Sechs Vereine müssen zittern Die irrsten Abstiegskämpfe der Bundesliga-Geschichte

Abstiegskampf ist Emotion pur. Oben rechts: Nach Lauterns erstem Abstieg braucht Andreas Brehme eine Schulter zum Weinen und findet Rudi Völler. Unten rechts: Eintracht Frankfurt jubelt nach dem knappen Klassenerhalt 1999. Rechts Lucien Favre ist der Held. Nach einem Unentschieden im zweiten Relegationsspiel gegen Bochum hält Gladbach sensationell die Klasse. Foto: dpa/AZ

Ein Drittel der Bundesliga-Clubs steht am Abgrund zur zweiten Liga - das gab's noch nie. Hier ein Rückblick auf die bislang spannendsten Abstiegs-Krimis der Bundesliga-Geschichte.

 

München - Sechs Vereine kämpfen am letzten Spieltag der Fußball-Bundesliga noch um den Klassenverbleib - so viele wie nie. Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass es am letzten Spieltag knapp zugeht. Ein Rückblick:

Saison 1968/69: Der Club ist ein Depp I

Fünf Vereine liegen vor dem letzten Spieltag nur zwei Punkte auseinander: Der 1. FC Kaiserslautern, der 1. FC Köln (jeweils 30:36), der 1. FC Nürnberg (29:37), Borussia Dortmund und die Kickers aus Offenbach (jeweils 28:38). Köln und Nürnberg sowie Dortmund und Offenbach treffen aufeinander. Kaiserslautern verliert in Stuttgart, Köln und Dortmund gewinnen - Nürnberg steigt erstmals ab, als bislang einzige Mannschaft auch als amtierender deutscher Meister.

Saison 1988/89: 26:42 Punkte

Nach dem letzten Spieltag haben der 1. FC Nürnberg, der VfL Bochum, Eintracht Frankfurt und die Stuttgarter Kickers jeweils 26:42 Punkte. Die Kickers müssen Hannover 96 in die 2. Liga folgen, weil sie die schlechteste Tordifferenz haben.

Saison 1995/1996: Und Brehme weint

Mit einem Sieg bei Bayer Leverkusen kann der 1. FC Kaiserslautern die Klasse halten - in diesem Fall würde Bayer absteigen. Ab der 58. Minute führen die Roten Teufel durch einen Treffer von Pavel Kuka mit 1:0. Bis zur 82. Minute. Dann trifft Markus Münch. Nach dem Schlusspfiff weint sich Andreas Brehme herzzerreißend an der Schulter von Rudi Völler aus. Es ist Lauterns erster Abstieg.

Saison 1998/99: Der Club ist ein Depp II

Die Ausgangslage: Gladbach und der VfL Bochum sind bereits abgestiegen, erwischen kann es noch den 1. FC Nürnberg (12./37 Punkte), den VfB Stuttgart (13./36), den SC Freiburg (14./36), Hansa Rostock (15./35) und Eintracht Frankfurt (16./34). "Hallo, hier ist Nürnberg, wir melden uns hier vom Abgrund", ruft der Radioreporter Günter Koch ins Mikrofon. Zu diesem Zeitpunkt liegt der Club 0:2 gegen Freiburg zurück, 2:1 führt die Eintracht gegen den 1. FC Kaiserslautern. Dann fallen in Frankfurt das 3:1 (80.) und das 4:1 (82.). Nürnberg kontert (1:2/85.), ehe in Frankfurt Jan-Aage Fjörtoft das 5:1 (89.) erzielt und in Nürnberg Frank Baumann aus zwei Metern den Freiburger Torhüter Richard Golz anschießt. Nürnberg stürzt auf Rang 16 und in den Abgrund, weil es bei gleicher Tordifferenz (-10) weniger Treffer erzielt hat. Damals gab es drei direkte Absteiger.

Saison 2011/2012: Das Gladbacher Wunder

Vor dem letzten Spieltag: Gegen den Abstieg kämpfen noch der VfL Wolfsburg (15./35 Punkte), Borussia Mönchengladbach (16./34) und Eintracht Frankfurt (17./34). Nur Frankfurt holt keinen Punkt - Gladbach, nach der Hinrunde bereits mausetot, rettet sich über die Relegation. Trainer Lucien Favre spricht danach von einem "Wunder".

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Saison 2012/2013: 20 verrückte Minuten

Die Situation vor dem letzten Spieltag: Fortuna Düsseldorf (30 Punkte) liegt auf Rang 15 - vor dem FC Augsburg (30) sowie 1899 Hoffenheim (28). Hoffenheim liegt bei Borussia Dortmund mit 0:1 zurück, noch 20 Minuten bis zum Abstieg. Dann verwandelt Sejad Salihovic zwei Elfmeter (72./82.), in der Nachspielzeit nimmt Schiedsrichter Jochen Drees einen schon anerkannten Treffer von Marcel Schmelzer zurück. Hoffenheim rettet sich dadurch auf Rang 16 gewinnt danach die Relegationsspiele (gegen Kaiserslautern). Und die Fortuna ist nach einem 0:3 bei Hannover 96 abgestiegen.

Saison 2013/2014: Nichts bewegt sich

Nach dem 29. Spieltag stehen auf den letzten drei Plätzen: der Hamburger SV (16./27 Punkte), der 1. FC Nürnberg (17./26) sowie Aufsteiger Eintracht Braunschweig (18./25). Danach führen sie ein Theater des Absurden auf: Keine dieser drei Mannschaften holt an den ausstehenden fünf Spieltagen noch einen Punkt. Der HSV rettet sich über die Relegation gegen die SpVgg Greuther Fürth.

 

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