Schneechaos in den Alpen Ein weißer Albtraum

Wind und Neuschnee verschütten nicht nur Autos wie hier in Haggen, sondern sorgen auch für höchste Lawinengefahr. Foto: dpa

Der Schnee hat die Alpen im Griff: 15.000 Urlauber sitzen in Wintersport-Orten fest. Snowboarder aus Bayern müssen aus Tiefschnee und Lawinen gerettet werden.

 

München - Bis zu vier Meter hoch liegt er in manchen Orten. Auch für Wintersportler ist das nicht das reine Vergnügen. Im Werdenfelser Land gab es in der Nacht zum Samstag einen halben Meter Neuschnee. Die Bundesstraße 2 zwischen Garmisch und Mittenwald war wegen Lawinengefahr gesperrt. Die Zugspitzbahn fuhr nicht wegen des starken Windes, die Lifte blieben abgeschaltet. In den Voralpen, in den Chiemgauer und den Berchtesgadener Alpen herrschte nach Neuschnee und starken Winden Lawinenwarnstufe drei. Eine Stufe höher (siehe Kasten) herrschte im Stubaital.

Dort erlebte ein Snowboarder aus Fürstenfeldbruck den Albtraum seines Lebens. Er wurde bis zu Brust von einer Lawine verschüttet, überlebte aber: „Ein Wunder, dass nicht mehr passiert ist“, sagt ein Bergwachtler. So hoch war der Schnee in Ellmau am Wilden Kaiser, dass sich drei Snowboarder aus Bayern nicht mehr selbst aus dem Tiefschnee befreien konnten. Erst um 20 Uhr konnte die Bergwacht das Trio ins Tal bringen. Außer Unterkühlungen fehlt den dreien aber nichts.

Stark betroffen und auch am Sonntag wieder von der Außenwelt abgeschnitten war das Paznauntal. Ischgl und Galtür sind nicht erreichbar. „Zum Glück konnten die meisten Besucher am Samstag, dem Tag des Bettenwechsels, das Tal verlassen“, heißt es bei dem Tourismusamt. Im benachbarten Kappl wurde ein Taxi von der Schneemasse von der Straße geschoben. Auch hier kamen die Insassen mit dem Schrecken davon. Zahlreiche Straßen können wegen Lawinengefahr nicht befahren werden, Zugstrecken wie die wichtige Verbindung Schweiz – Wien sind wegen einer Sperrung zwischen Ötztal und Bludenz in Tirol unterbrochen. Der Schnee verschüttete nicht nur die Strecken, er stürzte auch Oberleitungsmasten um. In Vorarlberg, ohnehin ein Schneeloch, mussten 52 Menschen aus einer Skihütte mit dem Hubschrauber ausgeflogen werden.

Die Gruppe aus Lindau saß nach den starken Schneefällen zwei Tage in der Hütte bei Brand fest. Mit dabei war ein sieben Monate altes Baby. „Die Stimmung war gut, wir hatten genug zu essen, sagt der Hüttenwirt. Die Orte Zürs, Lech, Warth und Gargellen waren eingeschneit. Allein in Österreich saßen zeitweise 15000 Menschen fest. Am heftigsten schlug der Winter in der Schweiz zu. In Davos liegen bis zu vier Meter Schnee, in Sankt Moritz waren Millionäre und Promis eingeschneit. „Wetten, dass“-Co-Moderatorin Michelle Hunziker war mit ihrem neuen Gefährten, dem Mode-Erben Tomaso Trussardi, ein Schnee-Opfer. Am Sonntag entspannte sich die Lage in der Schweiz, die Lawinenwarnstufe wurde auf 3 gesenkt, in Österreich und Bayern bleibt sie auf vier.

Der Deutsche Wetterdienst warnt weiter vor starkem Schneefall in den Alpen – es könnten zwischen 30 und 50 Zentimeter dazukommen. Der Schneefall sollte in den Alpen bis Montagmittag anhalten. Zudem könne es zu Unwettern mit Sturmböen auf den Gipfeln und zu Schneeverwehungen kommen. Die Schneefallgrenze lag am Nachmittag bei 500 Metern. Die Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes sollte bis Montagnacht anhalten und verlängert werden. Noch Anfang Dezember hatte die extreme Schneearmut den Saisonstart in den meisten Skigebieten verzögert. Von Schneemangel kann keine Rede mehr sein.

 

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