Der Ex-EHCler Uli Maurer hat vor zwei Wochen bei seinem Heimatverein SC Riessersee unterschrieben, jetzt verkündete der Verein, dass er pleite ist. "Es ist im Eishockey doch immer wieder das Gleiche."

München - Der 33-jährige Maurer spielte von 2010 bis 2016 beim EHC München, mit dem er in seiner letzten Saison den Titel holte. Vor zwei Wochen wechselte er von Schwenningen zu seinem Heimatverein SC Riessersee. Der Verein ist nun aber pleite.

AZ: Herr Maurer, irgendwie klebt Ihnen das Pech am Eishockeyschläger - nur zwei Wochen nachdem Sie bei Ihrem Heimatverein SC Riessersee unterschrieben haben, ist der Verein pleite.
ULI MAURER: Ich habe schon zu meiner Frau gesagt, dass es wohl ein schlechtes Omen ist, wenn ich bei meinem Heimatverein unter Vertrag stehe. Bei der Insolvenz 2004 war ich ja auch da. Beim EHC München war auch ein paar Tage alles verloren, ehe Red Bull eingestiegen ist. Das rechne ich daher nur als halbe Pleite. Ich habe jetzt also 2,5 Pleiten in meiner Karriere mitgemacht. Es ist im deutschen Eishockey immer wieder das Gleiche. Es ist leider nur eine Frage der Zeit, bis es wieder einen Verein zerlegt. Das ist die traurige Realität. Im Moment kann ich gar nicht sagen, wie es weitergeht. Man weiß ja nicht mal, ob der Verein noch in der Oberliga spielen kann. Meine Planungen sind auf jeden Fall sehr durcheinandergewürfelt worden.

Wie geht Ihre Familie - Sie haben zwei Kinder - damit um?
Für meine Frau war es sehr schwer. Das Groteske ist ja, dass wir ein paar Stunden davor den Bescheid erhalten haben, dass wir einen Kindergartenplatz sicher haben. Das ist ja auch keine Selbstverständlichkeit mehr heutzutage. Und dann das. Auf der einen Seite habe ich schon noch Lust, weiter Eishockey zu spielen, andererseits war es ja ein sehr bewusster Schritt von mir zu sagen, dass ich aus der DEL in die DEL2 wechsle, weil ich eben meine Familie in den Vordergrund stellen wollte und nebenbei langsam die Karriere nach der Karriere vorbereiten wollte. Ich bin da altmodisch, ich plane alles durch, will Klarheit nicht nur für mich, sondern für meine Familie. Meine Frau will ja auch irgendwann wieder etwas anderes machen, als nur Hausfrau sein. Das geht nun mal leichter, wenn man in der Heimat ist, wenn man die Großeltern um sich hat. Die hatten sich tierisch gefreut, dass ich wieder da bin.

Also doch noch mal das Vagabunden-Leben des Eishockey-Spielers?
Nur, wenn ein Angebot kommt, dass ich nicht ausschlagen kann. Ich hatte das Glück, in Garmisch aufzuwachsen, was ich als schönsten Fleck der Welt ansehe. Ich will, dass meine Kinder, die drei und bald zwei sind, auch dieses Privileg haben. Dass sie wissen, wo man zur Bergtour, zum Badesee hinkann. Es läuft im deutschen Eishockey fundamental falsch. Die Zweitliga-Klubs glauben, sie müssen so professionell sein, dass die Spieler keiner Arbeit nachgehen können. Für 30 Profi-Vereine ist in Deutschland aber kein Platz. Früher ist man um sechs in der Arbeitshose ins Training. Alle hatten Gaudi. Jetzt sind alle topprofessionell, aber nur, bis es wieder einen Verein zerreißt. Ich bezweifle, dass dies der richtige Weg ist.

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