Ski-Experte im AZ-Interview Frank Wörndl: "Nur Platz eins zählt"

Frank Wörndl traut Felix Neureuther bei den verbleibenden Rennen der Ski-WM viel zu. Foto: dpa

Vor dem Riesenslalom in St. Moritz spricht der Ex-Weltmeister Frank Wörndl in der AZ über Felix Neureuthers Form – und glaubt: "Gold ist drin! Es geht um eine WM, da gibt es keine Ausreden."

 

München - Der 57-Jährige Frank Wörndl aus Sonthofen holte bei der WM 1987 Slalom-Gold und 1988 bei Olympia Silber. Er arbeitet als Experte für Eurosport.

AZ: Herr Wörndl, jetzt gilt es für die deutschen Männer in St. Moritz. Was trauen Sie Neureuther & Co. in den technischen Disziplinen zu?
FRANK WÖRNDL: Alles! Der Felix hat ja gelernt, seinen Mann bei Großereignissen zu stehen. Das hat er bei der Heim-WM in Garmisch auf die bittere Art erfahren müssen. Wenn er zwei gute Läufe runterbringt, dann ist er immer für eine Medaille gut, dann ist Gold drin. Klar gibt es mit dem Norweger Henrik Kristoffersen und dem Österreicher Marcel Hirscher zwei Fahrer, die den Slalom dominieren. Aber: Auch die beiden müssen erst zwei perfekte Läufe nach unten bringen. Genau diese Unberechenbarkeit macht die Faszination des Slaloms aus.

Wie viele Sorgen machen Sie sich um den lädierten Rücken von Neureuther?
Keine.

Wieso das?
Mei, der Felix leidet jetzt unter dieser klassischen Slalomfahrer-Krankheit. Dem sind die Wirbel a bisserl rausgesprungen, da macht dann der Muskel zu, das ist ein Selbstschutz des Körpers. Im Sprachgebrauch würde man sagen, er hat einen Hexenschuss, die Ärzte würden jetzt von Wirbelstauchungen und sonst was reden, aber das hört sich alles wilder an, als es ist. Nichts, was ein Slalomfahrer nicht kennt, nichts. Es geht um eine WM, da gibt es keine Ausreden. Alles, was da zählt, ist der erste Platz. Nur der Weltmeister schreibt Geschichte, nur an ihn erinnert man sich.

Wie bei Ihnen, der 1987 sensationell Gold holte.
Man muss sich nichts vormachen, ohne dieses Gold würde sich kaum einer erinnern, wer ich bin. Ich war gerade erst in einem exklusiven Skigebiet und wollte dort in eine spezielle Hütte. Der Türsteher wollte meine Karte sehen, fragte, wer ich bin. Ich sagte: Frank Wörndl. Er sagte: Wir sind die gleiche Generation, sie waren doch Weltmeister, treten Sie bitte ein. Das war der Titel, nicht mein Gesicht, der die Tür geöffnet hat. Ich bin nicht sicher, ob das dem Armin Bittner, der ein toller Skifahrer war, aber dem dieses Gold immer verwehrt blieb, genauso ergangen wäre. Es ist hart, vielleicht ungerecht, aber bei einer WM zählt nur der erste Rang.

Was erwarten Sie jetzt im Riesenslalom?
Neureuther ist im Moment sogar im Riesenslalom noch ein bisschen besser als im Slalom. Ich sehe unsere Chancen im Riesenslalom sogar ein bisschen besser, denn da haben wir zwei heiße Eisen im Feuer.

Neureuther und Stefan Luitz.
Genau. Wenn der Stefan es schafft, mal in einem Rennen nicht fünf, sondern nur zwei Fehler zu machen, dann ist er ganz vorne mit dabei.

Und im Slalom?
Neureuther ist ein begnadeter Skifahrer, den man erst mal hinter sich lassen muss. Und Linus Straßer hat sich durch seinen Sieg beim Parallelslalom Selbstvertrauen geholt. Die Wettbewerbe kann man zwar nicht vergleichen, aber für das Ego ist so ein Erfolg sehr gut, sehr wichtig.

 

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