Sicherheit am Hauptbahnhof Kommunaler Außendienst: Die Bilanz der Stadt-Schandis

Es gibt nur zwei Frauen bei den KVR-Schandis: Rina S. ist eine von ihnen. Foto: Müller, Job

Seit Juli sind im Bahnhofsviertel Uniformierte des KVR unterwegs. Das sagen Polizei und Bürger über die ersten Wochen.

München - Pfefferspray am Gürtel, Einweghandschuhe in der Hosentasche und eine dunkelblaue Uniform mit dem Wappen der Stadt: So ausgerüstet sind seit Anfang Juli zwei Frauen und 38 Männer unterwegs, um im Bahnhofsviertel für mehr Ordnung und Sauberkeit zu sorgen. Eine erste, vorsichtige Bilanz.

Polizeivizepräsident Werner Feiler äußert sich positiv

Rima S. hat umgesattelt. Früher war die 36-Jährige Verkäuferin, seit 1. Juli ist sie eine von bislang 40 Streifenkräften des KVR, offiziell: "kommunaler Außendienst" (KAD). Der jungen Frau gefällt ihr neuer Job: "Es ist eine schöne Aufgabe, für eine sicherere und sauberere Stadt zu sorgen", sagt sie. Richtig unangenehme Situationen habe sie noch nicht erlebt. Ein Kollege kann das nicht bestätigen: Ein Drogenabhängiger, dem er einen Platzverweis erteilt hatte, ging auf ihn los, versuchte ihn zu schlagen, schaffte das aber nicht. Rima S. und ihre neuen Kollegen sind mindestens zu zweit, manchmal auch zu viert unterwegs. Der KAD soll Präsenz zeigen. "Er ist Ansprechpartner für die Bürgerinnen und Bürger, verfolgt Ordnungsstörungen und wirkt präventiv", erläutert KVR-Chef Thomas Böhle.

Am häufigsten wurden Stadtschandis wegen Bettlern aktiv

Das Einsatzgebiet reicht vom Alten Botanischen Garten bis zur Landwehrstraße inklusive Paul-Heyse-Unterführung, Bahnhofsplatz und Stachus. Gelegentlich wird auch im Nußbaumpark kontrolliert. Am häufigsten wurden die Stadtschandis bislang wegen Bettlern aktiv: insgesamt 116 Einsätze gab es, bei denen Platzverweise erteilt wurden. Zum Beispiel am Stachus sowie überall in der Fußgängerzone, wo sogar stilles Betteln untersagt ist. Bei manchen Streifendiensten sammeln die Schandis benutzte Spritzen oder Kanülen im Nußbaumpark ein oder verjagen Drogenabhängige vom Spielplatz. Ein anderes Mal verscheuchen sie Wildbiesler.

Sechs Millionen Euro Kosten im Jahr

Polizeivizepräsident Werner Feiler äußerte sich gestern positiv über die Verstärkung des KVR im Bahnhofsviertel: "Durch die zusätzlichen Kräfte können wir uns auf die Bekämpfung von Straftaten konzentrieren", sagte er.

Allerdings: Für viele Anwohner und Geschäftsleute lässt die Präsenz der neuen Blauen noch zu wünschen übrig. "Ich habe noch keine gesehen", zum Kosmetikerin Lumi D., die in der Zentraldrogerie in der Schillerstraße arbeitet und auch in der Nähe wohnt. Rezeptionistin Manuela H. (50) vom Hotel Wallis in der Schwanthalerstraße wünscht sich mehr Schandis und auch mehr Polizeipräsenz. "Vor allem abends haben viele Angst." Eine Verkäuferin an einem Obst- und Gemüsestand in der Sonnenstraße bezweifelt zudem die Wirksamkeit einiger Maßnahmen: "Die erteilen den Bettlern Platzverweise, aber kaum sind die Schandis weg, sind die Bettler wieder da."


Lumi D. und Ricky E. von der Zentraldrogerie in der Schillerstraße.

Insgesamt sollen es 85 Mitarbeiter werden

Vielleicht wird die Resonanz besser, wenn die Schandis ihre eigentliche Mannstärke erreicht haben: Insgesamt 85 sollen es werden, 25 werden derzeit geschult. Auch sollen die KVR-Kräfte ab nächster Woche statt bislang bis 21.30 Uhr bis 0.30 Uhr auf Streife gehen.

Die Stadt lässt sich das Projekt sechs Millionen Euro im Jahr kosten.

Lesen Sie hier: Betteln in der Fußgängerzone: Die dreisten Maschen

 

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