Sieg bei Union Berlin Die zwei Gesichter der Löwen

Jubelnde Löwen: Am Samstag reichte die Stärke des einen Gesichts, um die Schwächen des anderen Gesichts zu überdecken. Foto: dpa/AZ

Das Ergebnis las sich eindeutig. Doch auch beim 4:1 gegen Union Berlin zeigte der TSV 1860 München mal wieder seine zwei Gesichter.

 

München – Als Martin Angha nach 63 Minuten ausgewechselt wurde, hätte man meinen können, sein Team liege gerade 1:4 zurück. Den Kopf herab hängend, schlich der Schweizer bedröppelt vom Platz. Seine Miene verriet: In seinem Spiel war einiges schief gelaufen. Genauso wie im Spiel seiner Mannschaft.

50 Minuten lang hatte der TSV das Spiel dominiert. Die Gastgeber sahen an der Alten Försterei uralt aus gegen die Offensivpower der Sechzger. Die Abwehr von Eisern Union war nur eine löchrige Wellblechhütte. Und wenn die Angreifer der Hauptstädter mal gefährlich in die Nähe des TSV-Tores kamen, prallten sie an Stefan Ortega ab.

Adlung, Okotie, Okotie, Rama – das war der Akkord des Erfolgs für die Löwen. Selbstbewusst, motiviert, aggressiv, fokussiert. Zweikampfstark, passgenau, laufstark, konsequent. Und gnadenlos effizient. Acht Torschüsse gaben die Mannen von Trainer Markus von Ahlen ab. Das Resultat: 4:0 nach 49 Minuten. Und lachende Gesichter bei den mitgereisten eintausend Fans.

Was dann jedoch passierte, wischte jedes Lachen aus den Gesichtern der Anhänger. Und trieb vor allem Torhüter Ortega die Zornesröte ins Gesicht. Was in den folgenden 20 Minuten auf sein Tor einprasselte, hätte für 90 Minuten gereicht. Und für mindestens vier Gegentore. Das erste fiel nach einem Fehler Anghas. Und als der Schweizer nur wenige Minuten später Sebastian Polter im Strafraum umriss, stand es beinahe schon nur noch 2:4. Hätten die Löwen an diesem Tag nicht Stefan Ortega im Tor gehabt. Er hielt nicht nur den Elfmeter, sondern vier weitere sogenannte „einhundertprozentige“ Torchancen der Gastgeber.

21 Schüsse gaben die Berliner ab. Zwölf Ecken segelten in Ortegas Strafraum. Doch weil Union an diesem Tag nicht einmal aus einem halben Meter das leere Tor traf (Kobylanski), blieb es bei dem einen Gegentor durch Polter. „Wir waren zu passiv“, stellte von Ahlen hinterher fest. „In dieser Phase hat Union mit Wut im Bauch gespielt Ich bin froh, dass wir dann noch mal den Hebel umlegen konnten und unsere Souveränität zurückgewonnen haben.“

Dennoch wird sich von Ahlen fragen: Wie kann es passieren, dass seine Mannschaft einen Gegner 50 Minuten lang dominiert, mit vier Toren führt, und dann nach einem Gegentreffer derart in sich zusammenfällt? Die 25 Minuten außer Rand und Band erinnerten furchterregend an die Anfangsviertelstunde in Aue. Mit dem Unterschied, dass Union seine Chancen fahrlässig vergab und Ortega (AZ-Note 1) überragend hielt. „So eine Phase darf uns nicht passieren, egal bei welchem Spielstand“, schimpfte der Keeper später. „Wir müssen noch kontrollierter auftreten.“

Diese Kontrolle gewann Sechzig erst in der Schlussviertelstunde zurück. So blieb am Ende ein wichtiger 4:1-Erfolg. Und die Erkenntnis, dass dieses Spiel ein Abbild der bisherigen Saison war: die Löwen zeigten, dass sie vom Potential her besser stehen könnten als vor dem Spiel Rang 15 und nach dem Spiel Rang elf. Doch die grausame Phase in der zweiten Halbzeit sollte als Warnung dienen, wie weit der Weg für die Löwen noch ist. Noch hat Sechzig zwei Gesichert. Gut, dass am Samstag das lachende Gesicht überwog.

 

15 Kommentare