Sie finden kein Ausweich-Quartier Braune Brühe aus dem Klo überflutet Wohnung: Familie obdachlos

Suchen dringend eine Bleibe: Claudia und Felipe M. mit ihren Kindern Adrian und Violeta. Foto: Nina Job

Als Familie M. nicht zuhause ist, läuft das WC über. Die Wohnung ist unbewohnbar, Felipe M. und seine Familie wissen nicht wohin.

 

Au - Dicke Pappen liegen auf dem Fußboden. Das Laminat darunter ist aufgequollen und dunkel verfärbt. In dem gerade mal 30 Quadratmeter großen Apartment saugen zwei Bautrockner unablässig feuchte Luft an und pusten trockene, warme wieder heraus. Die Luft ist zum Schneiden - auch nach drei Wochen riecht es noch immer unangenehm nach Kloake.

Felipe M. (43) und seine Frau Claudia (42) sind mit den Nerven am Ende. Es war schon zuvor nicht einfach, zu viert in einem kleinen Einzimmer-Apartment zu leben. Doch derzeit haben die Eheleute, die vor fünf Jahren aus Spanien nach München gezogen sind, mit ihren Kindern gar kein Zuhause mehr.

Die Familie hat ihre Wohnung fluchtartig verlassen müssen. Als Claudia und Felipe Anfang Mai mit ihren Kindern Adrian (8) und Violeta (11 Monate) abends Freunde besuchten, ergoss sich aus der Tiefe des Toilettenrohres eine unerträglich stinkende Brühe ins Badezimmer.

Die braune Flut breitete sich bis in den Wohnraum aus, dort wo das Gitterbettchen von Violeta, das Hochbett von Adrian und das Schlafsofa der Eltern steht. Dorthin, wo Spielsachen am Boden lagen. Es ist unzumutbar, weiter in dem Apartment zu leben, zu schlafen, zu spielen, zu kochen und zu essen. Die Wohnung muss erst renoviert werden.

Ohne Freunde müssten sie unter der Brücke leben

Die Eltern packten nur das Nötigste ein, um die Gesundheit ihrer Kinder nicht zu gefährden. Zunächst konnten sie bei Freunden unterkommen. "Wenn sie uns nicht aufgenommen hätten, müssten wir unter der Brücke schlafen", sagt der Vater.

Bei den Freunden ist es nun noch beengter als zuvor in ihrem Einzimmerapartment. "Dort sind wir jetzt zu acht. Wir sind eine Zumutung für die andere Familie", sagt der Vater verzweifelt.

Doch alle Bemühungen, eine Ersatzwohnung zu finden, scheiterten. "Wir können höchstens 700 Euro zahlen, so viel kostet unser Apartment", erklärt Felipe M.

Vorübergehend in ein Hotel oder eine Pension zu ziehen, kann sich die Familie nicht leisten. So viel verdient Felipe M. als Fahrer und Kellner nicht. Und Claudia, eine studierte Architektin, ist in der Elternzeit. Einen Krippenplatz für Violeta gibt es erst ab September.

Bis das Apartment wieder bewohnbar ist, können noch Wochen vergehen - möglicherweise sogar Monate.

Können Sie der Familie helfen? Dann schreiben Sie bitte an: lokales@az-muenchen.de

 

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