Nächste Woche kehrt Eberhofer ins Kino zurück. Mehr als die Mordermittlung setzt ihm diesmal eine drohende Hochzeit zu.

Die Verfilmung des Rita Falk-Romans "Dampfnudelblues" entwickelte sich 2013 zum überraschenden Kinohit in Bayern. Nächsten Donnerstag kommt der bereits fünfte Teil um Eberhofer, den phlegmathischen Polizisten aus Niederbayern, ins Kino. Die AZ sprach mit Sebastian Bezzel, dem Eberhofer-Schauspieler, im Interview.

AZ: Herr Bezzel, für Ihre Figur Eberhofer wird's diesmal eng: Seine Dauerfreundin Susi wird ungeduldig, auch Familie und Freunde drängen ihn, ihr einen Heiratsantrag zu machen. Wieso stellt er sich so an?
SEBASTIAN BEZZEL: Weil er an diese Verabredung nicht glaubt. Er hält das für einen Schmarrn. Er braucht die Hochzeit eigentlich gar nicht, um ihr zu sagen, dass er sie liebt und dass sie seine Frau ist. Und er braucht das ganze Chichi nicht, er steht nicht gern im Mittelpunkt und lässt sich nicht gern feiern.

Auch sonst läuft's in "Sauerkrautkoma" nicht so richtig für Eberhofer: Er wird nach München versetzt, worauf er sich gar nicht einlassen will. Wieso passt die Stadt so wenig zu ihm?
Sie ist ihm zu laut und stressig. Er war ja schon mal in München und weiß, dass es da viel Ärger auf der Straße gibt. Er hatte es sich zuhause sehr gut eingerichtet und will einfach den Ist-Zustand möglichst lange halten. Der Rudi sagt in dem Film zu ihm: Du gibst kein Geld aus, musst nichts fürs Essen zahlen, wohnst umsonst. Der Eberhofer hat seinen Hund und seine Oma – perfekt.

Sauerkrautkoma ist eine analoge Konterrevolution

Ein Computer gehört nicht zu diesem perfekten Leben, Eberhofer hat auch im Büro keinen. Gehört das zum Erfolgsrezept der Filmreihe, dass die moderne Hektik außen vor bleibt?
Absolut. Der Film ist eine analoge Konterrevolution: Wenn jemand Musik hören will, legt er eine Schallplatte auf oder eine Kassette ein. Ich mag das sehr gern. Heutzutage bekommt man ja in Krimis immer die neueste technische Entwicklung mit, die Ermittler stehen mittlerweile mit iPad am Tatort. Umso schöner ist es, wenn einer keinen Computer hat. Das ist natürlich unglaubwürdig, aber so ist der Eberhofer. Er ermittelt mit gesundem Menschenverstand und braucht das alles nicht.

Wie würden Sie seine Ermittlungstaktik beschreiben?
Er ist sicher kein Taktiker und kein Ermittlungsgenie. Aber erhat eine fast schon Columbomäßige Sturheit. Er findet es auch gut, dass die Leute ihn für blöder halten, als er ist.

Lehnen Sie die modernen Medien auch so ab wie er?
Nein, das wäre ja eine sehr sture Haltung. Ich bin aber überhaupt kein Technikfreak. Ich habe Freunde, die werden ganz nervös, wenn das neue iPhone rauskommt. Das kann ich nicht verstehen, und ich halte es auch für eine große Umweltbelastung, wenn man sich immer das neueste Gerät kauft. Ich bin auch nicht in Sozialen Medien, da habe ich keine Lust drauf. Ich finde es schon toll, dass man in Thailand mit dem iPad seine Flüge am Strand buchen kann. Aber zu viel am Computer zu sitzen verursacht Depressionen und Rückenschmerzen.

Sie selbst teilen sich im Internet gar nicht mit. Auf Ihrer Homepage sebastianbezzel.de steht seit Jahren "Seite im Aufbau". Allmählich wird's unglaubwürdig ...
Gut Ding will Weile haben, der Bau der Chinesischen Mauer hat auch länger gedauert. Anfang der 2000er sollte ein Garmischer Freund von mir, der Webdesigner ist, die Homepage bauen, aber dann habe ich gemerkt: Ich brauch das gar nicht wirklich. Auf der Seite meiner Agentur kann man sehr viel über mich erfahren. Aber vielleicht kommt irgendwann der Punkt, an dem ich mich der Welt mehr mitteilen will. Im Moment sehe ich dafür keinen Grund. Ich bin beruflich viel unterwegs und selten daheim – und dann muss der Papa nicht irgendwas am Rechner aktualisieren. Da sind dann andere Sachen wichtig.

Niederbayern ist nicht Katalogbayern

Die Eberhofer-Krimis spielen in Niederbayern, Sie selbst sind Oberbayer und kommen aus Garmisch. Wie ist denn Ihr Blick auf die Regionen?
In Oberbayern ist alles schön, die Häuser haben geschnitzte Balkone, Geranien. Man lässt mit jeder Pore raushängen: Wir sind so bayerisch. Ich mag die Gegend sehr, das Tölzer Land etwa ist mit am schönsten. Aber das ist das Katalogbayern – und Niederbayern ist halt nicht so. Da gibt's auch wahnsinnig schöne Ecken, aber es ist karger und rauer, und das gefällt mir gut. Es ist nicht so geschleckt und hochpoliert. Wir zeigen Leute, die keine Tracht tragen, sondern Trainingsanzug.

Ist das Publikum in Niederbayern euphorischer als anderswo, wenn Sie mit ihrer Kinotour dorthin kommen?
Die Landshut-Premiere ist immer ganz weit vorne, das ist wie ein Popkonzert. Da sind vier Kinosäle voll und es gibt ewig lange Selfie-Aktionen, das ist toll. Das ist Eberhofer-Kernland. In Straubing und Regensburg ist's auch super.

Sie leben in Hamburg. Da ist es für Sie wahrscheinlich entspannter als in Bayern.
Mittlerweile ist das wahrscheinlich so. Wenn ich in Bayern drehe und abends in einer Wirtschaft sitze, passiert es ab und zu, dass jemand sagt: Eberhofer, setz di' her, trink ma a Bier. Ich fände es aber sehr kokett zu sagen, dass das belastend ist. Aber wenn ich nach zwei Wochen Kinotour nach Hamburg komme und da alles ruhiger ist, ist das auch toll. Das Leben hat mich nach Hamburg gespült und ich bin da sehr gern. Aber ich könnte auch nach Bayern ziehen, so schlimm wäre das nicht.

Wird der Erfolg dieser Figur für Sie allmählich zum Problem, weil sie zu sehr mit ihr assoziiert werden?
Nein. Aber ich muss aufpassen. Es kommen immer wieder sehr ähnliche Rollenangebote, diese Filme darf ich dann eben nicht machen und muss schauen, in eine andere Richtung zu gehen. Aber man muss natürlich auch das Glück haben, die richtigen Rollen zu bekommen. Und wenn ich zu Veranstaltungen eingeladen werde und Angebote von Trachtenhäusern erhalte, die mich ausstatten wollen, dann sage ich, das ist mir zu bayerisch – und sage freundlich ab.