Sigmar Gabriel Der Neue im Außenministerium

Stiehlt dem Papa ein bisschen die Show: Die vierjährige Marie ist am Freitag bei der Amtseinführung ihres Vaters Sigmar Gabriel im Schloss Bellevue mit dabei. Bundeskanzlerin Angela Merkel scheint entzückt zu sein, Bundespräsident Gauck lächelt – genau wie Mutter Anke Gabriel. Foto: dpa

Dass Sigmar Gabriel ab sofort auf dem glatten Parkett der Diplomatie bestehen muss, erfüllt so manche mit Sorge. Klar ist: In diesem Amt wird es für den Niedersachsen keine Schonfrist geben.

 

Die Rochade ist vollbracht: Der Vizekanzler und bisherige Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel ist neuer Bundesaußenminister und hat am Freitag Frank-Walter Steinmeier abgelöst. Und viele fragen sich jetzt: Kann Gabriel Außenminister?

Es heißt: In seiner neuen Behörde habe man mit einigem Entsetzen die Ankündigung von Sigmar Gabriel vernommen, nicht nur als SPD-Chef zurückzutreten – sondern auch vom Amt des Wirtschafts- sowie Energieministers und als Nachfolger von Frank-Walter Steinmeier, der am 12. Februar zum neuen Bundespräsidenten gewählt werden soll, ins Auswärtige Amt zu ziehen.

Beim Auswärtigen Dienst ist man von der Personalie überrascht

Auch der Auswärtige Dienst mit seinen weltweit 11 000 Mitarbeitern wurde von dieser Ankündigung kalt erwischt. So wie alle Anderen stellen sie sich nun die bange Frage: Kann Gabriel Diplomat? Kann der oft so polternde, lautstarke, emotionale und manchmal unbeherrschte Sozialdemokrat, der keiner Auseinandersetzung aus dem Weg geht, auf dem glatten Parkett der Diplomatie bestehen, wo jede Bemerkung auf die Goldwaage gelegt und mit vielen Worten wenig gesagt wird? Wo es auf feinste Nuancen ankommt?

Zu viel Ehrlichkeit und Direktheit gelten als Makel, erlaubt sind allenfalls dezente Seitenhiebe. Sigmar Gabriel selbst kennt die Vorbehalte gegen ihn.

„Ich weiß, dass ich diplomatischer werden muss“

Bei seinem letzten Auftritt als Wirtschaftsminister im Bundestag erinnerte er gut gelaunt an die oft mit Humor geführten Debatten zu seinem Ressort und räumte unumwunden ein: "Im zukünftigen Amt darf ich das ja nicht mehr so, hat mir der Steinmeier gesagt. Da muss ich diplomatischer werden."

Im neuen Job wird es für Gabriel keine Schonfrist geben. Er selbst begründete seinen Wechsel damit, dass er die größte internationale Erfahrung aller SPD-Minister und als Chef des Wirtschaftsressorts zahlreiche Auslandsreisen unternommen habe.

Das stimmt. Allerdings hatte es dabei durchaus auch Irritationen gegeben, weil der Niedersachse im Ausland – wie in diplomatischen Kreisen mit einer gewissen Nervosität verbreitet wird – in manches Fettnäpfchen getreten ist.

So lobte er beispielsweise bei einem Besuch in Kairo seinen Gastgeber Abdel Fattah al-Sisi als einen "beeindruckenden Präsidenten", obwohl diesem schwere Verstöße gegen Menschen- und Bürgerrechte vorgeworfen werden. Die Antrittsrede des neuen US-Präsidenten Donald Trump kritisierte er so scharf wie kein anderes Regierungsmitglied, während sich Bundeskanzlerin Angela Merkel mit öffentlichen Äußerungen zurückhielt.

An Themen und Herausforderungen herrscht kein Mangel, weder in Europa noch auf der Welt. Zudem hat Deutschland den G-20-Vorsitz. Schon Mitte Februar wird Gabriel bei der G-20-Außenministerkonferenz in Bonn erstmals seinen neuen US-Kollegen Rex Tillerson treffen. Auch er ist ein Freund klarer Worte. Das verspricht spannend zu werden – in jedem Fall aber unterhaltsamer, als es mit Frank-Walter Steinmeier geworden wäre.

 

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