Schwedisches Lichterfest In Obermenzing feiert man jetzt Luzia statt Nikolaus

Festliche Tradition: die Sängerin eines schwedischen Luzia-Chors. Foto: Jörg Carstensen/dpa

Das schwedische Lichter-Fest wird auch in München immer öfter gefeiert - zum Beispiel heute Abend in Obermenzing.

München - Den Nikolaus kennt jeder. Sein weibliches Pendant, die Heilige Luzia aber, wird in München immer bekannter: In dem ein oder anderen Kindergarten, an der Europäischen Schule in Neuperlach oder bei Ikea in Eching (9. Dezember, 16 Uhr mit Lucia-Sängern) taucht die schwedische Lichterkönigin samt Gefolge auf - und vertreibt Winterdepressionen.

Denn: Im Mittelalter wurden am Luzientag die Kinder beschenkt. In schwedischen Familien ist das heute so. Am Morgen des 13. Dezembers klopft die älteste Tochter im weißen Kleid an die Tür, einen Kranz aus brennenden Kerzen im Haar. Sie bringt der Familie Gebäck und Frühstück.

In Skandinavien ist der Luzien-Tag ein wichtiger Feiertag: In Schulen, Krankenhäusern und Büros wird die "Königin des Lichts" gefeiert - mit Liedern und süßen Geschenken. Ab sieben Uhr morgens überträgt das schwedische Fernsehen Gottesdienste und festliche Umzüge. In München bringt die sizilianische Heilige (am alten Tag der Wintersonnenwende) dieses Jahr hier Licht ins Dunkel:

  • Stimmungsvoll: An der Blutenburg in Obermenzing lassen Kinder am 8. Dezember, 17 Uhr, auf dem Schlossweiher viele kleine Lichterhäuschen schwimmen - zu Ehren der Heiligen Luzia. Dazu gibt es weihnachtliche Musik und Luzia kommt zu Besuch.
     
  • Geheimnisvoll: Unter dem Titel "Die Heilige Luzia und die schiache Luz" in der es auch um die magischen, gruseligen "Rauhnächte" im alten Bayern geht, lädt die Kunsthistorikerin Martina Sepp in die Theatinerkirche zur Luzia-Führung ein (13. Dezember, 15 bis 15.30 Uhr, Treffpunkt im Eingang der Theatinerkirche, Eintritt: 5 Euro).
     
  • Brauch in Bayern: Das "Luzienhäuslschwimmen" auf den Amperbrücken in Fürstenfeldbruck ist eine bekannte Tradition. Bei Einbruch der Dunkelheit lassen Bürger am 13. Dezember Hunderte aus Papier gebastelte "Lichterhäusl" schwimmen. (Grafrath und Wasserburg pflegen übrigens die gleiche Tradition).

"Das Luzia-Fest wird in der Großstadt beliebter, weil europäische Rituale bekannter werden. Der zweite Grund ist das Erstarken der Frauen-Spiritualität", erklärt Schwester Benedikta Hintersberger, eine Dominikanerin. Als Leiterin einer Mädchen-Realschule hat sie den Tag der Heiligen Luzia stets als starkes Frauenfest inszeniert. Die Ordensfrau: "Der Nikolaus ist schon so kommerzialisiert und bedenklich säkularisiert, dass man jedes zweite Jahr stattdessen die Luzia in den Mittelpunkt stellen könnte", lautet ihr Vorschlag.

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