Serienmörder der 1960er Jahre Nach 50 Jahren kommt der Mittagsmörder frei

Der Mittagsmörder Klaus G. bei der Verhandlung in Nürnberg 1965. Foto: Hortig

Niemand in Deutschland sitzt länger in Haft als der Mann (73), der 1965 als Serienmörder verurteilt worden ist. Gerade gewöhnt er sich an die Außenwelt – und will Laienprediger werden.

 

Nürnberg - Genau ein Jahr muss Klaus G. (73) noch durchhalten, dann öffnen sich auch für ihn die Gefängnistore – nach einem halben Jahrhundert.

Für den Methusalem unter den Langzeitgefangenen der Republik dürfte der erste Schritt in die Freiheit wie ein gewaltiger Zeitsprung wirken. Darauf muss der zur Entlassung anstehende Mann aus Hersbruck, der als „Mittagsmörder“ in den 60er Jahren zu zweifelhafter Berühmtheit gelangte, intensiv vorbereitet werden.

Das Trainingsprogramm für das Unternehmen „Freiheit“ ist bereits in vollem Gang.

„Nach so einer langen Zeit kann ein Häftling nicht von einem Tag auf den anderen so einfach freigelassen werden. Das ist unmöglich. Er käme einfach nicht zurecht", analysiert Georg Seidenschwand, der Anwalt des Mittagsmörders, die komplexe Situation. „Als mein Mandant straffällig wurde“, sagt der Anwalt, „war Adenauer Bundeskanzler und die Beatles für viele noch ein Schreckgespenst. Heute haben wir das Smartphone-Zeitalter.“

Im Gefängnis wird Klaus G. von Psychologen und Sozialtherapeuten in Einzel- und Gruppengesprächen auf sein Leben außerhalb der Gefängnismauern eingestimmt. „Sobald auch nur ansatzweise der Eindruck entsteht, dass er noch immer eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt, ist der Entlassungstermin in einem Jahr hinfällig“, erklärt Seidenschwand, fügt aber gleich noch einen Satz hinzu: „Bis jetzt läuft alles nach Plan und problemlos. Mein Mandant hat bereits die ersten Freigänge unternommen.“

Die Ausflüge, die Klaus G. mit den aktuellen Lebensverhältnissen vertraut machen sollen, finden den Worten des Anwalts zufolge derzeit noch in Begleitung von Wachpersonal statt. „Aber in absehbarer Zeit“, so Seidenschwand, „wird er die Justizvollzugsanstalt für ein paar Stunden auch ohne Begleitung verlassen dürfen. Und irgendwann wird es auch ein ganzes Wochenende sein. Wahrscheinlich verbringt er es in einem geeigneten Heim.“

Nach einem Heim, in dem Klaus G. nach seiner Entlassung dauerhaft leben könnte, wird bereits gesucht. „Ein Wohnheim dürfte wahrscheinlich auch die beste Lösung für ihn sein. Alleine zu leben, würde ihn nach der langen Zeit im Gefängnis einfach überfordern“, beschreibt der Anwalt das Problem. Allerdings hält er es für durchaus überschaubar.

„Mein Mandant“, sagt Seidenschwand, „muss sich aufgrund seines Alters ja nicht mehr einem Arbeitsprozess mit allen dazugehörigen Faktoren unterordnen. Sein Leben wird relativ einfach strukturiert sein, weil er von Hartz IV leben muss, aber das bekommt er in den Griff.“

Die Aussicht, nach der langen Zeit das Gefängnis verlassen zu können, hat die Fantasie des Langzeitgefangenen beflügelt. In einem Brief an die Außenwelt beschreibt Klaus G., wie sehr er sich verändert habe.

Geige zu spielen, im Chor mitzusingen oder Ölbilder zu malen, wie er es jetzt im Gefängnis macht, war für den Mittagsmörder keine Option. 

 

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