Gerüst unter Autobahnbrücke eingestürzt Unfall-Drama an der A7: "Wie gesprengt"

, aktualisiert am 16.06.2016 - 11:49 Uhr
Schlimmer Unfall auf einer Baustelle unter einer Brücke der A7: Mindestens ein Bauarbeiter ist tödlich verunglückt. Foto: dpa

20 Meter hoch ist die neue Autobahnbrücke, die eine alte Brücke an der A7 bei Schweinfurt ersetzen soll. Ein frisch betoniertes Teil der neuen Brücke stürzt ein und reißt mehrere Arbeiter mit in die Tiefe.

 

Werneck - Ein Strang von Metallstäben läuft von dem Brückenpfeiler 20 Meter in die Tiefe - hinab zu den Trümmern der Fahrbahn, die auf dem Boden liegen. An dieser Stelle neben der A7 in Unterfranken ist am Mittwoch ein Bauarbeiter ums Leben gekommen - weil ein Teil einer neu gebauten Autobahnbrücke einstürzte.

Die Baustelle sei inzwischen gesichert, sie werde nun behandelt "wie ein Tatort, an dem nichts verändert werden kann", sagte ein Sprecher der Polizei in der Nacht zum Donnerstag. Nachdem der Rettungseinsatz am Mittwochabend beendet worden ist, gehen die Ermittler davon aus, dass sich unter den Trümmerteilen keine Menschen mehr befinden.

Unterdessen gaben Polizei und Bayerisches Rotes Kreuz (BRK) übereinstimmende Zahlen zu den Opfern des Unglücks bekannt. Ein Bauarbeiter sei ums Leben gekommen und weitere elf seien schwer verletzt worden. Unklarheit gibt es noch zur Zahl der Leichtverletzten: Während das BRK die Zahl von zehn Leichtverletzten nannte, sprach die Polizei von nur drei leicht verletzten Bauarbeitern und einem Schaulustigen, der mit seinem Motorrad gestürzt sei.

Rettungshubschrauber starten und landen im Minutentakt

Ein rund 40 Meter langes Teilstück der neuen Brücke für die viel befahrene A7 war abgestürzt und richtete verherenden Schaden an: Aus dem Betonpfeiler gegenüber ragen Metallstreben wie aus einer Pusteblume heraus. Dazwischen ein Trümmerfeld von Schutt, verbogenen Absperrungen und Gerüststäben – "wie wenn ein Gebäude gesprengt worden wäre", sagt ein Augenzeuge. Auf einer Wiese neben der Autobahn landen und starten fortlaufend Rettungshubschrauber. Insgesamt sind mehr als 150 Helfer von Feuerwehr, Rettungsdienst und Technischem Hilfswerk im Einsatz.

Die Talbrücke Schraudenbach nahe Werneck (Landkreis Schweinfurt) wird seit 2015 neu gebaut, danach soll die alte Brücke abgerissen werden. Kurz nach 16.00 Uhr stürzt ein frisch betoniertes, komplettes Bauteil der neuen Brücke in die Tiefe. 40 Meter Fahrbahn zwischen zwei Pfeilern brechen ein. Zu dieser Zeit arbeiten nach Angaben der Polizei rund 20 Menschen auf der Baustelle. Viele von ihnen werden verschüttet, als die Betonmassen zusammenbrechen. Niemand wollte am Mittwoch spekulieren, wie es zu dem Unglück kommen konnte.

"Sowas noch nie gesehen, sowas noch nie erlebt"

Am Abend beginnen die Einsatzkräfte mit der Ultraschall-Ortung vermisster Personen in dem Haufen aus Geröll, Schutt und Stahl. Zwei Kräne schwenken über dem Trümmerfeld. Per Lautsprecher sagt ein Mann durch: "Achtung, Achtung! Absolute Ruhe an der Einsatzstelle!" Einsatzkräfte wühlen sich durch den Schutt, auch Hunde sind im Einsatz. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) zeigt sich sehr betroffen über das Unglück: "Den Angehörigen spreche ich mein tiefstes Beileid aus. Den Verletzten wünsche ich eine schnelle Genesung."

Staatssekretär Eck, selbst gelernter Maurer und Leiter eines eigenen Bauplanungsbüros, sagt: "Ich hab' sowas noch nie gesehen, sowas noch nie erlebt, ein richtiges Trümmerfeld, wie wenn in einem Gebäude die Bomben einschlagen." Konsequenzen für andere Baustellen habe das Unglück nicht. Man dürfe jetzt "keine Unsicherheit verbreiten", sagt Eck. Es müsse sorgsam aufgearbeitet werden, was genau passiert ist. "Wenn's denn dann Fehler waren, menschliche Fehler, technische Fehler, dann muss das einfach bis ins feinste Detail geklärt sein." Danach könne über weitere Konsequenzen gesprochen werden.

Der Verkehr auf der A7 lief am Donnerstagmorgen wieder normal. Am Mittwoch hatten Schaulustige dort einen Stau verursacht. Der Verkehr führt über die alte Brücke auf der A7 neben dem Neubau, weswegen die Strecke nicht direkt betroffen war.

Im Januar war bekannt geworden, dass jede vierte Brücke in Bayern saniert werden muss. Bei der Schraudenbach-Brücke an der wichtigen Nord-Süd-Verbindung A7 war mit einem Ersatzneubau schon begonnen worden. Am Mittwoch war es Glück im Unglück, dass der Verkehr noch über die alte Brücke floss. Zeitweise bildete sich lediglich ein Stau durch Schaulustige, die nicht glauben konnten, was nur 25 Meter neben ihnen mit der neuen Brücke passiert war.

 

0 Kommentare