Sendlinger protestieren Ärger um Gasteig-Pläne: "Mit keinem reden – typisch Stadt"

, aktualisiert am 03.07.2017 - 09:26 Uhr
Reifenhändler Dominik Senjek (rechts) mit seinem Sohn und zwei Mechanikern vor seiner Werkstatt. Foto: Mirco Taliercio

Es schien die perfekte Lösung: Der Gasteig zieht für die Zeit des Umbaus mit (fast) allen Nutzern nach Sendling. Doch auf dem Gelände regt sich Protest.

München - "Willkommen", steht auf dem Plakat an dem alten VW-Bus, er parkt auf dem Gelände der Stadtwerke am Heizkraftwerk Süd. "Sie stehen mitten in unserem Leben." Im Leben derer, soll das heißen, die hier ihre Ateliers und Werkstätten haben. Und die die Besucher von der Stadt darauf aufmerksam machen wollen, dass hier Existenzen aufgebaut wurde.

Der Bürgermeister verspricht eine "verträgliche" Lösung"

Den Bus habe ein Schreiner zur Verfügung gestellt, erzählt Fotograf Mirco Taliercio, der selbst hier tätig ist. Das Plakat hat ein Grafiker entworfen – ebenfalls hier unterwegs. Mirco Taliercio hat am Freitag Fotos gemacht, als Vertreter der Stadt das Gelände besichtigten. Eines der Bilder auf dieser Seite zeigt den Reifenhändler Dominik Senjek mit seinen Leuten.

Schreiner, Fotograf, Grafiker, Reifenhändler – so ist das hier, an der Hans-Preissinger-Straße: eine bunte Mischung aus Handwerkern und Künstlern. Dass sich Gasteig-Chef Max Wagner und Bürgermeister Josef Schmid öffentlich begeistert über den Standort geäußert haben, ärgert sie sehr. "Die Leute hier haben erst aus der Zeitung von dieser Idee erfahren", betonte Mirco Taliercio am Sonntag.. Nach seinen Angaben haben viele Nutzer Mietverträge bis "weit in die 2020er Jahre hinein und "oft erhebliche Summen in ihre Räumlichkeiten investiert".

Sympathisanten im Rathaus

In einem Brief an Schmid nennt Taliercio es "respekt- und stillos", dass die Nutzer aus der Zeitung von den Plänen erfahren haben. Es handele sich um eine "seit Jahrzehnten gewachsene Infrastruktur". Nach AZ-Informationen mussten sich die Nutzer aber schon länger darauf einstellen, das Areal verlassen zu müssen. Die Stadtwerke sollen die Mietverträge hin zu einer 3-monatigen Kündigungsfrist geändert haben, um das Gelände anders nutzen zu können.

Auch im Rathaus haben die Proteste Sympathisanten. Stadtrat Wolfgang Zeilnhofer (HUT) sagte: "Das ist einfach mal wieder typisch Stadt, mit keinem dort zu reden und dann mit der Idee rauszubrechen." Er schlägt vor, auf dem Gelände wie an der Dachauer Straße t ein Kreativquartier mit guten Arbeitsbedingungen für Künstler und Handwerker zu machen. "Die Stadt wächst und wächst – sie kann mehrere solche Standorte brauchen", sagte Zeilnhofer.

Bürgermeister Schmid sagte am Sonntag der AZ, er nehme "die Sorgen der Mieter vor Ort sehr ernst". Die Gasteig GmbH werde sich "intensiv um eine verträgliche Lösung für alle Mieter bemühen". Ein Gasteig-Sprecher erklärte in der SZ, ein Gespräch mit den Nutzern solle schnell nachgeholt werden. "Wir wollen uns möglichst bald mit allen Betroffenen zusammensetzen."

Am Freitag, bei der Besichtigung, hätte kein Vertreter der städtischen Institutionen mit den Leuten auf dem Gelände beachtet oder gar mit ihnen gesprochen, sagte Talercio. "Es war wirklich gespenstisch." Bereits Mitte September – so war zumindest bisher der Zeitplan – sollte die Entscheidung über die Interims-Spielstätte fallen. Dass man dabei mitten ins Leben von Handwerkern und Künstlern eingreift, hatte offenbar keiner so richtig bedacht.

 

8 Kommentare