Die Basketballer des FC Bayern sind nach der Heimniederlage gegen Alba nun in Berlin unter Zugzwang. Gavel sagt: "Wir standen auch schon in der Frankfurt-Serie mit dem Rücken zur Wand".

München - Dieser Dreier war dann einfach zu viel für die geschundenen Seelen der Basketballer des FC Bayern. In den letzten Sekunden der Verlängerung des dramatischen Auftaktspiels der Final-Playoffs gegen Alba Berlin standen sie bereits als Verlierer fest, beide Teams hatten sich darauf verständigt, die Uhr nun runterlaufen zu lassen. Doch diese Rechnung hatten sie ohne Joshiko Saibou gemacht. Der schnappte sich nämlich den Ball und warf ihn entgegen des ungeschriebenen Fairplay-Gesetzes mit der Schlusssirene zum 106:95-Endstand in den Korb.

Nihad Djedovic im heftigen Wortgefecht mit Berlins Marco Baldi

Auf dem Court kam es anschließend zu einer Rudelbildung, bei der sich unter anderem Bayerns Nihad Djedovic ein heftiges Wortgefecht mit Berlins Marco Baldi lieferte und von dessen Münchner Geschäftsführerkollegen Marko Pesic zurückgehalten werden musste. Über das Spiel sagte Baldi dem Deutschlandfunk: "Es war eine Schlacht." Im Clinch mit Saibou hatten sich schon Reggie Redding beim Liga-Spiel in München zu einer Tätlichkeit hinreißen und die Bayern-Mannschaft aus dem Konzept bringen lassen. Nicht auszuschließen, dass der Berliner nun erneut bewusst die Rolle des Provokateurs übernahm. "Wir spielen am besten, wenn wir unsere Emotionen kontrollieren", hatte Pesic vor der Partie gesagt.

Das war in dem mitreißenden Finale ohnehin keine einfache Aufgabe und wurde dadurch erschwert, dass die Bayern von Beginn an mal wieder einem Rückstand hinterherlaufen mussten. Auch die 37 Freiwürfe, die den Berlinern von den Schiedsrichtern zugesprochen wurden, trugen nicht gerade zur Beruhigung der bayerischen Gemüter bei. Kommentieren wollten die Münchner, die nur 23 Mal an die Linie durften, das nicht. Kapitän Anton Gavel fand diese Statistik lediglich "interessant".

"Wir hatten die Chance, die Partie in der regulären Spielzeit zu beenden", sagte FCBB-Coach Dejan Radonjic, dessen Team vier Sekunden vor Schluss den letzten Angriff hatte: "Berlin hatte aber zwei Fouls übrig, deshalb hat das nicht geklappt." Warum er Alex King und Braydon Hobbs gerade einmal jeweils knapp drei Minuten an dem Final-Fight teilhaben ließ und nicht wie im erfolgreichen Halbfinale gegen Bamberg auf die starke Kaderbreite vertraute, bleibt sein Geheimnis.

Heimvorteil verloren: Spiel zwei am Donnerstag in Berlin

Die Bayern verloren so jedenfalls nicht nur das erste Spiel der Best-of-five-Serie, sondern auch ihren Heimvorteil. "Es steht jetzt 1:0", sagte Kapitän Anton Gavel der AZ mit Blick auf Spiel zwei am Donnerstag in der Hauptstadt (19 Uhr): "Wir wollen uns jetzt in die Serie zurückkämpfen und unseren Heimvorteil zurückholen."

Das werde freilich nicht einfach, "aber wir standen auch schon in der Frankfurt-Serie mit dem Rücken zur Wand und haben da bestanden". Auch Danilo Barthel kündigte an, "die Enttäuschung in positive Energie umwandeln" zu wollen.

Der Nationalspieler hatte einen besonders bitteren Abend im heimischen Audi Dome erlebt. Mit 17 Punkten und vor allem seiner überragenden Verteidigung gegen Liga-MVP Luke Sikma gehörte er zu den auffälligsten Akteuren. "Wenn dafür zwei andere Spieler 30 und 19 Punkte machen (Grigonis und Butterfield; d. Red.) und wir am Ende verlieren, hat das alles nichts gebracht", sagte Barthel.

Für ihn und seine Teamkollegen ist die Ausgangslage klar: Um noch Meister werden zu können, müssen sie mindestens ein Spiel in Berlin gewinnen. Die erste Gelegenheit dazu bietet sich am Donnerstag. Berlins Baldi formulierte seine Erwartungshaltung auch dafür ziemlich martialisch: "Jeder weiß, dass es nach dieser Schlacht weitere Schlachten gibt."