Selbstmord in der U-Haft Nach Familien-Drama: Zahnarzt erhängt sich

Versuchter Mord im noblen Bogenhausen: Ein Zahnarzt (65, rechts im Bild) schoss seiner Freundin (37) in den Mund. Foto: API

Nach dem Herzogpark-Drama: Vier Wochen in Untersuchungshaft treiben einen Promi-Arzt zu Verzweiflungstat. Der Tatverdächtige erhängt sich an einem Bett.

 

München – Es ist einer jener tragischen Fälle, an deren Ende es nur Opfer zu beklagen gibt: Klaus H., dem wegen Mordversuchs 15 Jahre Gefängnis drohten, ist tot. Seine Freundin, der er ins Gesicht schoss, wird zeitlebens die Horrornacht im Herzogpark nicht vergessen können. Doch am Schlimmsten ist, dass ihre kleine Tochter jetzt keinen Vater mehr hat.

Klaus H. zerstörte in einer einzigen Nacht, in einem einzigen unbedachten Moment, all das, was er so sehr geliebt hatte: seine Familie. Sandra W. wollte ihn verlassen. Ihre gemeinsame Tochter hätte die Juristin mitgenommen. Eine neue Wohnung hatte die 37-Jährige bereits gefunden.

Doch Klaus H. wollte sich damit nicht abfinden. Der 65-Jährige hatte panische Angst, dass er damit auch seine Tochter verliert. Für sie hatte er sein Leben komplett umgekrempelt. Er arbeitete weniger in seiner Zahnarztpraxis, nahm sich mehr Zeit für sein Kind.

Der Moment, der auf einen Schlag drei Leben zerstört

Doch die Beziehung zu Sandra W. ließ sich nicht mehr kitten. Am 22. Januar kurz vor Mitternacht eskalierte der Konflikt. Klaus H. schoss nach einem heftigen Streit seiner im Bett liegenden Partnerin mit einer Pistole ins Gesicht. Die Juristin überlebte nur um Haaresbreite. Das Projektil war im Genick, knapp neben der Halsschlagader stecken geblieben.

Bereits in dieser Nacht wollte der Arzt seinem Leben ein Ende setzten. Er rannte in den zweiten Stock und stürzte sich vom Balkon. Er fiel auf einen Glastisch im Garten. Mit gebrochenem Unterarm und zerschnittenem Rücken kam er in die JVA nach Stadelheim.

Mordkommission und Staatsanwaltschaft ermittelten wegen versuchten Mordes. Dafür drohten ihm 15 Jahre Haft. Selbst bei guter Führung wäre er frühestens nach zehn Jahren wieder in Freiheit gewesen. Seine Tochter hätte er jenseits dicker Gefängnismauern erst als alter Mann wiedergesehen.

Vier Wochen hinter Gittern ließen den Arzt verzweifeln

Eine Stunde Hofgang, den Rest des Tages in einer Zelle hocken und stumpfsinnig gegen Wände starren. Der Alltag im Knast hat schon viele harte Kerle mürbe gemacht.

Klaus H. war auf der Krankenstation der JVA Stadelheim untergebracht, in einer Zweimannzelle. Ein Mithäftling passte auf ihn auf.

In der Nacht auf Sonntag, genau einen Monat nach dem Drama vom Herzogpark, drehte Klaus H. durch. Während sein Zellengenosse schlief, knotete er aus einer Mullbinde eine Schlinge und legte sie sich um den Hals. Das andere Ende befestigte er an der Aufrichthilfe, dem so genannten Galgen, seines Krankenbetts.

Erst am frühen Morgen, als Justizbeamte ihre Kontrollrunde machten, wurde Klaus H. gefunden. Er war bereits tot. „Es gibt keinen Hinweis auf Fremdverschulden“, sagt Polizeisprecher Werner Kraus. Die Staatsanwaltschaft ordnete eine Obduktion an.

Das Verfahren wegen versuchten Mordes gegen den millionenschweren Zahnarzt wird eingestellt. Klaus H. hat sich mit seiner Verzweiflungstat der irdischen Justiz entzogen. „Gegen Tote kann nicht ermittelt werden“, sagt Staatsanwalt Peter Preuss.

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Ungeklärt wird auch bleiben, wie Klaus H. an die Tatwaffe, die Pistole, kam. Freunde hatten berichtet, er habe die Browning auf dem Schwarzmarkt erworben. Der Polizei erzählte er, er habe sie von einem Angehörigen geerbt. Einen Waffenschein besaß er nie.

Sandra W. erholt sich langsam von ihrer Schussverletzung. Sie ist bereits aus dem Krankenhaus entlassen. Die Nachricht vom Tod des 65-Jährigen ist ein weiterer schwerer Schlag. Sie ist nun ganz alleine, muss ihrer Tochter erklären, wie es zu jener verhängnisvollen Nacht in der Villa im Herzogpark kommen konnte.

 

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