Sicherheitslage im Freistaat Herrmann: "In Bayern leben, heißt sicherer leben"

, aktualisiert am 07.12.2016 - 19:57 Uhr
Polizisten sichern den Münchner Hauptbahnhof. CSU-Innenminister Joachim Herrmann verspricht bei der Präsentation seines Sicherheitsberichts, die Ängste der Bürger ernst zu nehmen. Foto: dpa/AZ

Der Freistaat ist das sicherste Bundesland, versichert Innenminister Joachim Herrmann. Doch es gibt auch viele Brennpunkte.

München - Innenminister Joachim Herrmann hat die Sicherheitslage im Freistaat insgesamt sehr positiv bewertet – aber auch auf Probleme hingewiesen. "In Bayern leben, heißt sicherer leben", sagte der CSU-Politiker am Mittwoch bei der Vorstellung eines umfassenden Sicherheitsberichts.

Sorgen bereiten den Behörden vor allem die Zunahme der Cyberkriminalität und die vielen Wohnungseinbrüche. Und: Das Sicherheitsempfinden vieler Bürger ist ungeachtet aller statistischen Daten etwas getrübt. "Das subjektive Sicherheitsgefühl ist ein Problem", räumte Landespolizeipräsident Wilhelm Schmidbauer ein – dagegen müsse man etwas tun. Und auch Herrmann betonte, man nehme die Ängste der Bevölkerung ernst. Die Schwerpunkte aus dem erstmals vorgelegten Sicherheitsbericht:

Gewaltkriminalität


Die Zahl der (schweren) Körperverletzungen ging zurück. Foto: dpa

Die Zahl der Gewaltdelikte hat in den vergangenen Jahren kontinuierlich abgenommen. Zwischen 2011 und 2015 blieb die Zahl der Morde und versuchten Morde mit zuletzt 133 Fällen zwar nahezu konstant, die Zahl der Totschlagsdelikte nahm um 38 auf 237 Fälle zu. Bei gefährlicher und schwerer Körperverletzung dagegen ging die Zahl der Fälle um 963 auf 15 453 zurück. Rund 82 Prozent der Gewalttäter waren 2015 männlich, der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger lag bei knapp 40 Prozent. Die Aufklärungsquote betrug gut 84 Prozent.

Politisch motivierte Gewalt


August 2015: Polizisten unterhalten sich nach einem Brandanschlag auf ein Asylheim in Neustadt a. d. Waldnaab mit Bewohnern. Foto: dpa

Derartige Gewaltdelikte nahmen in den vergangenen Jahren deutlich zu. Im Bereich Rechtsextremismus stieg die Zahl der Fälle zwischen 2011 und 2015 von 58 auf 93. Darunter waren 2015 acht Brandanschläge auf Asylbewerberunterkünfte. Im Bereich des Linksextremismus waren 2011 noch 62 Gewaltdelikte gezählt worden. 2015 waren es 173 Fälle - insbesondere wegen der damaligen Protestaktionen gegen den G7-Gipfel.

Islamistischer Terrorismus


Die Anschläge von Ansbach (Bild) und Würzburg sind in dem Bericht noch nicht enthalten. Foto: dpa

Die Zahl derartiger Taten stieg von 5 im Jahr 2011 auf 30 im Jahr 2015. Bei 26 davon lautete der Vorwurf „Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat“. Polizei und Verfassungsschutz hätten Gefährder und bekannte Sympathisanten fest im Blick, versicherte der Minister.

Ausländerkriminalität

Der Anteil Nichtdeutscher an den Tatverdächtigen hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen: von 24,2 Prozent im Jahr 2011 auf 31,5 Prozent im Jahr 2015. Die meisten Tatverdächtigen (zusammen rund 25 Prozent) stammten nach Angaben Herrmanns aus der Türkei und Rumänien. Zugenommen hat auch die Zahl der Konflikte in Asylheimen: Im Jahr 2015 wurden in solchen Unterkünften 5726 Straftaten registriert, darunter mehrheitlich Körperverletzungen und Raub. Mehr als 17 000 Mal musste die Polizei im vergangenen Jahr in Asylbewerberunterkünfte ausrücken, in diesem Jahr bis einschließlich Oktober schon mehr als 23 000 Mal. „Das liegt auch daran, dass Konflikte aus den Herkunftsländern mit hierher gebracht werden“, erklärte Herrmann.

Computerkriminalität

Hier verzeichneten die Behörden einen deutlichen Anstieg um 32 Prozent auf gut 13 400 Fälle im Jahr 2015. Gleichzeitig ging die Aufklärungsquote von 28,5 auf 23,8 Prozent zurück. Zudem müsse man gerade bei der Cyberkriminalität von einem sehr hohen Dunkelfeld ausgehen, räumte CSU-Mann Herrmann ein.

Wohnungseinbrüche


Die Aufklärungsquote bei Einbrüchen ist in Bayern extrem niedrig. Foto: dpa

Die Zahl der Wohnungseinbrüche nimmt bundesweit stetig zu, von 2014 bis 2015 war es ein Plus von fast zehn Prozent. In Bayern nahm die Zahl der Fälle von 2011 (5237 Fälle) bis 2014 (8210) ebenfalls deutlich zu, im vergangenen Jahr gab es dann einen Rückgang auf 7480 Fälle. Allerdings ist die Aufklärungsquote mit zuletzt 15,9 Prozent extrem gering. Herrmann betonte aber, dass das Einbruchsrisiko in Bayern deutschlandweit am geringsten sei – mit Abstand. Während im bundesweiten Schnitt 206 Einbrüche pro 100 000 Einwohner gezählt wurden, waren es in Bayern zuletzt 59 pro 100 000 Einwohner.

Rauschgift


Ein Fund der Droge Crystal Speed. Foto: dpa

Hier verzeichneten die Behörden in den vergangenen Jahren durchweg Steigerungen: Im Jahr 2015 wurden gut 41 000 Delikte gezählt, 10 000 mehr als noch 2011.

 

43 Kommentare