Seehofers neue Spitze Der CSU-Chef stellt seine Mannschaft vor

Drei Jahre vor seinem geplanten Abschied balanciert CSU-Chef Horst Seehofer die Kräfteverhältnisse an der Spitze seiner Partei neu aus.

 

Gestern präsentierte der 66-Jährige seine Überlegungen für das Strategieteam, das sich mit den „großen Linien und großen Weichenstellungen“ für die Wahljahre 2017 und 2018 beschäftigen soll. „Das Doppeljahr ist zu wichtig, um es allein in der Verantwortung des Parteivorsitzenden zu belassen“, betont Seehofer. Er wolle die Verantwortung auf „breitere Schultern“ heben.

Nicht zu den breiteren Schultern gehören allerdings Kronprinz Markus Söder und Kronprinzessin Ilse Aigner. Neben dem Finanzminister und der Wirtschaftsminister spielt auch Innenminister Joachim Herrmann keine Rolle in Seehofers Strategieteam. Stattdessen baut der Ministerpräsident auf Manfred Weber (Fraktionschef der Konservativen im EU-Parlament), Barbara Stamm (Landtagspräsidentin), Christian Schmidt (Bundesagrarminister), Angelika Niebler (Europagruppenchefin) sowie Kurt Gribl (Augsburger Oberbürgermeister). Damit will Seehofer fünf statt bisher vier CSU-Politiker zu seinen Stellvertretern berufen. Außerdem mit dabei im Team Seehofer sind CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer, der seinen Posten auch nach dem Parteitag am 20. und 21. November noch innehaben dürfte, sowie Landtagsfraktionschef Thomas Kreuzer, Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt und als freier Mitarbeiter für internationale Fragen: der ehemalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. 

Barbara Stamm: Die 70-Jährige gilt als das Feierbiest der Christsozialen. Bei Festen gehört sie nicht selten zu den letzten Gästen. Seit 2008 ist die in Bad Mergentheim geborene Mutter dreier Kinder – ihre Tochter Claudia ist Abgeordnete der Grünen – Präsidentin des Bayerischen Landtags. Bereits seit 1976 sitzt Stamm für die CSU im Landtag. Seit 1993 ist sie Partei-Vize. Im Jahr 1994 machte der damalige Ministerpräsident Edmund Stoiber Stamm zur Sozialministerin. Sieben Jahre später ging diese Amtszeit zu Ende. Stamm stolperte über den BSE-Skandal und die Schweinemast-Affäre. Doch die wohl mächtigste Frau der CSU kämpfte sich zurück.

Christian Schmidt: Der 58-Jährige galt lange als Mann der zweiten Reihe. Erst als er seinen Parteikollegen Hans-Peter Friedrich im Februar 2014 als Bundeslandwirtschaftsminister beerbte, gelang ihm politisch der ganz große Sprung. Parteiintern gehört der Vater zweier Töchter aber schon länger zur Führungsriege. Seit Oktober 2011 ist der in Obernzenn bei Nürnberg geborene Schmidt CSU-Vize. Seine Herkunft half ihm, die Karriereleiter hochzuklettern. Denn die CSU achtet bei ihrer Postenvergabe seit Jahrzehnten darauf, alle Regionen Bayerns zu berücksichtigen. So kam Schmidt ganz gelegen, dass sein Vorgänger Friedrich ebenfalls ein Franke ist.

Manfred Weber: Der Chef der Konservativen im Europaparlament ist der verlängerte Arm von Kanzlerin Angela Merkel in Brüssel. Seit 2014 hat der 43-Jährige den Posten als Fraktionsvorsitzender der Europäischen Volkspartei (EVP) inne. Mitglied im EU-Parlament ist der im niederbayerischen Niederhatzkofen bei Rottenburg an der Laaber geborene Weber bereits seit 2004. Er gilt als der mächtigste Bayer in Brüssel. Ein europäisches Gesetz ohne seine Zustimmung gibt es nicht. Bislang war der vor allem für seine offensive und positive Europapolitik bekannte Niederbayer noch nicht stellvertretender Vorsitzender der Christsozialen.

Angelika Niebler: Die 52-Jährige ist neben Manfred Weber die zweite europäische CSU-Kraft. Die geborene Münchnerin gehört bereits seit 1999 dem EU-Parlament an. Am 6. Oktober 2009 wurde sie in der Rue Stevin im Brüsseler Europaviertel Opfer eines Raubüberfalls. Ansonsten machte die verheiratete Mutter von zwei Söhnen in der belgischen Hauptstadt allerdings nur selten von sich reden. Stark macht sich die CSU-Politikerin vor allem für die Rechte der Frauen sowie die Gleichstellung der Geschlechter. 2010 boxte Niebler eine umstrittene, CSU-interne Frauenquote von 40 Prozent durch, die für den Landes- und den Bezirksvorstand gilt.

Kurt Gribl: Die große Überraschung in Seehofers neuem Team ist zweifelsfrei der Augsburger Oberbürgermeister. Der 51-Jährige sitzt seit 2008 auf dem Rathaus-Chefsessel. Der Rechtsanwalt kam als Quereinsteiger zu den Christsozialen. Erst 2006 wurde der damals noch parteilose Gribl von der Augsburger CSU als „Mister X“ als Kandidat für die Oberbürgermeisterwahl im März 2008 nominiert. Überraschender weise setzte sich der in zweiter Ehe verheiratete Vater dreier Kinder gegen Amtsinhaber Paul Wengert (SPD) durch. In der Stichwahl holte er 55,9 Prozent der Stimmen. Mit seinem Wahlsieg trat er dann auch in die CSU ein.

Schluss für die Peters: Im März erschütterte der Rücktritt von Urgestein und Rebell Peter Gauweiler die CSU. Der 66-Jährige hatte genug vom Euro- und Griechenlandkurs seiner Partei. Vor allem mit seinem Chef Horst Seehofer verscherzte es sich der Münchner. Mit dem Parteitag im November scheidet auch Gauweilers Parteifreund Peter Ramsauer als Parteivize aus. Der Ex-Verkehrsminister zerstritt sich ebenfalls wegen der Griechenlandpolitik mit Seehofer. 

 

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