Ski-Star trainiert fürs Comeback Felix Neureuther: Wenn ihm was wehtut, fährt er am besten

"Mein Ziel ist es, in Sölden am Start zu stehen, und wie es ausschaut, könnte das klappen", sagt Felix Neureuther, der sich im November 2017 das Kreuzband gerissen hat. Foto: Vesa Moilanen/Lehtikuva/dpa

Felix Neureuther plant für den Saisonauftakt in Sölden das Comeback nach seinem Riss des Kreuzbandes. Aufhören kommt nicht inzwischen nicht mehr in Frage.

 

Bormio - Drei Stunden hin, drei Stunden zurück, und dann noch drei Stunden Interviews geben: Da wäre ein kompletter Trainingstag futsch gewesen – und die sind für Felix Neureuther derzeit gerade verdammt wichtig. Nach dem Kreuzbandriss im linken Knie im vergangenen November arbeitet der Garmischer an seinem Comeback, und die Uhr tickt: Der Saisonstart am Rettenbachgletscher steht am 28. Oktober an.

Höhepunkt des Winters ist die WM im schwedischen Are (5. bis 17. Februar 2019). Verständlich also, dass der 34-Jährige den Medientag des Deutschen Skiverbandes (DSV) im Zillertal ausließ und lieber am Stilfser Joch trainierte. Zeit für eine Videobotschaft war aber doch: "Mein Ziel ist es, in Sölden am Start zu stehen, und wie es ausschaut, könnte das klappen", sagte Neureuther gut gelaunt in die Kamera.

Felix Neureuther: Hält der Körper der Belastung stand?

Gute Nachrichten, schließlich war zuletzt gar vom Aufhören die Rede. Diese Befürchtungen konnte der DSV-Alpindirektor jedoch abschwächen: "Der Rücken bleibt mit Sicherheit sein Schwachpunkt, seine Achillesferse – und ganz sicher nicht das Knie", sagte Wolfgang Maier beim Medientag auf dem Spieljoch hoch über Fügen, "das System kann sich schon regenerieren, steht aber dann doch wieder unter diesem hohen Druck, der auf der Wirbelsäule lastet. Der Körper muss sich auf den harten Trainingsmodus wieder einstellen. Die Adaptionszeit, bis er sich wieder an diese Härte gewöhnt hat, das wird die Herausforderung."

Zufrieden ist er mit seinem besten Pferd im Stall dennoch: "Er fährt derzeit relativ hohe Umfänge, was er früher oft nicht gemacht hat. Er weiß schon, dass er nicht mehr der Jüngste ist und etwas mehr tun muss. Aber wir sind all das gewohnt von ihm. Er ist am Besten, wenn irgendwas zwickt. Sein Ex-Trainer Charly Weibel hat immer gesagt: ‘Mach dir keine Sorgen, Wolfi, wenn er sagt, ihm tut was weh, dann fährt er meistens richtig gut.’"

Neureuther dachte ans Karriereende

Seit vielen Jahren schon rettet sich Neureuther angesichts seiner langen Verletzungsliste meist über sein Skigefühl, das ihm Papa Christian und Mama Rosi Mittermeier mitgegeben haben. Doch das allein reiche nicht, sagt Alpinchef Maier: "Die Art und Weise, wie in der Spitze Ski gefahren wird, wird durch eine hohe Athletik bestimmt. Aber im Augenblick ist sein Knie tiptop, er hat keine Schmerzen – warum soll ich mir das jetzt in den Kopf holen, wo es gar nicht präsent ist? Der Blick geht ins Jetzt – und da fährt er einfach gut Ski. Wir waren auch total überrascht, weil er im Frühjahr wirklich Rückstände hatte."

Diese waren so gravierend, dass der junge Vater zwischenzeitlich sogar ans Aufhören dachte, zumal der fast zeitgleich ebenfalls am Kreuzband operierte Kollege Stefan Luitz viel schneller fit wurde. "Der Felix hatte eine andere Operation als ich, bei ihm wurde eine andere Sehne als Kreuzbandersatz genommen", erklärt Luitz, "bei mir war’s die Beugersehne aus der Rückseite des Oberschenkels und beim Felix die Qudrizepssehne. Das war vorab schon klar, dass diese Sehne länger braucht, bis sie wieder schmerzfrei ist. Die Narbe, die er oben auf der Kniescheibe hat, die dauert ein bisschen. Deswegen war es am Anfang bei ihm ein bissl zäher gewesen. Aber ihm geht’s auch nicht schlecht. Er hat das Skifahren nicht verlernt."

"Stefan ist immer in der Spur gelaufen, und Felix war deutlich dahinter", erzählt Alpinchef Maier, "aber als Felix dann auf Schnee war, hat er dermaßen angerissen, einfach irre! Das ist nicht nur eine Sache des Skigefühls, sondern hängt mit seiner ganzen Person zusammen."

Comeback in Sölden: Die Uhr tickt

Ob Neureuther tatsächlich auf diesem selektiven Hang in Sölden an den Start gehen wird? Maier sagt: "Wenn er sich entscheidet, dass er fährt, kann er nicht unten abschwingen und sagen ‘Naja, ihr wisst ja...’ Dafür ist er der Neureuther, dazu verpflichtet ihn der Name zu sehr. Ich glaube, dass er sich dessen bewusst ist." Wunderdinge dürfe man nach einem Jahr Wettkampfpause nicht erwarten: "Da wird er ein bisschen Zeit brauchen. Wenn er Mitte November beim Slalom in Levi unter die ersten 20 fährt, wäre das gut für ihn."

Die Leistungsdichte sei immens, die Zahl der Jungen, die nachrücken, wachse, so Maier: "Der Ribéry muss auch fighten, dass er dran bleibt, obwohl er noch saugut kickt. Beim Felix ist es nicht anders. Im Gegensatz zu den Jungen hat er eine Reife im Kopf, mehr Erfahrung. Wir haben im letzten Winter oft telefoniert, nachdem er sich die Rennen im Fernsehen angeschaut hat, und da hab’ ich mir gedacht: ‘Okay, der sieht schon, wo es lang geht.’ Der Felix ist kein Traumtänzer."

Sondern ein harter und auch schlauer Arbeiter. Sagt Kollege Fritz Dopfer, der nach einem Beinbruch und einer Leisten-OP ebenfalls am Comeback arbeitet. Er gilt als Trainingsweltmeister, muss aber nun verletzungsbedingt die Umfänge zurückschrauben – eine Praxis, in der Neureuther seit Jahren Übung hat. "Man kann sich in dem Bereich beim Felix extrem viel abschauen", lobt Dopfer, "weil er in den vergleichsweise wenigen Trainings extrem hohe Qualität rauszieht." Und halt auch mal einen Termin absagt, um den Flow im Training zu nutzen. Denn die Sölden-Uhr tickt ...

Lesen Sie hier: Felix Neureuther - zwischen Skipiste und Schreibtisch

 

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