der Strecke mit. "Ich könnt zum Flennen anfangen, weil es so schön war", schwärmte er.

Österreich: Dreßen wurde in Garmisch-Partenkirchen geboren, ging aber auch in Österreich zur Schule, sein Abitur (Matura) machte er am Ski-Gymnasium Saalfelden im Salzburger Land (Schnitt: 1,8).

Podestplätze: Im Weltcup bisher zwei: In Kitzbühel und Anfang Dezember als Dritter in Beaver Creek.

Dreßen: Zollbeamter zum Ausrasten

Qual: Dreßens Sieg in Kitzbühel beendete eine lange deutsche Durststrecke. Als letzter DSV-Fahrer hatte Max Rauffer vor 13 Jahren eine Abfahrt im Weltcup gewonnen.

Risiko: Das soll Dreßen noch dosieren. "Wir wollen nicht, dass Thomas an die hundert Prozent rangeht, sondern dass er in einem Bereich ist, in dem er sich sicher fühlt", sagt Cheftrainer Matthias Berthold.

Sturz: Mit zwölf Jahren hatte Dreßen einen Unfall, als er mit einem anderen Skifahrer zusammenstieß. Dreßen erlitt damals einen Schädelbasisbruch, lag im Koma und verlor sein Kurzzeitgedächtnis.

Toma's: So lautet der Name des Bistros, das Mutter Martina in der Garmischer Innenstadt betreibt. Dort stellt sie Erinnerungsstücke über die Karriere ihres Sohnes aus.

Unterstützung: Im Zielraum von Kitzbühel dankte Dreßen seiner Mutter Martina. "Wenn sie mich nicht so unterstützt hätte und hinter mir gestanden wäre, wäre ich jetzt nicht da."

Vater: Dreßens Vater Dirk (†43) kam am 5. September 2005 bei einem Seilbahnunglück in Sölden ums Leben. Ein Hubschrauber hatte eine Betonwanne verloren, sie stürzte auf eine Gindel. Ein Foto seines Vaters hat Thomas im Geldbeutel, die Nummer 44 auf seinem Helm erinnert an dessen Initialen: "DD".

Weltcup: Sein Debüt gab Dreßen am 21. Februar 2015: Bei der Abfahrt in Saalbach-Hinterglemm wurde er 39. X-fach ist er die Kandahar, seine Heimstrecke, schon gefahren. Zum Vergleich: Die Streif fuhr er erst zum sechsten Mal.

Youtube: Im ORF flippte das Kommentatoren-Duo Oliver Polzer und Armin Assinger bei Dreßens-Siegfahrt fast aus.

Zolloberwachtmeister: Dreßen ist Zollbeamter, er startet für das Zoll-Skiteam.

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