Showdown beim TSV 1860 Giesinger Gipfel: Was nun, 1860?

Freundlich und bescheiden, so war Hasan Ismaik bei seinem ersten Besuch in München rübergekommen. Mittlerweile hat sich der Investor als ziemlich undurchsichtig entpuppt. Foto: sampics/augenklick

Investor Hasan Ismaik trifft am Montag auf die Bosse des TSV 1860. Die AZ erklärt die wichtigsten um die zerstrittenen Partner. Etwa: Hört Präsident Dieter Schneider doch auf?

 

München - Es soll keiner sagen können, man hätte aneinander vorbeigeredet. Wenn sich am Montag um 17 Uhr an der Grünwalder Straße endlich 1860-Investor Hasan Ismaik und die Vereinsverantwortlichen zum Showdown treffen, wird auch ein Simultandolmetscher mit am Tisch sitzen.

Bisher hatte bei den Treffen immer der mittlerweile zurückgetretene Ismaik-Berater Hamada Iraki übersetzt. Mehr oder weniger dem Sinn nach. Jezt geht’s um alles.

Die AZ erklärt den Showdown:

Wer wird am Verhandlungstisch sitzen?

Es handelt sich bei dem Treffen offiziell um eine Aufsichtsratssitzung der ausgegliederten Profiabteilung. Von Vereinsseite werden Präsident Dieter Schneider, sein Vize Franz Maget und der frühere Staatskanzleileiter Siegfried Schneider teilnehmen.

Ismaik entsendet, da die zwei bisherigen Aufsichtsräte Iraki und Anna Campbell zurückgetreten sind, sich selbst.

Außerdem nimmt Geschäftsführer Robert Schäfer teil. Ismaiks Familienangehörigen und Repräsentanten, Cousin Noor Basha und Bruder Abdel Rahman, dürfen als Gäste teilnehmen, haben aber kein Stimmrecht. Die frei gewordenen Aufsichtsratsposten werden beide nicht übernehmen.

Worum wird gestritten?

Ismaik hat den Vereinsverantwortlichen und vor allem Schneider Geltungssucht vorgeworfen und den seit Saisonbeginn laufenden Dreijahresplan für gescheitert erklärt. Er möchte nicht spätestens 2015, sondern möglichst 2013 aufsteigen. Darum möchte er so schnell wie möglich neue Spieler verpflichten und Sven-Göran Eriksson als Trainer installieren.

Die Vereinsverantwortlichen rechnen mit einem Investitionsvolumen von rund 20 Millionen Euro für zwei Jahre und gehen davon aus, dass Ismaik dem Klub dafür mit weiteren Darlehen belasten möchte. So genau wissen sie das nicht, denn zur Finanzierung seiner Ideen hat sich Ismaik noch nicht geäußert. "Ismaik hat uns bisher keinerlei Konzepte vorgelegt", sagt Schneider.

Der Verein ist bereit, über Justierungen am Dreijahresplan zu sprechen. Auch einen totalen Kurswechsel schließt Schneider nicht aus – wenn der Klub nicht mit Schulden überlastet wird. "Wir dürfen laut DFL-Statuten keine sinkende Eigenkapitalquote haben. Sonst drohen gewaltige Geldstrafen und Punktabzüge", sagt Schneider.

Vorstellen könnte er sich aber, dass Ismaik die nötigen Gelder etwa über Genussrechte vergibt. Dabei handelt es sich, grob gesagt, um nachrangige Anleihen, die am Gewinn und Verlust der Gesellschaft partizipieren. Sollte der Klub Verlust machen, würde Ismaik mit der Höhe seiner Einlagen haften.

Besteht eine Chance zur Einigung?

Die Fronten sind so verhärtet, dass ein Friedensschluss eigentlich unmöglich erscheint. Dennoch glaubt Schneider daran. Auch Ismaiks Cousin Noor Basha hat erklärt, dass beide Seiten "keine Probleme" miteinander hätten. Definitiv ausgeschlossen hat Schneider aber eine massive Neuschuldenaufnahme.

Ismaik müsste sich auf andere Finanzierungsmodelle einlassen – und die Zahlung der Gelder dann auch per Vertrag garantieren. Das ist möglich – allerdings nicht ohne Bedingungen. Was könnte Ismaik fordern? Der Investor hat klar gemacht, dass er nicht viel von Schneider hält und dessen Rücktritt gefordert.

"Ich trete nicht zurück", sagt Schneider, "ich sehe den Zusammenhang auch nicht. Hier wird mit Emotionen und Klischees gearbeitert, weniger mit Fakten."

Allerdings gibt es ein Hintertürchen. Im März wird bei der außerordentlichen Delegiertenversammlung das Präsidium neu gewählt. Schneider würde noch mal antreten.

Aber: "Vorgeschlagen werden muss das neue Präsidium vom Vereins-Aufsichtsrat", sagt Schneider. Und der hat schon vor einem Jahr darüber diskutiert, den Präsidenten zu opfern, um Ismaik zu besänftigen.

 

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