Sinkende Umsätze Taxi-Streik wegen Uber: Das stört Münchens Taxler

Fahrdienstleister wie "Uber" ruinieren Taxifahrern zunehmend das Geschäft. Münchens Taxler demonstrieren deshalb. Foto: Michael Burner

Die Umsätze sinken und Schuld sein sollen private Fahrdienste: Münchens Taxifahrer streiken heute mit einer Sternfahrt an den Odeonsplatz. Was die Taxifahrer stört und wem sie die Schuld geben. 

 

München -  Die Passanten drehen neugierig die Köpfe, als sich die ohrenbetäubende Kolonne vorbeischiebt. Die Rosenheimer Straße ist voll mit Taxis. So lang ist die Schlange, dass das erste Fahrzeug bereits am Isartor angekommen ist, als die letzten gerade am Ostbahnhof starten. Zeitgleich kommen hunderte weitere Taxler vom Olympiapark und vom Westbad in Richtung Ludwigstraße.

Aus dem Fenster reicht Taxifahrer Günni Handzettel an die Leute. Darauf steht, worum es bei dem massiven Aufgebot, das gestern Mittag die Strecke zwischen Siegestor und Feldherrenhalle verstopft, geht. Die Wut der bis zum Ausfall der Hupe lautstark Protestierenden richtet sich gegen den Fahrdienst Uber.

Uber fand Gesetzeslücken

Gegen dessen "Umtriebe" wehren sich die Taxifahrer schon, seit die ersten Uber-Fahrer in Münchens Straße aufgetaucht sind. Mit viel Unterstützung auch vom KVR, war relativ bald ein Verbot gegen den Fahrdienst aus den USA erwirkt. Das Konzept von Uber basiert auf privaten Fahrern, die per Smartphone-App gebucht werden können. Personenbeförderung im Privatauto ist illegal, das Ubergeschäft damit auch.

Nicht ganz. Freilich fand man bei Uber recht schnell Gesetzeslücken, inzwischen sind Mietwagen unterwegs. Allerdings: Auch hier sehen die Taxler die Grenze zur Illegalität überschritten. "Die Regeln schreiben nach jeder Tour eine Rückkehr zum Betriebshof vor. Alles andere ist illegal", sagt Florian Bachmann, Vorsitzender des Taxiverbandes München. Damit spielt er auf die Methode der Uber-Fahrer an, während des Wartens auf Fahrgäste im Stadtgebiet zu kreisen oder günstig zu parken. "Das erhöht das Verkehrsaufkommen und verstopft öffentliche Parkplätze", mahnt Bachmann.

Neben den verkehrspolitischen Bedenken, haben die Taxler aber auch ganz eigene Kopfschmerzen: den Preiskampf, der durch Uber eröffnet wurde. Für die meisten Fahrgäste ist der günstige Preis das Lockmittel. Während das in vielen Städten der Welt tatsächlich stimmt, hat – glaubt man den Erzählungen der Taxler – in München schon so mancher Uber-Gast ordentlich draufgezahlt. Zum Hintergrund: Will man eine Uber-Fahrt buchen, gibt man das Ziel in der App ein, die spuckt Fahrzeuge in der Nähe und die Preise aus. Eine böse Überraschung am Ende kann der Uberkunde also nicht erleben. "Das Problem ist die Grundannahme, dass der Uber-Preis unter dem der Taxis liegt. Dabei kann er, wie wir es gerade zur Wiesn gesehen haben locker doppelt so hoch sein", sagt Bachmann.

Nachfrage regelt den Preis

Die Taxipreise sind tariflich gebunden, Uber kalkuliert je nach Nachfrage. Zur Wiesn haben die Taxiunternehmen heuer Verluste im Vergleich zum Vorjahr gemacht. Die Proteststrecke vom Ostbahnhof zum Odeonsplatz würde im Taxi rund 13 Euro kosten. Bei Uber liegen die Preise gestern mittag zwischen 10,02 und 19,38 Euro für die Luxusvairante mit Limosine.

Prominente Unterstützung bekommen sie auch bei der Demo am Donnerstag von Alt-OB Christian Ude. "Das kann man nicht akzeptieren. Wettbewerb muss fair sein, für Taxifahrer, ihre Autos und die Preisgestaltung gibt es Vorschriften. Uber verlangt einfach, was die Situation hergibt", macht Ude deutlich.

"Manche brauchen nur ‘neue App’ hören und sind begeistert, langfristig löst sowas aber die Infrastruktur auf." Mit der Sternfahrt zum Odeonsplatz erhoffen sich die Taxler einerseits die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und andererseits der Politik – als die Kolonne sich an der Staatskanzlei vorbeischiebt, hupen die Taxler extralaut. Auch Ude sieht die Abgeordneten in der Pflicht, Gesetze durchzusetzen: "Da wird das Personenbeförderungsgesetz umgangen und Uber ist auch noch stolz drauf."

Besonders Vorstöße zur Aufweichung des Personenbeförderungsgesetzes wollen die Taxler auf keinen Fall. Gerichte warten auch auf Entscheidungen in anderen Städten. Und Uber spielt auf Zeit. 

Das sagen die Taxifahrer

                                                                                                                  Taxi-Unternehmer Werner Liedl sieht sein Geschäft in Gefahr.                                                                                                            Foto: Daniel von Loeper                                  

Taxi-Unternehmer Werner Liedl (62): "Ich bin sehr enttäuscht über die Entwicklung. Viele Firmen wie Uber machen uns das Leben schwer. Obendrein will offenbar das KVR 700 Konzessionen von Taxifahrern entziehen. Man hat schnell das Gefühl, dass da welche geradezu nach Fehlern suchen. Wir haben alle ein bißchen Angst. Durch Uber sind Wartezeiten für uns länger geworden und wir haben deutlich weniger Umsatz. Man sollte Uber unterbinden."

                                                                                               M-Nasir Mohasher ist über die momentane Situation traurig.                                                                                       Foto: Daniel von Loeper

Taxifahrer M-Nasir Mohasher (44): "Ich habe heute früh um 6.30 Uhr am Flughafen auf Kundschaft gewartet. Um 9.30 Uhr war ich dann an der Reihe und hätte den nächsten kommenden Kunden bekommen müssen. Doch dann hat der Mann auf sein Smartphone geschaut und einen Uber-Fahrer genommen. Das ist absolut unfair und ungerecht. Es gibt Uber Fahrer, die zwischen 200 und 300 Euro für eine Fahrt vom Flughafen in die Stadt verlangen. Es gibt Kunden aus England und Amerikaner, die darauf hereinfallen. Uber-Fahrer stellen sich auch an Plätze, wo sie es eigentlich nicht dürften, beim Flughafen und anderswo. Für die Polizei ist schwierig, einzugreifen – viele der Uber-Fahrer treten wie Privatpersonen auf und machen das Taxigeschäft kaputt. Mich macht die momentane Situation sehr traurig."

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