Schlag gegen Rechtsextremismus Große Razzia gegen Neonazi-Netzwerk „Freies Netz Süd“

Auch im "braunen Haus" in Obermenzing machte die Polizei gestern Razzia. Foto: C. Arnowski

700 Beamte durchsuchen in ganz Bayern rund 70 Wohnungen und Arbeitsplätze von Neonazis, auch das "braune Haus" in Obermenzing.

 

München -Bei der größten Razzia gegen Neonazis in Bayern haben gestern 700 Polizisten rund 70 Objekte der braunen Verbindung „Freies Netz Süd“ in ganz Bayern durchsucht. Sechs davon in München. „Wir gehen konsequent und entschieden gegen rechtsextremistische Organisationen und Umtriebe vor“, sagte Innenminister Joachim Hermann (CSU) nach der Aktion.

Seit Ende 2008 ist das „Freie Netz Süd“ aktiv. Darunter haben sich alle wesentlichen Kameradschaften Bayerns versammelt. Rund 20 Gruppen. Laut bayerischem Verfassungsschutzbericht soll es das größte Neonazi-Netzwerk in Bayern sein. Das Innenministerium und die Polizei suchen Beweise, das es eine Ersatzorganisation für die im Jahre 2004 verbotene „Fränkische Aktionsfront“ ist. Dann könne es auch verboten werden.

So gab es ab vier Uhr morgens Razzien in allen bayerischen Bezirken, der Schwerpunkt lag in Franken. Dabei wurden nach Abgaben Herrmanns der „größte Teil der führenden Angehörigen der bayerischen Neonazi-Szene“ erfasst. Darunter: Martin Wiese, Matthias Fischer, Norman Kempken, Karl-Heinz Statzberger, Sebastian Schmaus oder Tony Gentsch.

Es habe keine Festnahmen gegeben. Aber es wurde Beweismaterial beschlagnahmt. Darunter waren Karabiner, eine Pistole, Handgranaten, Bajonette, ein Schlachterbeil, Hitlerbilder und Hakenkreuzfahnen. Einer hat in Franken seinen Laptop aus dem Fenster geworfen: Aber es hat ihm nichts genützt – das Gerät blieb heil.

Die Zahlen im Einzelnen: Mittelfranken: 30 Objekte, Oberfranken 8, Unterfranken 5, Oberpfalz 8, Niederbayern 6, Schwaben 4, Oberbayern 6 und München 6.

In München war es besonders das so genannte braune Haus in Obermenzing, das führende Münchner Neonazis aus dem Umfeld des stellvertretenden NPD-Bundesvorsitzenden und Münchner Stadtrats Karl Richter Ende 2012 gemietet haben. Das Haus mit dem fast 1000 Quadratmeter großen Grundstück ist zu einem Treffpunkt für Neonazis geworden. Es war mit Gittern und einer Videoanlage schwer gesichert. Brisant: In dem Haus wohnt derzeit auch der mutmaßliche NSU-Terrorhelfer André E. Er muss am NSU-Prozess in München teilnehmen. Damit schließt sich für Szene-Beobachter ein Kreis – nämlich dass die NSU auch in München Unterstützer hat.

Über die anderen fünf Objekte in München wollten LKA und Verfassungsschutz gestern keine Angaben machen. In Oberbayern gab es Razzien in Erding, Freising, Mühldorf oder Wielenbach.

 

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