Seniorin berichtet München: Telekom-Ärger macht 80-Jährige fassungslos

Diese Tulpen sind nicht von der Telekom: Als Entschuldigung wurde Waltraud Tzschentke ein Strauß Blumen versprochen. Doch er kam nie an. Foto: Sigi Müller

Waltraud Tzschentke zog im August in eine Münchner Seniorenresidenz. Der Ärger, den sie mit der Telekom hatte, macht sie bis heute fassungslos.

Waltraud Tzschentke wollte einen neuen Lebensabschnitt beginnen, ganz gemächlich, so dachte sie sich das. Doch durch den Ärger, den sie mit der Telekom hatte, wurde das Ganze viel komplizierter als nötig. Die ehemalige Geschäftsführerin einer Rollladenfirma, und langjährige AZ-Leserin lebte seit Jahren alleine in ihrem Haus in Gröbenzell, das sie zuvor mit ihrem verstorbenen Ehemann bewohnt hatte.

Ihre Umzugs-Pläne machte sie ohne die Telekom

"Ich dachte mir, jetzt, wenn ich zum Glück noch gesund bin, ziehe ich in eine Münchner Seniorenresidenz", sagt Tzschentke, "das ist kein Heim. Ich bin dort autonom", betont die 80-Jährige, die bis heute regelmäßig verreist, manchmal bis Verona, um ihre Lieblingsopern von Mozart zu sehen.

Doch ihre Umzugs-Pläne machte sie ohne die Telekom. "Ich dachte mir, wenn ich in der Residenz einen Mietvertrag zum 1. August unterzeichne und zum 1. September umziehe, kann ich auch meinen Telefonvertrag zum Ende August 2018 kündigen." 

Seniorin hilflos: kein Telefon, kein Internet

Die Idee: So ist sie zu ihrem 80. Geburtstag am 13. August noch erreichbar und kann all ihren Freunden und Verwandten bei der Gelegenheit ihre neuen Kontaktdaten übermitteln.

Also nahm Tzschentke ihr Sonderkündigungsrecht wahr und schrieb der Telekom, dass sie ab Ende August ihren langjährigen Anschluss nicht mehr braucht. Doch dann war ihre Leitung schon ab 27. Juli tot: kein Telefon, kein Internet. Beides nutzte sie täglich. Sie hatte sich extra erkundigt: "Weil die Residenz einen eigenen Anschluss hat und ich somit meine bisherige Telefonnummer nicht mitnehmen konnte, durfte ich so kurzfristig kündigen", sagt Tzschentke.

Ihre Sorge war - wenn überhaupt - dass die Telekom sie nicht rechtzeitig aus dem Vertrag entlassen würde und sie vielleicht einen ungenutzten Extramonat zahlen müsste. Aber zu früh abschalten?

Frustriert von der Telekom wandte sie sich an Nachbarn

Tzschentke meldete sich Ende Juli bei der Telekom-Hotline. Eine unerwartet dreiste Mitarbeiterin nahm ab - und rechtfertigte die Abschaltung: "Wer in ein Heim zieht, wird bei uns behandelt, als ob er gestorben wäre", sagte sie. Der Anschluss werde dann unverzüglich abgeschaltet. Tzschentke fühlte sich überrumpelt - und richtig alt. "Bis dahin hatte ich mir nie große Gedanken über mein Alter gemacht. Dieser Satz war aber schockierend", sagt die Frau, die bis heute voller Energie Münchner Ehrenämter übernimmt.

Trotz allem bewahrte sie die Fassung, bat darum, den Anschluss wieder freizuschalten, wie von ihr angegeben, bis Ende August. "Alles, was sie mir versprachen, war, dass sie ab etwa Mitte August meinen Anschluss wieder freischalten können", sagt Tzschentke, "aber für mich wäre es wichtig gewesen, die erste Hälfte des August erreichbar zu sein, eben zu meinem 80. Geburtstag."

Ein Blumenstrauß zur Entschuldigung - er kam nicht an

Die Telekom-Mitarbeiterin machte nun immerhin einen Vorschlag: Sie solle sich doch ein Prepaid-Handy kaufen, dessen Kosten dann die Telekom übernehmen würde, aber: "In der ganzen Hektik des Umzugs hatte ich keine Zeit, mir das auch noch zu organisieren", sagt Tzschentke.

Frustriert von der Telekom wandte sie sich an ihren Nachbarn. Der gab ihr sein Internet-Passwort. "So war ich zumindest per Mail erreichbar", sagt sie. Dass sich einige Freunde und Verwandte zu ihrem 80. große Sorgen machten, weil sie Tzschentke telefonisch nicht erreichen konnten, war aber nicht zu vermeiden. Erst als die AZ bei der Telekom nachhakt, gesteht das Unternehmen alle Fehler ein, entschuldigt sich - und setzt die Pannenserie fort. Eine Sprecherin versprach vor etwa zwei Wochen, Tzschentke als Entschuldigung einen schönen Blumenstrauß zu schicken. Er kam aber nie an.


Und das sagt die Verbraucherzentrale

Die Verbraucherzentrale Bayern zur AZ: "Fälle dieser Art sind uns nicht geläufig. Eigentlich steht der Verbraucherin im vorliegenden Fall ein Anspruch auf Schadensersatz zu, weil die Telekom den Telefonanschluss nicht vertragsgemäß bis Ende August zur Verfügung gestellt hat." Der Schadensersatz würde ungefähr die Kosten für einen Telefonanschluss betragen.

Renner weiter: "Allerdings hat die Telekom der Dame nach der frühzeitigen Stilllegung eine Alternative angeboten, nämlich die Kostenübernahme für ein Prepaid-Handy. In ähnlichen Konstellationen hat der Bundesgerichtshof schon mehrfach entschieden, dass das ausreichend ist. Da Frau Tzschentke das Angebot nicht angenommen hat, hat sie leider keinen weiteren Anspruch gegen die Telekom."
Dass sich ein Telefonanbieter mit einem Blumenstrauß entschuldigt, "ist uns allerdings auch noch nicht zu Ohren gekommen".

 

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