Serie "Galerien in München": Karl Pfefferle Die Kunst der Gelassenheit

„Man muss sich schon auf die Künstler einlassen“, meint Karl Pfefferle. Er steht hier vor zwei Arbeiten des Berliners Carsten Fock, den er beim Münchner Kunstwochenende präsentiert. Foto: Daniel von Loeper

In seiner Rahmenhandlung kam ihm die Kunst der Zeitgenossen viel zu kurz. Also eröffnete Karl Pfefferle vor 30 Jahren eine Galerie – und genießt bis heute den Austausch mit seinen Malern

Es riecht nach Farbe, vor ein paar Tagen erst haben die Wände ihren neuen Anstrich bekommen: ziemlich intensives Lila im Hauptraum, Mokkabraun im Souterrain, pigmentgenau, wie es Carsten Focke verlangt hat. Und äußerst aufwändig. Die Farben durften nur von einem Spezialisten in Berlin gemischt werden. Doch Karl Pfefferle macht darum kein Aufhebens, „man muss sich schon auf seine Künstler einlassen“, sagt er mit einem durch und durch verständnisvollen Lächeln – und formuliert damit sein persönliches Galeristen-Credo.

Noch scheint der bescheiden zurückhaltende Münchner die Leere seiner Räume im Rückgebäude der Reichenbachstraße 47-49 zu genießen, auch die Ruhe vor dem Sturm. Aber man spürt bereits die Vorfreude auf die gemeinsame Arbeit mit dem Künstler, die Gespräche und das Arrangieren von Malerei und Zeichnung, die nach einer minutiösen Choreografie in einer ausladenden Installation ihren Platz finden werden. Auch ein kleiner „Altar“ für Heidegger mit Kerzen und Rosenblättern ist geplant.

„Mich überzeugt das, wenn einer klare Vorstellungen hat und sich ganz auf seine Kunst konzentriert“, betont Pfefferle. Die darf dann auch ruhig sperrig oder schwierig sein. Wer allzu sehr auf den Markt schielt und dabei die Inhalte vernachlässigt, reizt ihn nicht. Damit ist der „Galerist auf Umwegen“ immer gut gefahren – und mittlerweile sind das 30 Jahre. Im Februar 1983 hat Pfefferle seine erste Galerie an der noblen Maximilianstraße eröffnet.

Ein Auge für Qualität

Den gelernten Vergolder mit Meisterbrief hatte es damals lange schon gefuchst, dass die zeitgenössische Kunst in der Rahmenhandlung völlig zu kurz kam. Werke von Baselitz, Penck oder Lüpertz waren zwar an der Tagesordnung, mit jüngeren Positionen, wie das im Kuratoren-Slang so schön heißt, hatte Pfefferle aber nie zu tun. Da war die Galerie eine ideale Lösung – parallel zum Rahmengeschäft an der Gewürzmühlstraße im Lehel, das mit Sohn Michael  nun schon die fünfte Generation vor zwei Jahren übernommen hat.

„Für mich war dieses Handwerk die denkbar beste Basis“, sagt Pfefferle senior, „denn ich hatte immer mit hoher Qualität zu tun.“ So ein täglicher Umgang mit Cranach, Rembrandt oder Cézanne schärft das Auge, das lernt man weder an der Universität, noch aus Büchern. Und natürlich ist es die Malerei, die diesen Vermittler aus Leidenschaft anzieht, das hat mit seiner ersten Prägung zu tun.

Bernd Zimmer, Jirí Dokoupil und Rainer Fetting – dessen riesiger Willy Brandt winkt an jedem deutschen Wahlabend aus dem Fernseher – waren seine Künstler der ersten Stunde. Nach wie vor ist die Zusammenarbeit eng, bildet dieses Trio eine Art Basis für die Galerie. Leif Trenkler kam irgendwann dazu, auch Paul Schwer. 2009 gelang Pfefferle mit dem Gipfeltreffen von David Lynch und William Eggleston dann ein regelrechter Coup. Melina Avouac, die bei Olaf Metzel an der Akademie studiert hat, ist mit ihren 30 Jahren die Jüngste in dieser Reihe. Und jetzt Carsten Fock zum Kunstwochenende 2013.

"Mir taugt das Gärtnerplatzviertel"

Auch daraus könnte sich Langfristiges ergeben. Den Berliner treiben fundamentale Themen um wie Liebe, Verzweiflung, Erlösung. Inhalte also, auf die Pfefferle so großen Wert legt. Aber das lässt der 67-Jährige gelassen auf sich zukommen. So wie die Zukunft der Galerie mit ihrer schlagkräftigen kleinen Crew aus Direktorin Caroline Klapp, die Fock entdeckt hat, und Julia Weiß, die den Ablauf managt. Ein bisschen schaut Pfefferle dann wie „Raoul ruhend“ in seinem Büro. Das ist eine Bronzeskulptur von Rainer Fetting, deren Kopf wunderbar verträumt auf ihrem Ellbogen liegt, unbeirrt vom Trubel mitten im Gärtnerplatzviertel.

„Wäre ich fünfzehn Jahre jünger, würde es mich vielleicht auch zu den Pinakotheken ziehen“, sinniert Pfefferle. „Andererseits mag ich hier die bunte Mischung, die Cafés, die vielen jungen Läden. Mir taugt das schon sehr.“ Und seinen knapp zwanzig Künstlern offenkundig auch. Carsten Fock war sofort begeistert vom Ambiente und der Ausrichtung der Galerie. Was jetzt dazu führte, dass er mit seinem Elan gleich das ganz Team unter „Farb“-Strom gesetzt hat.

Galerie Karl Pfefferle, Reichenbachstr. 47-49 RGB, Tel. 0 89-29 79 69, Öffnungszeiten am Kunstwochenende: Fr 18 bis 21 Uhr, Sa und So 11 bis 18 Uhr, sonst Di bis Fr 11 bis 18, Sa 12 bis 16 Uhr; Carsten Focks Ausstellung läuft bis 21. Dezember 2013

 

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