Seine besten Zitate Schröder, Erdogan, Trump: Guttenbergs Klartext-Comeback

Karl-Theodor zu Guttenberg teilte aus – und kassierte im Gegenzug begeisterten Applaus. Foto: dpa

Seit seinem Rücktritt 2011 hatte sich Karl-Theodor zu Guttenberg offiziell aus der Politik zurückgezogen. Jetzt kehrte er als CSU-Wahlkämpfer zurück – und teilte gewaltig aus.

Kulmbach – Seinen kometenhaften Aufstieg vom Lokalpolitiker zum Bundesminister hatte Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg – oder schlicht "KT", wie seine Fans ihn gerne nennen – nicht zuletzt seinem rhetorischen Talent zu verdanken. Und genau das setzte er am Mittwochabend auf einer Wahlkampfveranstaltung "seiner" Partei, der CSU, gewohnt sicher ein.

Gleich zu Beginn stellte er klar, dass er nicht über lokale oder temporäre Probleme sprechen werde, sondern über die Dinge, die die Welt bewegen. "KT" ist halt kein Mann für die Provinz, der ehemalige Verteidigungsminister denkt global. Dementsprechend arbeitete er sich an Themen wie der Flüchtlingskrise und ihren Folgen, der Türkei nach dem gescheiterten Putsch und den USA im postfaktischen Trump-Zeitalter ab. Und zwischendrin gab es dann noch einige innerdeutsche Spitzen in Richtung SPD.

Der von der CSU zuvor als Superheld angekündigte zu Guttenberg traf damit voll den Geschmack seiner Zuhörer, die 1.200 Anhänger feierten ihren "KT" frenetisch. Aber auch außerhalb des Saals dürften seine Worte viel Zustimmung finden – und die bayerische AfD einige Stimmen kosten.

Karl-Theodor zu Guttenberg über seinen Plagiats-Skandal:

"Ich habe alle Konsequenzen ertragen", sagte der 45-Jährige. Darunter "Spott und Häme". "Aber ich darf auch nach so langer Zeit für mich sagen, jetzt ist auch mal irgendwann gut."

Zugleich kokettierte er mit dem Thema: Er stehe bewusst vor und nicht hinter dem Rednerpult, sagte der einstige CSU-Hoffnungsträger. Er wolle nicht Gefahr laufen, eine "abgeschriebene Rede" vorzutragen.

Karl-Theodor zu Guttenberg über Angela Merkel:

"Wenn jemand mit Alphatieren, die vor Kraft nicht laufen können, umgehen kann, dann sie. Ich habe das am eigenen Leib erfahren."

Karl-Theodor zu Guttenberg über Gerhard Schröder:

"Alte Liebe Rosneft nicht." Zudem bezeichnete er den Alt-Bundeskanzler in Anspielung auf dessen vorherigen Job als "Gazprom-Gerd".

"Wenn dann der Herr aus Würselen [SPD-kanzlerkandidat Martin Schulz] Angela Merkel vorwirft abgehoben zu sein, die im Zweifel jeden Sonntag in der Uckermark ihr Unkraut jätet, die wirklich am Boden geblieben ist, dann war ihr Vorgänger Gerd Schröder der Mann im Mond."

Karl-Theodor zu Guttenberg über deutsche Kultur und Werte:

"Wir müssen unsere Kultur leben und auch nach außen tragen und wir dürfen sie nicht aufgeben, nur weil wir glauben, anderen damit einen Gefallen zu tun." Und diese Kultur sein christlich-jüdisch-abendländisch geprägt.

Wenn man in München über die Maximilianstraße gehe, könne man Männer aus Riad "mit Rolex, Shorts und Schlappen" beobachten, hinter denen "bei 35 Grad eine vollverhüllte Frau läuft. Was das mit freier Entscheidung der Frau zu tun hat, kann ich nicht verstehen", so zu Guttenberg.

Dann stellte "KT" noch klar: "Ein Christkindlmarkt ist kein Winterfest, ein Sankt-Martins-Umzug kein Lichterfest."

Karl-Theodor zu Guttenberg über Recht und Ordnung:

"Wer sein Bleiberecht verliert, weil er sich zum Beispiel straffällig gemacht hat, hat dieses Land zu verlassen - und zwar schnell!"

"Wenn ich sehe, was sich bei G20 in Hamburg abgespielt hat, freu ich mich, wenn ein Joachim Herrmann in Berlin Verantwortung tragen wird. Ich kann mich nicht erinnern, dass ähnliches Brandschatzen und Steinewerfen in München oder in Nürnberg stattgefunden haben."

Karl-Theodor zu Guttenberg über Donald Trump:

"Nicht ganz Amerika besteht aus blonden Wüterichen."

Ihm sei zu Ohren gekommen, dass US-Vizepräsident Mike Pence "Micky" genannt werde. "Das hätte sich auch niemand träumen lassen, dass die Vereinigten Staaten einmal von Donald und Micky regiert werden:"

Seine Tochter habe Trump ganz passend charakterisiert: "Er ist vielleicht nicht die hellste Kerze auf der Torte."

Karl-Theodor zu Guttenberg über Recep Tayyip Erdogan:

Erdogans Nazi-Vergleiche und Einmischung in den deutschen Wahlkampf kritisierte zu Guttenberg deutlich: "Wenn das nicht genug ist, um die offiziellen Gespräche in Richtung Türkei-Beitritt zu beenden, dann weiß ich auch nicht."

Doch das sei noch nicht genug, man müsse Erdogan weitere Daumenschrauben anlegen, zum Beispiel "die Verhandlungen über die Zollunion auf Eis legen".

"Dort werden demokratische Rechte mit Füßen getreten."

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