Newsblog nach Amoklauf in München Merkel: "Wir trauern mit schwerem Herzen

, aktualisiert am 25.07.2016 - 16:46 Uhr

+++ Merkel: "Wir trauern mit schwerem Herzen +++

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich nach dem Amoklauf von München mit insgesamt zehn Toten geschockt gezeigt und zugleich die Einsatzkräfte für ihre "hoch professionelle" Arbeit gelobt. "Sie waren und sind im besten Sinne Helfer und Beschützer der Bürgerinnen und Bürger", sagte Merkel am Samstagnachmittag in Berlin. Die Zusammenarbeit der Behörden Bayerns und des Bundes habe bestens funktioniert.

 

Zugleich brachte Merkel ihre Fassungslosigkeit angesichts der Bluttat eines 18-Jährigen in einem Münchner Einkaufszentrum am Vorabend zum Ausdruck. Deutschland trauere "mit schweren Herzen um die, die nie mehr zu ihren Familien zurückkehren werden", sagte sie. Nun gehe es darum, die Tat vollständig aufzuklären.

+++ Kranzniederlegung am OEZ +++

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) haben am Tatort einen Kranz zum Gedenken an die Opfer niedergelegt. "Unsere Gedanken sind bei den Verletzten, die noch um ihr Leben kämpfen", sagte die evangelische Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler. Auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann und Landtagspräsidentin Barbara Stamm (beide CSU) nahmen an der kurzen Zeremonie am Samstagmittag teil.

+++ OB Reiter bekundet Anteilnahme - Feiern abgesagt +++

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter hat sich am Samstag zu der Gewalttat am Olympia-Einkaufszentrum geäußert. In einer Presseerklärung teilte er mit: „Wir alle sind entsetzt und schockiert über die schreckliche Tat. Unsere Gedanken und unser Mitgefühl sind bei den Opfern und ihren Familien und Freunden. Mein großer Dank gilt der Polizei und allen am Einsatz beteiligten Kräften, die Herausragendes geleistet haben. Heute ist ein Tag der Trauer – nicht des Feierns. Deshalb sind alle städtischen Feste und Feiern für dieses Wochenende abgesagt. Auch viele private Veranstalter haben sich dem angeschlossen. Es sind schwere Stunden für München. Ich bin beeindruckt von der großen Hilfsbereitschaft und Solidarität der Münchnerinnen und Münchner. Unsere Stadt steht zusammen.“

+++ Viele minderjährige Opfer +++

Die Toten stammten laut Polizeipräsident Hubert Andrä alle aus München und Umgebung. Viele Todesopfer waren minderjährig. Zwei 15-Jährige und drei 14-Jährige seien ums Leben gekommen, berichteten die Ermittler. Weitere Opfer seien 17, 19, 20 und 45 Jahre alt gewesen. Unter den neun Todesopfern seien drei Frauen gewesen.

+++ Polizei überprüft Fehlalarme +++

Nach dem Amoklauf von München ermittelt die Polizei, ob auch absichtliche Fehlalarme und Falschinformationen aus der Bevölkerung eingingen. Dies gab Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) nach einer Sondersitzung des Kabinetts am Samstag in München bekannt: "Wir müssen schon auch überprüfen, inwieweit hier Leute meinten, sie würden etwas Witziges tun, indem sie solche Behauptungen ins Netz stellen oder deswegen die Polizei anrufen."

Jeder, der Verdächtiges wahrnehme, solle die 110 wählen, betonte Herrmann. "Lieber einmal zu oft als einmal zu wenig. Aber wenn jemand das missbraucht, ist das natürlich schändlich." Ein bewusst falscher Anruf könne fatale Folgen haben: "Nur weil einer einen dummen Scherz macht und dann stehen die Polizeibeamten nicht da zur Verfügung, wo sie vielleicht fünf Minuten später wirklich gebraucht werden, da muss sich jeder bewusst sein, der meint, solche Scherze machen zu müssen, dass er damit womöglich das Leben anderer gefährdet."

+++ Seehofer kündigt Trauerakt an +++

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer kündigt einen Trauerakt im Landtag am Sonntag in einer Woche an. Bis dahin würden die Mitglieder der Staatsregierung ihre Teilnahme an Bierzelt- und Festveranstaltungen absagen. Auch der Staatsempfang zum Beginn der Bayreuther Festspiele am Montag wurde abgesagt.

+++ Tour de France hält Schweigeminute für München +++

Die Radprofis der Tour de France haben vor dem Start der 21. Etappe der Opfer des Amoklaufs von München gedacht. Der deutsche Meister André Greipel stand am Samstag während der Schweigeminute in Megève neben Tour-Spitzenreiter Chris Froome aus Großbritannien in der ersten Reihe.

+++ Herrmann deutet psychische Störung an +++

Bei einer Pressekonferenz am Samstagvormittag sagte Joachim Herrmann: "Wir haben einige Hinweise dafür, dass eine nicht unerhebliche psychische Störung bei dem Täter vorliegen könnte."

+++ Kardinal Marx betroffen über Todesschüsse +++

Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx hat nach dem Amoklauf vom Freitagabend zum Gebet für alle von Gewalt und Terror Betroffenen aufgerufen. "Diese schreckliche Tat erschüttert mich und erfüllt mich mit tiefer Trauer", sagte Marx und ergänzte: "Meine Gebete sind bei den Opfern und ihren Angehörigen."

+++ Über 4.000 Notrufe in München +++

Zwischen 18.00 und 24.00 Uhr habe die Münchener Polizei 4310 Notrufe gezählt, sagte Polizeipräsident Hubertus Andrä. Das sei das Vierfache eines normalen Tages gewesen.

+++ Mobilfunknetz in München war überlastet +++

Während des Anschlags in München war das Mobilfunknetz zeitweise überlastet. Es sei ab etwa 19.00 Uhr für etwa anderthalb Stunden sehr stark beansprucht worden, teilte ein Sprecher vom Mobilfunkanbieter Telefonica mit. Auch im Netz der Telekom habe es vereinzelt Überlastungen gegeben, sagte ein Sprecher. Bei Vodafone habe es nach Unternehmensangaben keine Störungen gegeben.

+++ Verbindung zu Breivik-Attentat +++

Die Ermittler gehen von einem Zusammenhang mit dem Attentat des Norwegers Anders Behring Breivik aus. "Diese Verbindung liegt auf der Hand", sagte Polizeipräsident Hubertus Andrä. Am Freitag war der fünfte Jahrestag von Breiviks Amoklauf.

+++ Täter starb durch Selbstmord +++

Nach der Obduktion steht fest, dass der Täter nur eine Schusswunde erlitt. Eine Polizeistreife, die auf ihn geschossen hatte, traf ihn demnach nicht.

Der Leichnam weist nur einen aufgesetzten Schuss am Kopf auf. Dieser aufgesetzte Schuss wurde mit der linken Hand geführt und der Täter war Linkshänder. Zudem wurde die Waffe unmittelbar neben der Leiche gefunden.

+++ Täter war wohl depressiv +++

Nach Angaben der Polizei war der Täter seit längerer Zeit wegen Depressionen in ärztlicher und psychiatrischer Behandlung.

Strafrechtlich ist er nie in Erscheinung getreten.

+++ Polizei findet Material über Amokläufe beim Täter +++

In der Wohnung des Täters hat die Polizei zahlreiche Schriftstücke rund um die Thematik Amoklauf gefunden. Unter anderem wurde ein Buch „Amok im Kopf“ sichergestellt. Zudem entdeckte man Zeitungsartikel, die sich damit beschäftigten, wie die Polizei bei Amokläufen reagiert.

Material mit Bezug zum IS oder Islamismus hingegen wurde nicht gefunden.

Die Polizei geht daher von einem klassischen Amoktäter ohne politische Motive aus.

+++ Täter hatte 300 Schuss Munition dabei +++

Laut Polizei war der 18-jährige Amokläufer mit einer 9mm-Pistole der Firma Glock bewaffnet und hatte rund 300 Schuss Munition bei sich. Die Waffe war wohl illegal erworben worden, da die Seriennummer weggefeilt war.

+++ Polizei sieht keinen Bezug zum Thema Flüchtlinge +++

Polizeipräsident Hubertus Andrä bestätigt in einer Pressekonferenz noch einmal, dass der Amoklauf definitiv beendet ist. Es gebe keinerlei Hinweise auf weitere Täter: „Eindeutig, dass wir es mit einem Einzeltäter zu tun haben“ Besonders wichtig ist Andrä folgende Feststellung: „Tat und Täter haben nach dem derzeitigem Stand überhaupt keinen Bezug zum Thema Flüchtlinge“

+++ Polizei: Fünf Jugendliche unter Todesopfern +++

Jetzt ist es bestätigt: Unter den Opfern befinden sich fünf Jugendliche. Die vier anderen Toten außer dem mutmaßlichen 18 Jahre alten Todesschützen seien Erwachsene, ergänzte der Sprecher. Informationen des Bayerischen Rundfunks, wonach es sich um acht tote Mädchen und Jungen handeln soll, wollte der Sprecher nicht bestätigen. Der mutmaßliche Todesschütze hatte sich erschossen.

+++ Die Opfer sind vor allem junge Menschen +++

Allmählich wird mehr über die Opfer des Blutbads bekannt. Nach Informationen des Bayerischen Rundfunks handelt es sich überwiegend um junge Menschen im Alter zwischen 15 und 21 Jahren. Das älteste der insgesamt neun Opfer ist eine 45 Jahre alte Frau.

+++ Öffentlicher Nahverkehr läuft wieder normal +++

Allmählich kehrt der Alltag zurück in die Stadt. Der Münchner Nahverkehr läuft wieder normal - Ausnahme: Die Haltestelle Olympia Einkaufszentrum wird nach Informationen der Polizei nicht angefahren.

+++ Trauerbeflaggung in ganz Deutschland +++

Nach dem Anschlag in München hat Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) Trauerbeflaggung in ganz Deutschland angeordnet. Dies geschehe als "Zeichen der Anteilnahme nach der abscheulichen Gewalttat", teilte sein Ministerium am Samstagmorgen über den Kurznachrichtendienst Twitter mit.

+++ Bericht: SEK stürmt Wohnung des Täters +++

Wie die "Bild" berichtet, hat die Polizei in der Nacht zum Samstag die Wohnung des Todesschützen gestürmt. Das Gebäude befindet sich demnach in der Maxvorstadt. Dort soll der Täter bei seinen Eltern gewohnt haben. Eine Bestätigung der Polizei für diese Nachricht gibt es noch nicht.

+++ Veranstaltungen in München abgesagt +++

Nach der blutigen Schießerei in München haben Bayerns Brauer ein Fest in der bayerischen Landeshauptstadt zum 500. Geburtstag des Reinheitsgebotes vorzeitig beendet. Die Veranstaltung sei für das Wochenende abgesagt worden, hieß es am frühen Samstag in einer Mitteilung. Am Freitag hatte das Bierfestival an zentralen Plätzen in der Münchner Innenstadt begonnen. Auch ein für Samstag geplantes Musikfestival für Jugendliche auf dem Königsplatz wurde nach den Ereignissen abgesagt.

+++ Polizeisprecher: Können wieder nach vorne schauen +++

Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins sagte: "Wir haben das Problem gefunden, und es ist tatsächlich so, dass wir wieder nach vorne gucken können und der morgige Tag beginnen kann."

Damit beenden wir zunächst unseren Newsblog und berichten ab Samstagfrüh wieder für Sie.

+++ Terror oder Amoklauf? - "Momentan gehen wir von einer Schießerei aus" +++

Auf die Frage, ob die Polizei nunmehr von einem Terrorakt oder einem Amoklauf ausgehe, sagte Andrä: "Wir gehen momentan von einer Schießerei aus." Die Frage Terror oder Amoklauf sei ja mit dem Motiv verknüpft, und dazu könne man noch nichts sagen.

+++ Auch Jugendliche unter den Todesopfern ++++

Andrä bestätigte entsoprechende Medienberichte, dass unter den Todesopfern auch Jugendliche sind. Auch seien Kinder verletzt worden, teilt der Polizeipräsident mit. Die Hintergründe der Bluttat und das Motiv sind noch völlig unklar. Derzeit werde das persönliche Umfeld des Täters überprüft.

+++ Täter offenbar ein Deutsch-Iraner +++

Der Täter sei nach derzeitigem Ermittlungsstand ein 18-jähriger Deutsch-Iraner, der in München lebte, sagte Polizeipräsident Hubertus Andrä am Samstagmorgen auf einer Pressekonferenz. Dass zunächst von drei möglichen Tätern ausgegangen worden sei, erklärt Andrä mit einem Auto, dass am Tatort mit hoher Geschwindigkeit davongebraust sei. Dies habe aber nichts mit den schrecklichen Geschehnissen zu tun gehabt, hätten Ermittlungen ergeben. Der Deutsch-Iraner sei zwischenzeitlich der Zivilstreife entkommen und wurde erst später von der Polizei in einer Nebenstraße des Einkaufszentrums aufgefunden, sagt Andrä. Der Täter habe seit mehr als zwei Jahren in München gelebt und sei polizeilich bisher nicht aufgefallen. Andrä betonte, dass es sich bei dem 18-Jährighen nicht um  einen Flüchtling gehandelt habe.