Sex, Drugs, Uschi Obermaier Rainer Langhans im AZ-Interview: Wie feiert ein 68er seinen 75. Geburtstag?

Fühlt sich immer besser, nur die Haare werden weniger: Rainer Langhans. Seine kultigsten Bilder zum Geburtstag. Foto: dpa/AZ

Sex? Party? Bloß nicht! Alt-Hippie Rainer Langhans will Liebe – und das Sterben lernen. Im großen Geburtstags-Gespräch redet er über sein Alter, Ärzte und Ängste: „Ich fühle mich täglich jünger“

Schwabing - Sex, Drugs, Uschi Obermaier. Lange her, klar. Rainer Langhans, Gründer der berühmten Kommune I, wird heute 75. Eine Zahl, die ihn verwundert.

AZ: Herr Langhans, wie feiern Sie Ihren 75. Geburtstag – mit einem Joint und einer veganen Torte?

RAINER LANGHANS: Nein, nein, bloß nicht! Drogen nehme ich seit ‘72 nicht mehr. Rohkost gern, aber keinen Kuchen.

Dürfen es Geschenke sein?

Nichts Materielles, das finde ich furchtbar und unwichtig.

Ein Ständchen von Uschi Obermaier?

Das wird ganz sicher nicht passieren. Wir sind noch etwas zerstritten. Sie macht jetzt eine Therapie, ist sicher gut. Frauen, die nur auf ihren Körper reduziert wurden, haben im Alter ein Problem. Die Schönheit geht, dann kommt das große Loch. Sie hat damals nicht verstanden, warum ich mehr als Sexualität wollte. Naja, wir werden unseren Frieden noch irgendwann schließen.

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Womit kann man Ihnen denn dann eine Freude zum Geburtstag machen?

Mit viel Liebe, sonst gar nichts.

Wie fühlt es sich an, älter zu werden?

Es geht zum Glück noch ohne Ausfälle, nur die Hälfte meiner Haare hab ich verloren. Manchmal muss ich mich mehr als früher ermutigen, loszurennen. Ich spiele Tennis, Tischtennis, fühle mich gesund. Bin ich wohl auch. Ich war nie krank.

Wirklich noch nie?

Keinen Tag.

Nicht mal eine Grippe?

Nö. Deswegen gehe ich auch nie zum Arzt. Wozu auch?

Freuen Sie sich, 75 zu werden?

Ich wundere mich. Ich verstehe das Alter nicht, denn ich fühle mich täglich jünger.

Ist doch prima!

Aber auch seltsam. Je älter ich werde, desto besser fühle ich mich.

Haben Sie einfach Glück?

Tja, ein Mix aus guten Genen, gesunder Lebensweise – auch geistig. Der Körper darf nie zu schwer belastet werden. Deswegen fahre ich viel runter, damit sich der Körper dran gewöhnt und nicht später mit leeren Händen dasteht.

Zum Beispiel?

Ich habe keinen Sex mehr. Meine Frauen verstehen das nicht alle. Sie waren lange auf ihre Körper und ihre Sexualität fixiert. Der Samenverlust bringt mich aber nicht weiter. Im Gegenteil. Ich zögere ihn eben immer länger heraus.

Wie läuft es sonst mit Ihren vier Frauen?

Gut, sehr gut. Eine ideale Lebensweise. Wir sehen uns am Geburtstag, sie kochen, reden, ich höre zu. Ich kann zeitweise sehr gut schweigen.

Hätten Sie das mit der Ehe gern mal probiert?

Ich bin heilfroh, dass ich nie verheiratet war. Führt ja zu nix.

Wie schaut’s mit Kindern aus?

Ich hatte keine eigenen Kinder, was gut ist. Das Besitzdenken vernebelt vieles. Als Vaterfigur der Kinder meiner Frauen war ich viel objektiver.

Haben Sie Angst vor dem Tod?

Etwas. Ich habe es an meiner Mutter gesehen, das war nicht schön. Deshalb übe ich fleißig.

Sie üben das Sterben?

Ja, und wie! Ich meditiere täglich zweieinhalb Stunden. Ist die beste Vorbereitung, aus dem Körper rauszutreten. Ein bisschen freue ich mich aber auch aufs Sterben.

Was bereuen Sie?

Ob Kommune, Dschungelcamp oder meinetwegen Newtopia – alles war richtig. Ich habe hier in diesem Leben eine Menge gemacht, mir fehlt nichts zum Abhaken. Ich muss nicht mal mehr ein Apfelbäumchen pflanzen.

 

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