Schwächephasen des FC Bayern VfB-Spiel zeigt: Das ist das größte Problem des Kovac-Fußballs

Im Spiel von Niko Kovac gibt es immer wieder Unkonzentriertheiten. Foto: Matthias Balk/dpa

Der FC Bayern zeigt beim 4:1 gegen Stuttgart erneut eine sehr wechselhafte Leistung und bringt den Gegner so zwischenzeitlich zurück ins Spiel. Kovac sagt: "So können wir uns nicht präsentieren."

 

München - Wenn die Bayern spielen, tickt die Uhr. Nicht bis zum nächsten Treffer, auch die Nachspielzeit ist nicht gemeint. Nein, bis der rote Faden reißt. Meist nach Führung.

So war es zum Rückrundenauftakt beim 3:1 in Hoffenheim, und so erlebten es auch die Heimfans beim 4:1 am Sonntag gegen den VfB Stuttgart.

Es stellt sich das Gefühl der Überlegenheit ein, die Spieler machen ein, zwei Schritte weniger, das Pressing wird weniger aggressiv. Eine Runde Larifari, eine Prise Behäbigkeit. So fängt man sich ein Gegentor, ratzfatz. Hoffenheim erzielte nach einer Stunde den 1:2-Anschlusstreffer, der VfB das 1:1 durch Donis. Und prompt macht sich Verunsicherung im Bayern-Spiel breit. Wie will man jetzt so schnell wieder zurückschalten in den vorherigen Power-Modus? Auch in der Vorrunde hieß es sehr oft: Tick, tack, Faden ab. Das größte Problem des Kovac-Fußballs.

Niko Kovac ist "not amused"

Der Trainer war darüber ziemlich angefressen am Sonntagabend. "Wir kommen gut ins Spiel, haben dann aber 35 Minuten überhaupt nicht stattgefunden", befand der Kroate und fügte säuerlich hinzu: "In der ersten Halbzeit waren, wenn überhaupt, zehn bis 15 Minuten in Ordnung." Zu langsam habe man dann gespielt, ohne gemeinsames Pressing, "mit zu vielen Leuten hinter dem Ball". Der Jäger von Spitzenreiter Borussia Dortmund jagte seine Gegner nicht mehr. Man lag im Liegestuhl der bequemen Führung. Verwalten statt gestalten. Das 1:0 durch Thiago habe "nicht unbe dingt zu einem Wake-Up-Call beigetragen. Das müssen wir uns natürlich auf die Fahne schreiben", meinte Thomas Müller, anfangs selbst ein Derwisch auf dem Platz, später ein lahmer Brummkreisel.

"Normal sagt man: So ein Tor kann beflügeln", sagte Kovac über das frühe 1:0, jedoch: "Es war genau das Gegenteil. Ich glaube, jeder dachte: ,Okay, fünfte Minute, es steht 1:0, das wird schon. Das schaffen wir mit links’. Aber in der Bundesliga geht gar nichts mit links. Schon im letzten Spiel hatten wir diese Phasen", so Kovac. Nicht nur da. Man nehme nur die Achterbahn-Fahrt beim 3:3 in der Champions League bei Ajax Amsterdam. 1:0 geführt, dann nach 82 Minuten 1:2 zurück. In einem wilden Hin und Her drehte man die Partie erneut – 3:2, fing sich in der Nachspielzeit das 3:3. Für Trainer ein Graue-Haare-Spiel. Und mit Blick auf Achtelfinal-Gegner FC Liverpool wäre so ein Schlendrian fatal. Ebenfalls im Kampf um den Anschluss an Tabellenführer BVB.

Spieler und Trainer haben das Problem erkannt

Die Mannschaft erntete "deutliche Worte", so Kovac, der "nicht amused" war. Denn: "So können wir uns nicht präsentieren. Wir wollen Meister werden, da muss man sich über 90 Minuten gut präsentieren, nicht immer nur 60 Minuten", schimpfte er und forderte, dass seine Spieler einmal "90 Minuten auf die Platte kriegen" sollten, stabile 90 Minuten. Nicht immer nur Kicks unter der Überschrift "Gute Zeiten, schlechte Zeiten".

Immerhin: Trainer und Spieler haben das Übel erkannt. Laut Joshua Kimmich sei man "einfach noch nicht souverän genug. Wir müssen das über 90 Minuten durchziehen". Und Leon Goretzka fand: "Das ist ein Problem, das sich schon durch die Hinrunde gezogen hat. Was man aber positiv festhalten muss, ist, dass wir im Vergleich zur Hinrunde das Spiel doch noch deutlich gewonnen haben." Anders als gegen Freiburg (1:1), Augsburg (1:1) und Düsseldorf (3:3). Diese sechs verlorenen Punkte, alle zu Hause nach Führung verdaddelt, fehlen zum Primus BVB. Es gilt, diese Zähler "abzuknabbern", wie Kovac stets sagt. Noch 15 Spiele. Die Zeit läuft.

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