Schutz vor Angriffen Schwuler Geflüchteter wird weit weg verlegt

David hat einen Teil seiner Haare gefärbt – in seiner Heimat ein Zeichen dafür, dass jemand schwul ist. Foto: Menrad

David will angstfrei leben, doch dafür muss er seine Ausbildung aufgeben und wegziehen.

München - Wohlgefühlt hat sich David (22) in Vaterstetten nicht. In dem Camp wurde der schwule Geflüchtete aus Sierra Leone verbal und körperlich angegriffen - sogar die Polizei musste schon kommen.

David hatte deshalb Verlegung beantragt. Diesem Antrag ist die Regierung von Oberbayern nachgekommen - doch nicht zum Wohle Davids. Am Donnerstag, am Tag, als die AZ einen Artikel über David gebracht hat, wurde der junge Mann nach Murnau am Staffelsee verlegt.

Kontakte gehen verloren, Ausbildung muss unterbrochen werden

Nicht nur, dass David so seine aufgebauten Kontakte im Münchner Schwulenzentrum Sub verliert, er wird auch seine Ausbildung als Koch unterbrechen müssen. Denn mit dem Zug braucht er von Bahnhof zu Bahnhof eineinhalb Stunden. Da ist er noch nicht an seiner Arbeitsstelle, einer bayerischen Wirtschaft.

David kam 2014 nach Deutschland, weil Homosexualität in Sierra Leone verboten ist. In anderen Bundesländern gibt's für LGBTI*-Geflüchtete geschützte Unterkünfte, in Bayern nicht - nur wenige städtische Plätze.

David fürchtet sich nun vor neuen homophoben Übergriffen, vor denen er nicht einmal in seine Arbeit fliehen kann.

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