Sechs Jahre Bauzeit Tunnel an der Landshuter Allee: Noch in den Kinderschuhen

, aktualisiert am 11.10.2018 - 12:18 Uhr
Dreck, Lärm, Stress an der Stadtautobahn: Die Stickstoffdioxid-Belastung an der Landshuter Allee in Neuhausen erreicht bundesweit einen Spitzenwert. Foto: dpa

Das dauert: Der Tunnel an der Landshuter Allee bringt gute Luft und Grün. Die Bauzeit aber schockt: sechs Jahre!

Neuhausen - Ein Tunnel als Entlastung: "Das klingt gut. Aber ist das eine Bereicherung, wenn Leute an der Landshuter Allee sechs Jahre Baustelle haben?", fragt Marita Firnkes-Müller von der "Initiative für Neuhausen". Die Info des Baureferats hat sie geschockt. Ingenieur Frank Frischeisen entgegnet schlicht: "Wer Infrastruktur bauen will, muss Baubetrieb ertragen."

Am Dienstag hat der Baudirektor über 90 Münchnern die Pläne für den "Landshuter Allee-Tunnel neu" erklärt – ein lang und stark herbeigesehntes Projekt. Über 140 000 Autos rauschen jeden Tag über die Stadtautobahn quer durch das nette Neuhausen. Der jetzige Kurztunnel an der Landshuter Allee (363 Meter) soll auf 1,5 Kilometer erweitert werden. Wenn es technisch und finanziell geht, auch darüber hinaus – unter der Arnulfstraße durch.

2019 fällt im Stadtrat die Entscheidung über die exakte Länge und das Gesicht des neuen Tunnels. Aktuell sind unterirdisch drei Fahrspuren pro Richtung eingeplant. Oberirdisch sehen die Ingenieure teils 30 Meter breite Grünoasen: für Spielplätze, Kioske Sport. Fußgänger und Radler bewegen sich dann in neuer Freiheit in dem bisher krass durchschnittenen Viertel. Obwohl der Tunnel vor der Borstei endet, erhalten die Wohnungen der denkmalgeschützten Anlage als Schutz vor Abgasen und Gehupe eine ordentliche Lärmschutzwand: 330 Metern lang und 5,50 Meter hoch.

Der Süden macht den Planern Probleme

Problematisch jedoch ist: Über der Erde wird jeder Abschnitt Neuhausens völlig anders von dem Tunnel profitieren.

Für den Norden, Höhe Ebenauer Straße, werden extrem positive Effekte vorhergesagt: Die Auto-Lawine rollt künftig unterirdisch. Ein grünes "Mittelband" bis zum Platz der Freiheit verbindet das Viertel wieder, wie früher. Der Lärm wird um 15 Dezibel reduziert, Luftschadstoffe, wie Stickoxide, verringern sich signifikant, auf 26 Mikrogramm pro Kubikmeter.

Stillstand: Kaum Veränderung zwischen Platz der Freiheit und der eleganten Nymphenburger Straße – der historischen Verbindungsader zum Rotkreuzplatz. Die Autospuren bleiben, der unsinnige U-Turn auch. Viele Bürger bedauern das lautstark.

Probleme macht den Planern der Abschnitt Süd. Schadstoffgrenzwerte können nicht eingehalten werden, wenn der Tunnel bald nach der Arnulfstraße beginnt. Südlich der Hirschbergstraße wird eine neue Fahrspur gebraucht. Neue Wohnhäuser bekommen den Lärm der Einfahrt ab.

So wird der Tunnel, wenn er nicht noch nach Süden verlängert wird: Beginn kurz nach der Arnulfstraße (r.), vor der Dachauer Straße fahren die Autos wieder ans Tageslicht.
Zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken. Foto: Baureferat

"Wir prüfen die Verlängerung unter der Arnulfstraße mit Ertüchtigung der Donnersbergerbrücke", sagt Frank Frischeisen. Als "kompliziert" und "anspruchsvoll" beschreibt er sein Projekt: "Wir stecken noch in den Kinderschuhen." Ein ungeduldiger Neuhauser will wissen: "Wann fangen Sie endlich an?". Seine Frage bleibt unbeantwortet. Eine Fertigstellung nach 2030 steht inoffiziell im Raum.

Belastender Lärm und exorbitante Schadstoffemissionen – beides reduziert der Tunnel in dem "Verkehrsmoloch", bestätigt "Pro Landshuter Allee Tunnel". Sprecher Michael Lotterschmid: "Durch die harte Baustellenzeit müssen wir durch. Es gibt keine Alternative."


AZ-Umfrage: Das sagen die Menschen im Viertel

Marita Firnkes-Müller von der Initiative für Neuhausen (35 Mitglieder): "Allen liegt etwas an der Verknüpfung der Stadtteile. Die Idee, dass der FC Gern sich über dem Tunnel erweitert, war aber nicht Zweck des Ganzen. Das wäre ein abgezäuntes Vereinsgelände, in das ich als Bürger nicht gehen kann. Leider müssen alle alten Ahornbäume für den neuen Tunnel fallen. Das Projekt wird langsam fragwürdig."

Nikolai Lipkowitsch von den Grünen im BA Neuhausen-Nymphenburg: "Mein Aha-Erlebnis: Während der Bauphase sollen die Autos des Mittleren Rings oberirdisch durch unser Viertel. Ein grünes Band würde Neuhausen sicher gut vernetzen. Im Moment sehe ich nur die immense Baustelle und gigantische Kosten von wohl über 500 Millionen. Wäre das Geld nicht besser in kostenlosen Nahverkehr investiert?"

Anna Hanusch (Grüne), Vorsitzende des BA Neuhausen-Nymphenburg: "Eine erhellende Veranstaltung! Es gab viele kritische Nachfragen. Bei der Präsentation kam für mich heraus, dass der Mehrwert mit Grün überschaubar wird. Dem FC Gern würde ich Platz gönnen, denn viele Kinder warten auf Aufnahme. Mein BA befeuert den neuen Tunnel. Als Grünen-Politikerin bin ich aber nicht dafür."

 

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