"Sie verachten dieses Land" Wut-Rede im Bundestag: Özdemir rechnet mit AfD ab

Cem Özdemir hat im Bundestag mit der AfD abgerechnet. Foto: dpa

Die AfD wollte den deutsch-türkischen Journalisten Yücel vom Bundestag für zwei umstrittene Texte maßregeln lassen. Cem Özdemir platzt bei seiner Rede der Kragen.

Generalabrechnung mit der AfD. Der frühere Grünen-Chef Cem Ödzemir hat sich in einer leidenschaftlichen Bundestagsrede die AfD zur Brust genommen und ihr Rassismus sowie Verachtung des demokratischen Systems der Bundesrepublik vorgeworfen.

Die AfD hatte beantragt, den aus türkischer Haft freigelassenen Welt-Korrespondenten Deniz Yücel öffentlich zu maßregeln wegen zweier taz-Kolumnen aus den Jahren 2011 und 2012. Darin hatte Yücel dem umstrittenen Autor Thilo Sarrazin einen Schlaganfall gewünscht und den Geburtenrückgang in der Bundesrepublik als Beitrag zum "Deutschensterben" bejubelt. Der AfD-Abgeordnete Gottfried Curio nannte Yücel einen "Hassprediger" und betonte: "Das Hohelied, das auf Herrn Yücel angestimmt wird, kann den Missklang seiner Äußerungen nicht übertönen."

Özdemir rechnet mit der AfD ab

Özdemir fand klare Worte. Die AfD sei "aus demselben faulen Holz geschnitzt" wie der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, der Journalisten verhaften lasse, sagte Özdemir in einer von der AfD beantragten Debatte über umstrittene alte Texte des aus türkischer Haft freigekommenen Journalisten Deniz Yücel.

Indirekt rückte Özdemir die AfD in die Nähe von Nazis. "In unserem Land, in der Bundesrepublik Deutschland gibt es keine Gleichschaltung, von der sie nachts träumen, bei uns gibt es Pressfreiheit." Eine Aschermittwochsveranstaltung der AfD, bei der seine Abschiebung gefordert worden sein soll, habe ihn eher an eine Sportpalastrede erinnert, rief er und empfahl den AfD-Abgeordneten, sich an das Ausstiegstelefon für Neonazis zu wenden. Im Berliner Sportpalast hatte NS-Propagandaminister Joseph Goebbels 1943 seine berüchtigte Rede mit dem Aufruf zum "Totalen Krieg" gehalten.

"Deutschland ist stärker, als es ihr Hass jemals sein wird"

"Ihr tobender Mob wollte mich am Aschermittwoch abschieben. Das geht leichter, als sie sich dass vorstellen", sagte Özdemir, der in Bad Urach geboren wurde, dessen Eltern aber aus der Türkei nach Deutschland gekommen waren. Denn demnächst fahre er wieder nach Bad Urach. "Da ist meine schwäbische Heimat, und die lass ich mir von Ihnen nicht kaputt machen", rief er. "Dieses Deutschland ist stärker, als es ihr Hass jemals sein wird."

Der Antrag der AfD wurde vom Bundestag mit großer Mehrheit abgelehnt.

Hier sehen Sie Özdemirs Rede im Video:

 

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