Sicherheitslücke am Münchner Flughafen Reporter schmuggelt Bomben-Bauteil durch Security-Check

Der Reporter hatte leicht entzündliche Pyrowatte in seinem Handgepäck. (Symbolbild) Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Ein ARD-Reporter hat mit einem Selbstversuch eklatante Sicherheitslücken am Münchner Flughafen nachgewiesen. Mit Teilen eines Bomben-Bausatzes konnte er durch die Sicherheitskontrolle gelangen.

München - Wie leicht können explosive Stoffe ins Flugzeug kommen? Mit dieser Frage hat sich das ARD-Wirtschaftsmagazin "Plusminus" (Mittwoch, 21.45 Uhr, Das Erste) beschäftigt und im Rahmen eines Versuchs große Sicherheitslücken am Flughafen München festgestellt. Einem Reporter gelang es dabei, Bauteile für einen Sprengsatz durch den Security-Check in den Abfertigungsbereich zu bringen.

Der ARD-Mitarbeiter hatte beim Test freiverkäufliche Pyrowatte in seinem Handgepäck. Der leicht entzündliche Stoff ist nicht von normaler Kosmetikwatte zu unterscheiden. "Sicherheitspersonal hat praktisch keine Chance, die Pyrowatte als Gefahrenstoff zu erkennen, weder am Geruch, noch an einem anderen Merkmal. Da hilft auch kein Sprengstoffhund oder kein technisches Gerät", so Sicherheits-Experte Sven Schrader.

Experte: Sicherheitslücke kein Fehler eines einzelnen Mitarbeiters

Dass der Reporter mit dem Bomben-Zubehör durch die Sicherheitskontrolle gelangen konnte, ist laut Schrader jedoch nicht der Fehler eines einzelnen Kontrolleurs, sondern in diesem speziellen Fall ein generelles Problem an allen Flughäfen.

Zuvor wurde die Funktionsfähigkeit des Sprengsatzes auf einem Versuchsgelände getestet. Die Kraft des Sprengsatzes könnte Experten zufolge Menschen in unmittelbarer Nähe töten und ein Loch in die Außenwand des Flugzeuges reißen. Ein Flugzeugabsturz als Folge der Detonation wäre nicht auszuschließen.

Regierung von Oberbayern will jetzt aktiv werden

Das Bundesinnenministerium verweist auf Anfrage von "Plusminus" auf das gesetzliche Verbot, Spreng- und Brandsätze in Sicherheitsbereiche oder an Bord eines Luftfahrzeugs mitzunehmen. Wie die Einhaltung des Verbotes kontrolliert wird und wie diese Sicherheitslücke geschlossen werden kann, dazu macht es keine Angaben.

Die Regierung Oberbayern möchte jetzt gemeinsam mit der Bundespolizei aktiv werden und prüfen, "ob und inwieweit Pyrowatte für den vorsätzlichen Eingriff in die Sicherheit des Luftverkehrs Verwendung finden kann", so eine Pressesprecherin.

Wochenend-Chaos am Flughafen München

Ende Juli sorgte eine Frau am Münchner Flughafen für großes Chaos, als sie ohne Kontrolle den Sicherheitsbereich passieren konnte. Ein Terminal musste stundenlang gesperrt werden, rund 330 Flüge fielen aus, über 30.000 Passagiere waren betroffen.

 

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