Sex in der City Wo sich Münchner im Freien lieben

Sich draußen lieben? Die Expertin sagt: „Da entsteht ein besonderes Freiheitsgefühl. Man fühlt sich wie in einen Jungbrunnen gefallen, weil man sich als Erwachsener benimmt wie ein Teenager. Foto: Loeper/Fotolia
 

In der neuen AZ-Serie berichten Frauen, Männer und Paare von ihren Open-Air-Abenteuern. Hier erklärt die Expertin, warum sie sich dazu hinreißen lassen – und was das Besondere daran ist.

München - Und es gibt ihn doch, den Sommer. Schweißheiße Tage und laue Nächte, in denen man (und frau) schon mal in sinnliche Stimmung gerät – und dem Reiz nachgibt. Auch unter freiem Himmel. Auch an ungewöhnlichen Orten, nicht nur daheim.

Die AZ hat sich bei vielen Münchnern beiderlei Geschlechts und aller Altersstufen umgehört: Haben Sie schon mal im Freien Liebe gemacht? Ja, sie haben. In der neuen AZ-Serie „Münchner Liebesplätze“ verraten ab heute täglich Frauen, Männer, und Pärchen, an welchen Plätzen der Stadt sie schon Sex hatten – etwa an Brunnen, im Hirschgarten, auf einer Insel in der Isar.

Zum Auftakt der Serie erklärt die renommierte Münchner Paar- und Sexualberaterin Gabriele Leipold, dass fast jede(r) sich schon mal der Freiluft-Liebe hingegeben hat – und was deren Reiz ausmacht.

AZ: Sex im öffentlichen Raum ist verboten. Frau Leipold, wie viele Menschen, denken Sie, treibt es zum Liebemachen trotzdem ins Freie?

GABRIELE LEIPOLD: Ich glaube, fast jedes verliebte Paar hat sich schon mal draußen unter freiem Himmel geliebt – mindestens im Urlaub am Strand oder beim Baden am See. Und viele tun es auch an geschützten schönen Orten in der Stadt. Wenn sie die Lust überkommt...

... setzt die Vernunft aus?

Wärme, viel Licht, leichte Bekleidung, kurze Nächte und wenig Schlaf – da schüttet der Körper viele Glückshormone aus, die den Sex-Trieb anregen. Die sexuelle Spannung zwischen zwei Menschen kann so groß werden, dass sie sich einfach nicht mehr zurückhalten können. Dann setzt die Kontrolle aus. Der Sexualtrieb ist der stärkste Trieb, den Menschen haben.

Stärker noch als Hunger oder Durst?

Sicher. Hungergelüsten und Durst kann ein Mensch widerstehen – und eben einfach später essen und trinken. Auch den Trieb, zu schlafen und sogar den Drang, auf die Toilette zu gehen, kann man unterdrücken. Die größte Macht über uns hat der Sexualtrieb.

Wie viel Neigung zu Exhibitionismus muss in einem Paar stecken, um im öffentlichen Raum Sex haben zu wollen?

Gar keine. Die Lust auf spontanen Sex kann jedes Paar überkommen. Wenn die beiden warten, bis sie wieder brav zu Hause in ihrem Schlafzimmer sind, ist die Lust verflogen. Sie nutzen die Gunst der Stunde und tun’s sofort. Die wenigsten, die im öffentlichen Raum die Lust überkommt, haben extreme Neigungen.

Was heißt das?

Von hundert Paaren sind es vielleicht fünf, die den besonderen Kick brauchen, womöglich Zuschauer beim Sex zu haben. Ohne diese Vorstellung entsteht bei ihnen gar keine Lust. All die anderen sind einfach frisch verliebt und berauscht von einander. Oder es sind Pärchen, die schon lange zusammen sind und Freiluft-Sex nach einigen Jahren nochmal neu entdecken.

Sie beleben ihr Liebesleben...

...das über die Zeit vielleicht eingeschlafen ist, klar. Und wenn sie bei mir in der Praxis davon erzählen, haben sie dann ganz glänzende Augen und glückliche Gesichter. Sie erleben ja fast immer etwas sehr Besonderes und Erregendes dabei.

Was macht Freiluft-Sex so prickelnd?

Da entsteht ein besonderes Freiheitsgefühl. Man fühlt sich wie in einen Jungbrunnen gefallen, weil man sich als Erwachsener benimmt wie ein Teenager. Es kann auch ein Reiz sein, dass das, was man gerade tut, verboten ist. Das Verstoßen gegen seine eigenen Regeln oder Moralvorstellungen kann sehr befreiend sein. Auch den Liebespartner sieht man plötzlich mit ganz anderen Augen.

Nämlich?

Jünger, wilder, ungestümer, ausgelassener. Und enthemmter. Jenseits der Alltagsroutine. Da kann ein Gefühl von Rausch entstehen. Der Sexpartner ist plötzlich so erregend neu, dass man fast glaubt, mit jemand Fremdem Sex zu haben.

Wie ein Seitensprung – bloß mit dem eigenen Partner?

Das macht die Sache sehr aufregend, oder?

Sind eher Männer oder Frauen die treibende Kraft?

Einer von beiden ist immer ein bisschen ängstlicher – meistens sind das die Frauen, denen das Brav-Sein-Müssen mehr anerzogen wurde.

Was raten Sie denen?

Umgekehrt: Keiner sollte den anderen zum Freiluft-Sex drängen oder überreden – verspannte Liebe macht keinen Spaß. Wenn schon, dann: Genießen Sie, was Sie tun.

Welche Verhaltenstipps möchten Sie experimentierfreudigen Pärchen noch mitgeben?

Achten Sie gewissenhaft darauf, dass keine Kinder in der Nähe sind, belästigen Sie niemanden. Bedenken Sie bitte, dass jeder selbst entscheiden möchte, ob, wann und wie er mit dem Thema Sexualität konfrontiert werden will. Und im Übrigen: Wer einmal „öffentlich Ärgernis erregt“ hat und dabei erwischt wurde, sollte es bitte nicht wieder drauf anlegen. Die Prozedur, die auf dem Polizeirevier folgt, ist sehr, sehr peinlich.

Mehr zum Thema lesen Sie in der gedruckten Ausgabe der AZ auf Seite 7.

 

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