Seehofers Schreckenszenario Die Nichtwähler- Angstgegner der CSU

In der Partei kursiert ein Schreckensszenario, wie sie doch noch auf 40 Prozent abstürzen könnte. Intern fragen sich manche, ob der getrennte Wahltag nicht ein Fehler war

 

MÜNCHEN In der psychologischen (Wahl-)Kampfführung ist Horst Seehofer ein Meister. Seit Wochen demonstriert er den Wählern mit Umfragen, dass sein Herausforderer Christian Ude und dessen Dreier-Koalition aus SPD, Grünen und Freien Wählern nicht die geringste Chance haben. Doch intern herrscht in der CSU Alarmstimmung. Der größte Angst-Gegner Seehofers sind die Nichtwähler.

„Die Angst in berechtigt“, sagt Forsa-Chef Manfred Güllner zur AZ. Untersuchungen der Christsozialen deuten auf ein Schreckenszenario: Wenn Seehofer die potentiellen CSU-Wähler nicht an die Urne bringt, könnte die Partei trotz ihrer blendenden Umfragewerte brutal absacken. Intern kursiert die Schreckenszahl 40 Prozent. Das wäre der Fall, so erklärt ein CSU-Stratege der AZ, wenn der Anteil der CSU-Sympathisanten, die sich noch nicht entschieden haben, zur Wahl zu gehen, tatsächlich daheim bleiben würden. Und weiter vorausgesetzt, dass die Opposition ihre Wähler alle an die Urne brächte.

Auch der Passauer Politikprofessor Heinrich Oberreuter warnt: „Die Nichtwähler sind ein riesiges Gefahrenpotenzial.“ Sie stimmen indirekt letztlich mit ab und beeinflussen das Ergebnis.
So waren sie 2008, als die CSU die absolute Mehrheit in Bayern verlor hat, die stärkste „Partei“. Von den 9 321 417 Stimmberechtigten im Freistaat hatten 3 923 061 kein Kreuz gemacht.

Vor allem die Verwandten-Affäre könnte CSU-Wähler zu Verweigerern machen. Der CSU-Chef selber sehe ein Mobilisierungsproblem, heißt es in Seehofers Umgebung. Deshalb sei für August eine Strategie-Änderung geplant. Seehofers Machtdemonstration mit seinen Umfragewerten zwischen 46 und 49 Prozent könnte nämlich CSU-Wähler träge machen, es sei ja schon alles gelaufen. Deshalb soll Seehofer nun die CSU-Wähler wachrütteln und ihnen eintrichtern, es könnte doch knapp werden.

Inzwischen gibt es schon mahnende Stimmen in der CSU. „Es war ein Fehler, Landtags- und Bundestagswahl zu trennen“, sagt ein einflussreicher Christsozialer. Bei einem gemeinsamen Termin hätte Kanzlerin Angela Merkel die CSU nach oben gezogen. Bei seinen Umfragen jedenfalls hat Forsa-Chef Güllner in Bayern eine riesige Diskrepanz zwischen Landtags- und Bundestagswahl festgestellt: „Die Merkel-Union ist den Wählern mehr wert als die Bayern-CSU.“

 

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