Schweinsteiger in München Welcome home, Basti!

Mit der Nationalmannschaft auf Heimaturlaub: Bastian Schweinsteiger. Foto: dpa/AZ

Mit dem DFB-Team wohnt und trainiert Bastian Schweinsteiger noch bis Donnerstag in München. Was er hier wohl alles vermisst? Die nicht enden wollenden Durchsagen von "Radio Müller" vielleicht. Oder oder oder...

 

München - Es war Montag, gegen 17 Uhr, als Bastian Schweinsteiger auf Facebook postete: "In München angekommen."

Schweinsteigers Rückkehr in seine Herzensstadt – nicht privat, sondern als Kicker auf Dienstreise: Das Treffen mit der National- mannschaft inklusive Trainingseinhei-ten an der Säbener Straße vor den beiden Länderspielen in Frankreich (Freitag, 21 Uhr) und vier Tage später gegen die Niederlande (20.45 Uhr) macht's möglich.

Wenn Schweinsteiger nun als Kapitän des DFB-Teams wieder in München weilt, im Hilton am Tucherpark residiert, bevor es am Donnerstagvormittag zum Länderspiel nach Paris geht, stellen sich schon ein paar Fragen: Was er wohl alles so vermisst?

Die After-Champions-League-Pizzen im "Monaco"? Den Cappuccino am Gärtnerplatz? Die Basketballspiele im Audi Dome? Die nicht enden wollenden Durchsagen von "Radio Müller"? Die Hände von Müller-Wohlfahrt? Die Faschings-Partys im "Cavos"? Den zackigen Haarschnitt vom Bash Club? Die Drinks von Charles Schumann? Man weiß es nicht so genau, kann aber davon ausgehen: alles so ein bisschen.

"In München habe ich in der Innenstadt gewohnt. Für mich war das Schönste, an einem Sommermorgen aufzustehen und zum Viktualienmarkt zu gehen. Den Menschen an den Ständen ‘Guten Morgen’ zu sagen, eine Brezn zu kaufen, mir einen frischen Saft zu holen und dann zum Training zu fahren und am Nachmittag an der Isar spazieren zu gehen", sagte Schweinsteiger einige Wochen nach seinem Wechsel der "Zeit".

Doch das Gefühl von Heimat, das kann er wohl auch in Manchester empfinden, fügte er an: "Ich liebe meine alte Heimat, immer wenn ich da bin, erinnere ich mich an meine Kindheit zurück. Aber wenn man älter wird, verändert sich das Heimatgefühl", sagte er, "es ruht in einem, egal wo man gerade ist. Man verbindet es eher mit Menschen als mit Orten."

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Und so brachten ihm die Besuche aus der Heimat bestimmt ein großes Stück Bayern in den Norden Englands. Tobias, der große Bruder, war mal da, Felix Neureuther, der Spezl aus alten Skifahrer-Tagen, und die Tennisspielerin Ana Ivanovic zog unlängst um: von der Schweiz nach Bolton, ein 140 000 Einwohner-Städtchen 25 Kilometer südlich von, genau: Manchester. Jüngst begleitete sie Schweinsteiger sogar zu einer Vereinsfeier.

Die Stadt im Nordwesten Englands hat bestimmt auch einiges zu bieten. "Meine Kollegen haben mir die Stadt gezeigt, wir waren gemeinsam Essen und Golf spielen", sagte Schweinsteiger damals der "Zeit".

Und überhaupt: "Manchester ist viel wärmer, als man denkt, die Menschen sind richtig herzlich." Aber dennoch ist und bleibt Manchester nun mal die Partnerstadt von, nun ja, Chemnitz.

In der Weltstadt mit Herz, die Schweinsteiger Mitte Juli nach 17 Jahren und unter Hinterlassung eines tränendrüsigen Twitter-Videos ("Ich werde euch immer in meinem Herzen tragen") recht unvermittelt verließ, ging derweil das Leben ohne den Fußball-Gott weiter – und wenn man ehrlich ist: Beim FC Bayern vermisst man ihn gar nicht so sehr.

Aber nur auf dem Spielfeld. Dort tummeln sich auf Schweinsteigers einstigem Areal jede Menge Hochkaräter, im wöchentlichen Guardiola-Wechsel. Einzig bei der Hinspiel-Niederlage gegen Arsenal (0:2) wirkte die Bayern-Defensive so, als könne sie einen Kämpfer-Typen wie Schweinsteiger gut gebrauchen.

Ansonsten fällt es kaum auf, dass er nicht mehr da ist. Schweinsteiger wird schon gewusst haben, warum er zu Manchester United gewechselt ist. United-Coach Louis van Gaal brät seinem Lieblingsspieler zwar keine Extra-Wurst, spart auch nicht mit Kritik am noch etwas suchend wirkenden Mittelfeldmann, hält im Großen und Ganzen aber doch zu ihm.

Auf Platz vier steht United derzeit in der Premier League, durchaus noch in Schlagdistanz zu Arsenal und dem Stadtkonkurrenten Manchester City.

Schweinsteigers persönliche Bilanz: 6 von 19 Spielen durchgespielt, 0 Tore, 1 Assist, 3 Gelbe Karten – da ist noch Luft nach oben.

Ob er es wirklich schafft, dem ManUnited-Spiel seinen Stempel aufzudrücken, ist mit einem mitteldicken Fragezeichen versehen.

Ob er noch einmal zu der Form aufläuft, wie im Endspiel der Weltmeisterschaft von Rio? Als er geschlagen und getreten, von Krämpfen geschüttelt und aus einer Wunde blutend, sich immer wieder auf das Spielfeld zurückschleppte, um sich seinen großen Traum zu erfüllen und den WM-Pokal freudestrahlend in die Höhe zu halten?

Glaubt man "transfermarkt.de", dann sank sein Marktwert von einst 40 auf zuletzt 18 Millionen Euro.

Und wenn schon: Im Juni 2018 läuft sein Vertrag in Manchester aus, und es werden jetzt schon Wetten angenommen, wo Bastian dann wieder zuhause sein wird: wohl nicht weit von "Monaco", Audi Dome und "Radio Müller".

Thomas Becker

 

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