Sie kämpfen für den IS Minderjährige Bayern ziehen in den Dschihad

Martialische Posen: Die Terrormiliz Islamischer Staat wütet in Syrien und im Irak. Auch Menschen aus dem Freistaat schließen sich der Gruppe an. Foto: picture alliance/dpa

20 Gotteskrieger aus dem Freistaat kämpfen laut Verfassungsschutz in den Krisengebieten. Die Behörden beobachten vor allem Rückkehrer.

München - Der Heilige Krieg, den die Terror-Organisation Islamischer Staat (IS) in Syrien und im Irak führt, hinterlässt auch bei uns blutige Spuren.

Nach Erkenntnissen des bayerischen Landesamts für Verfassungsschutz starben bei militärischen Auseinandersetzungen in den Krisengebieten bereits sechs aus Bayern stammende „Gotteskrieger“.

Schon seit 2009 verfügen die bayerischen Sicherheitsbehörden über ein Handlungskonzept, um gewaltbereite Islamisten erst gar nicht in die Krisenregion im Nahen Osten ausreisen zu lassen. Das hat in einer ganzen Reihe von Fällen funktioniert. Markus Schäfert vom Landesamt: „Die Anzahl der behördlich verhinderten Ausreisen bewegt sich im niedrigen zweistelligen Bereich.“

Mehr als 60 Dschihadisten aus Bayern, die bereits nach Syrien und den Irak ausgereist sind oder dies planen, befinden sich im Visier der Sicherheitsbehörden. „Sie wollen an den Kampfhandlungen teilnehmen oder die terroristischen Gruppen in anderer Weise unterstützen“, erklärt Schäfert.

Jugendliche setzen sich ab – ohne zu wissen, was sie erwartet

Das Landesamt für Verfassungsschutz hat in diesem Zusammenhang eine Besorgnis erregende Feststellung gemacht. „In jüngster Zeit“, so der Behördensprecher, „ist es in mehreren Fällen auch Minderjährigen gelungen, sich meist ohne Wissen der Eltern ins türkisch-syrische Grenzgebiet abzusetzen, um dort den Dschihad zu unterstützen“, sagt Schäfert. „Sie folgen einer Gewalt verherrlichenden Ideologie, ohne zu wissen, was sie in Wirklichkeit vor Ort erwartet.“

Nach den Erkenntnissen der Verfassungsschützer verlaufen die Radikalisierungsprozesse mit rasender Geschwindigkeit. Einer der Gründe für die Verwandlung zum Gotteskrieger ist nach Überzeugung der Verfassungsschützer die Flut an dschihadistischem Propagandamaterial im Internet, ein anderer die Rückkehrer.

„Personen, die aktiv an Kampfhandlungen teilgenommen haben, stellen nach der Wiedereinreise ein besonderes Sicherheitsrisiko dar“, sagt Markus Schäfert.

Seinen Worten zufolge liege das daran, dass die Rückkehrer innerhalb der Islamisten-Szene ein hohes Ansehen genießen würden. Den Rückkehrern aus den Krisenregionen gilt auch die Aufmerksamkeit der Behörden.

Den Angaben des Landesamts zufolge sind bisher 17 Dschihadisten aufgefallen, die wieder nach Bayern eingereist sind. „Wir wissen von vier Personen, dass sie an Kampfhandlungen in Syrien und dem Irak beteiligt waren. Zwei von ihnen befinden sich zur Zeit in Haft“, gibt Schäfert den Stand wieder.

Aktuell seien es rund 20 Islamisten aus Bayern, die sich dort aufhalten. „Die Neuankömmlinge treffen auf eine gut organisierte Infrastruktur der Terrororganisationen“, sagt Schäfert.

Bundesweit sind rund 680 Islamisten von Deutschland nach Syrien und in den Irak gereist. 230 sind inzwischen wieder zurückgekehrt. Sechs junge Bayern, die dem Ruf der Terroristen folgten, haben in dieser Statistik jedoch keinen Platz. Sie sind tot.

 

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