Schwurgericht München Urteil im Fall "Mord ohne Leiche": Schuldig!

Bülent A. muss lebenslang ins Gefängnis. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er seine Ex-Freundin ermordet hat. Foto: jot

Seine Verteidiger hatten auf Freispruch plädiert, doch das Schwurgericht verurteilt Bülent A. zu lebenslanger Haft. Nach Überzeugung der Kammer hat er seine Lebensgefährtin Daniela Karaffa ermordet – und die Leiche im Wald verscharrt.

 

München Er scheint es geahnt zu haben. Die Verteidiger von Bülent A. (45) hatten zwar auf Freispruch aus Mangel an Beweisen plädiert, das Schwurgericht kam aber zu einem anderen Ergebnis. „Schuldig des Mordes“, erklärte der Vorsitzende Richter Michael Höhne am Donnerstag.
Bülent A. blieb bei der Urteilsverkündung äußerlich völlig unbewegt. Nach dem Schuldspruch und der Urteilsbegründung schüttelt er noch cool die Hände seiner Anwälte. Das war’s.

Damit findet der siebenmonatige Prozess um den „Mord ohne Leiche“ ein Ende. Bülent A. wurde vom Schwurgericht zu lebenslanger Haft verurteilt. Immerhin: eine besondere Schwere der Schuld, so wie sie Staatsanwältin Nicole Selzam festgestellt haben wollte, sah das Gericht nicht. Damit könnte Bülent A. nach 15 Jahren Haft wieder auf freien Fuß kommen.
 Der 45-Jährige hat nach Überzeugung der Richter am 12. März 2013 seine Lebensgefährtin umgebracht. Der Grund: Sie wollte sich trennen. Für das Gericht hat der Mann damit niedrige Beweggründe für seine Tat gehabt. Deswegen sei er wegen Mordes zu verurteilen gewesen.

Erst über ein Jahr später wurde die Leiche seines Opfers gefunden. Ein anonymer Hinweis brachte die Ermittler auf die richtige Spur. Im Kapuzinerhölzl, nicht weit von der Pasinger Wohnung von Bülent A. und Daniela Karaffa fand man dann die Leiche der Frau. Der Täter hatte sie in der Mulde eines umgestürzten Baumes vergraben.

Für das Schwurgericht gab es zwar keine objektiven Beweise, schon gar kein Geständnis, aber einen „Indizienkreis“, der nur einen Schluss zuließ: Bülent A. hat seine Lebensgefährtin ermordet.

Als Todesursache hatte der Rechtsmediziner die Knochenbrüche im Gesicht ausgemacht. Die hätten bei der bewusstlosen Frau dazu geführt, dass sie Blut einatmete und innerhalb von höchstens fünf Minuten erstickte. Wie es zu den Verletzungen gekommen war, hat Bülent A. nach Überzeugung des Gerichts selber detailliert beschrieben. Er habe eine Mithäftling dazu bewegen wollen, einen anonymen Brief schreiben und sich als Mörder von Daniela Karaffa auszugeben. Um so Bülent A. zu entlasten.

Um den Brief glaubhaft zu machen, habe Bülent A. sein Täterwissen genutzt. Der Mithäftling sollte schreiben, dass er mit der rechten Faust zugeschlagen habe und dass Karaffa daraufhin bewusstlos zu Boden gegangen sei. Die wehrlose Frau habe er dann mit dem unbeschuhten rechten Fuß ins Gesicht und in die Brust getreten. Ein solcher Tathergang ließe sich „zwanglos“ mit den Verletzungen in Einklang bringen, erklärte der Rechtsmediziner.

Der Richter ging in seiner Urteilsbegründung auch detailliert auf die Vorgeschichte ein. Während sich Daniela Karaffa liebevoll um ihre beiden kleinen Kinder (4, 6) kümmerte, trieb sich Bülent A. herum. Trotz großer finanzieller Probleme, beide hatten Privatinsolvenz anmelden müssen, ging der 45-Jährige keiner geregelten Arbeit nach, trieb sich rum.

Da er damit auch kein Vorbild für die Kinder war, entschloss sich die Frau zur Trennung. Im Herbst 2012 forderte sie Bülent A. auf, die gemeinsame Wohnung in Pasing zu verlassen. Noch bevor sie ein Verhältnis mit einem anderen Mann begonnen hatte.

Bülent A. setzte sie eine Frist bis zum 26. März 2013. Doch er drohte mit Selbstmord und mit dem Entzug des Sorgerechts für die Kinder. Am 12. März 2013 kam es erneut zum Streit – und den tödlichen Tritten.
Verschiedene Nachbarn hörten zur rekonstruierten Tatzeit die Hilferufe einer Frau. Ein weiteres Puzzlestück im „Indizienkreis“. Auch dass er drei Tage später neue Fußmatten für sein Auto besorgte, spreche dafür, dass Bülent A. versucht habe, Spuren des Mordes zu verwischen.

Die Geschwister Karaffas waren als Nebenkläger in dem Prozess aufgetreten. Zur Urteilsverkündung waren sie zwar nicht aus der Slowakei angereist. Der Mord an ihrer Schwester nimmt die Familie aber schwer mit, erklärte ihr Anwalt Peter Pospisil: „Die Schwester weint bei jedem Telefonat.“ Haben die Geschwister ein Wunsch-Urteil gehabt? „Sie haben gesagt, dass sie auf ein gerechtes Urteil hoffen.“

 

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